F wie Familienleben - Patchwork und Armut nehmen zu

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Kommunikation, Austausch, Zeit für die Kinder und Partnerschaft - das ist wichtig für eine Familie. Foto: Jens Kalaene

Was brauchen Familien? Zeit für die Kinder und für die Partnerschaft, Sicherheit und Planbarkeit, sagen Forscher. Zum Internationalen Tag der Familie (15. Mai) werden die F-a-m-i-l-i-e-n buchstabiert.

Berlin (dpa) - Die Familie ist der zentrale Lebensmittelpunkt der Menschen. Deshalb wird der Bezeichnung zum Internationalen Tag der Familie ganz genau nachgegangen.

F wie Familienleben: Das Familienleben in Deutschland ist im Wandel. Fast jede dritte der insgesamt knapp 8,1 Millionen Familien lebt nicht mehr nach dem klassischen Modell. Mitte der 1990er Jahre waren noch gut 80 Prozent der Eltern verheiratet, inzwischen sind es nur noch 70 Prozent. 20 Prozent sind Einelternfamilien und 10 Prozent nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Was das Statistische Bundesamt nicht erfasst: "Mindestens jede zehnte Familie ist eine Stief- oder Patchworkkonstellation", sagt Familiensoziologe Harald Rost von der Universität Bamberg.

A wie Alleinerziehende und Armut:Alleinerziehend bedeutet häufig auch arm. Fast 40 Prozent der Mütter und Väter ohne Partner sind auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Sie beziehen fünfmal häufiger Hartz IV als Paarfamilien. Kinder- und Familienarmut hat nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung alarmierend Ausmaße angenommen. "Armut ist für Kinder besonders schlimm, weil sie ihre Zukunftschancen gefährdet", sagt der Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers. "Arme Kinder haben kaum eine Chance im Bildungssystem und sind im Gesundheitssystem benachteiligt."

M wie Mütter: Die durchschnittliche Erwerbstätigkeit von Müttern liegt mit 27 Wochenstunden um 15 Stunden unter der der Väter. Um ökonomisch zu überleben brauche eine Familie inzwischen eineinhalb bis zwei Einkommen, sagt Familienforscher Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut. Der Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder solle dies erleichtern. "Damit akzeptieren wir gesellschaftlich immer noch, dass die Belastungen, die der Familie entstehen, kurz- und langfristig (Armut in der Rente) ausschließlich von den Frauen getragen werden." Die Generation Y (die 1990 bis 2010 im Teenager-Alter war) nehme bei der Jobwahl mehr Rücksicht auf die Familie.

I wie Integration: Fast 1,2 Millionen deutsch-ausländische Ehepaare leben in der Bundesrepublik. Das sind etwa sieben Prozent aller Ehepaare. Einen Migrationshintergrund hat in fast jeder vierten Ehe mindestens ein Partner, ist also Ausländer, Aussiedler oder eingebürgert. "Die Kinder haben sehr früh gelernt, dass es immer mehr als eine Beschreibung für einen Begriff gibt, nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Sichtweise", sagt Hiltrud Stöcker-Zafari vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Es gebe nach wie vor Diskriminierung aufgrund von Religion, Namen und Äußerlichkeiten wie dunkler Haare.

L wie Liebe:"Liebe und gute Beispiele" nennt Kinderschutzpräsident Hilgers als wichtige Entwicklungsgrundlage für Mädchen und Jungen. Und: "Kinder müssen ernst genommen werden." Kommunikation, Austausch, Zeit für die Kinder und für die Partnerschaft zählt Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung der Uni Bamberg auf. "Bestimmte Rituale wie gemeinsame Mahlzeiten sind auch wichtig." Familienforscher Christian Alt vom Jugendinstitut betont: "Familie braucht Sicherheit, Planbarkeit und Langfristigkeit."

I wie in der Kita: Fast jedes dritte Kleinkind in Deutschland wird in einer Kita oder von Tageseltern betreut. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der unter Dreijährigen sind mehr als 35 Wochenstunden dort. Kleinkinder mit Migrationshintergrund gehen inzwischen auch öfter in die Kita als früher, werden aber noch immer häufiger zu Hause betreut als andere Gleichaltrige. Der Anteil der unter Dreijährigen mit Migrationshintergrund in den Kitas ist von 2009 bis 2014 von 11 auf 20 Prozent gestiegen, der der Kleinkinder ohne Migrationshintergrund von 25 auf 38 Prozent.

E wie Einzelkind: Rund 3,4 Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland ohne Geschwister auf. Das ist nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes etwa jeder vierte Minderjährige. Dieser Anteil ist seit Jahren ungefähr gleich. Vor allem in den Großstädten und im Osten Deutschlands werden besonders viele Mädchen und Jungen ohne Brüder und Schwestern groß. Im Vergleich zu Geschwisterkindern leben Einzelkinder auch häufiger bei alleinerziehenden oder getrennt lebenden Eltern. Das Vorurteil vom Egoisten stimmt Forschern zufolge nicht. Einzelkinder seien aber länger auf ihre Eltern zentriert.

N wie Nicht-eheliche Kinder: Immer mehr Babys kommen als nicht-eheliche Kinder zur Welt. Bei mehr als einem Drittel (34,8 Prozent) der 682 069 Neugeborenen hatten die Eltern 2013 keinen Trauschein. Zehn Jahre zuvor war dies nur bei 27 Prozent der Säuglinge so.

Homepage Harald Rost

Homepage Christian Alt/DJI

Kinderschutzbund

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