Faschingshochzeit mit "Kopulierung"

Dieses Spektakel gibt es in Bergen nur alle zehn Jahre

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Bergen - Ganz Bergen wird am Sonntag, 3. März, Schauplatz für ein grandioses Spektakel, das es nur alle zehn Jahre einmal zu sehen gibt: eine Faschingshochzeit mit großer Teilnehmerschar und im traditionellen Stil.

Alle acht Ortsvereine sind seit Monaten unter der Leitung von Georg „Bibi“ Anfang an der Vorbereitung der Brauchtums-Veranstaltung beteiligt, die 2009 rund 5.000 Besucher angezogen hat. 

Im Unterschied zu sonstigen „Bettelhochzeiten“ im Fasching in der Region mit Misthaufen und einem sehr schrägen Brautpaar legen die Veranstalter wert darauf, dass die 1886 erstmals nachgewiesene Bergener Faschingshochzeit streng überlieferten Bräuchen und Gepflogenheiten entspricht. Nach den Hochzeiten 1912, 1920, 1938 und 1949 ließ Georg Anfang den in Vergessenheit geratenen Brauch 1969 mit organisatorischer Unterstützung der Ortsvereine wieder aufleben. 

Alte Bauernhochzeiten dienen als Vorbild

Er folgt damit dem Vorbild alter Bauernhochzeiten um die Jahrhundertwende. Nur eben faschingszünftig, locker-leger und mit einem lustig- komischen Anstrich. Dafür spricht ein „ehrengeachteter, lediger Bauernbursch“ und eine „tugendbedürftige, gleichwohl aber längst überstandige Jungfrau“. Wer die holde Auserwählte von Hochzeiter Michael Mörtl heuer ist, darüber wird bisher nur gemunkelt. Laut inoffizieller Dorfpost soll es sich um Ingrun Gehmacher handeln. 

Durch die strenge Anlehnung an die Ursprünge bis hin zu alten Ladertexten und „Kopulierungssprüchen“ hat das Institut für Volkskunde der Kommission für Bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Bergener Faschinghochzeit ins Archiv genommen. Eine echte Schau sind nicht zuletzt die beiden Hochzeitszüge, die am Sonntag zum großen Gaudium der Zuschauer von der Maxhütte bis ins Dorfzentrum ziehen. 

"Arschprügelmachine", Sissi und Hochradfahrer

Hier treten neben König Ludwig und Sissi sowie Kronprinz Luitpold mit Hofstaat auch Böllerschützen, bäuerliches Fußvolk, Kammertwagen und Geldesel, die bayerische Hofbäckerei mit Hochzeitstorte, Ehemalige und „Überleberer“ der Faschingshochzeiten seit 1969, eine Francaise-Tanzgruppe mit Tanzmeister Sigi Parzinger sowie „hysterische Auftanzer“ aus Siegsdorf, die Wilderer vom Engelstein, Hochradfahrer und ein historischer Holzzug, dazu Gaukler und Feuerschlucker auf. 

Die Ehre geben sich ergänzend die Schellenberger Brut, Grattler und Draufgänger und nicht zuletzt Madame Plissee „die Faltenreiche“ als Überraschungsgast. Sollte jemand übermütig werden oder den Anweisungen nicht Folge leisten, droht eine „Behandlung“ durch den Scharfrichter mit seiner „Arschprügelmaschine“

"Kopulierung" und Hochzeitszüge

Der Zeitplan sieht zwischen 11.30 und 12.30 Uhr das Eintreffen und Aufstellen der beiden Züge an der Maxhüttenkapelle beziehungsweise der Hüttenschenke vor. 

Um 13 Uhr folgt dort das Hochzeitsfoto und im Anschluss der Hochzeitszug über Maximilian- und Hochfellstraße zum Dorfplatz weiter in die Bahnhofstraße bis zum ehemaligen Anwesen Lackner. Die Umkehr erfolgt über den Wangerhof. Gegen 15 Uhr ist die standesamtliche „Kopulierung“ am Maibaum auf dem Dorfplatz, anschließend folgen die Française und das Hochzeitslaufen. Um 16 Uhr setzt sich der Zug zum Festsaal in Bewegung, wo die Hochzeitsfeierlichkeiten einen weiteren Höhepunkt finden. 

Der Reinerlös der Faschingshochzeit kommt den acht mit den Vorbereitungsarbeiten betrauten Ortsvereinen zugute, den Feuerwehren Bergen und Holzhausen, dem Trachtenverein, der Feuerschützengesellschaft, der Krieger- und Soldatenkameradschaft, der Musikkapelle, dem Skiclub und dem TSV Bergen.

Axel Effner

Quelle: chiemgau24.de

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