Nur alle zehn Jahre

Historische Faschingshochzeit in Bergen mit mehreren tausend Zuschauern

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Bergen - Ein seltenes Spektakel der Extraklasse bot am Sonntag die faschingszünftige Bauernhochzeit mit „standesamtlicher Kopulierung“ unterm Maibaum in Bergen.

Die Tradition der nur alle zehn Jahre streng nach den überlieferten Bräuchen und Gepflogenheiten veranstalteten Hochzeitfeierlichkeit reicht bis ins Jahr 1886 zurück. Mehrere tausend Zuschauern verfolgten bei strahlendem Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen den „ehrennotwendigen Zusammenstand“ von Hyronimus Dudderer (Michael Mörtl) und der ehrengeachteten, gleichwohl aber längst überstandigen Scholastika Dengelhammer (Ingrun Gehmacher). 

Historische Faschingshochzeit in Bergen

Bereits vor dem offiziellen Hochzeitsfoto herrschte vor dem Bergstüberl oberhalb der Maxhütte reges Treiben bei der Versammlung der historisch gewandeten Teilnehmer der beiden Faschingszüge. Hochradfahrer, Schlittenfahrer von der Jahrhundertwende und ein historischer Holzzug, die „Wilderer vom Engelstein“, die königlich-bayerische Hofbäckerei, Geldesel-Führer mit Geldtruhe, südosteuropäisch gewandete Wahrsagerinnen und Marketenderinnen samt Feuerschluckern, Gauklern und Tanzlmusi oder eine dramatische Szene mit Bergwachtrettung inklusive Schwerverletztem zogen zahlreiche Zuschauer und Fotografen an. 

Unter lautem Abfeuern der imposanten Böllerkanone von Kanonieren der Schützengesellschaft setzten sich die Züge angeführt von der Musikkapelle in Richtung Dorfplatz in Bewegung. Bereits im Vorfeld hatten ehrenamtliche Helfer der einzelnen Ortsteile und Mitglieder der mit der Organisation betrauten Ortsvereine der Feuerwehren Bergen und Holzhausen, des Schützenvereins, des GTEV Bergen, des TSV Bergen, des Veteranenvereins, der Musikkapelle und des Skiclubs Bergen monatelang auf die Veranstaltung hingearbeitet. 

Nicht zuletzt die Anwesenheit von König Ludwig II. samt Sissi und Hofstaat mit eigenem Prunkwagen sorgten für einen echten Hingucker. Die Ramberger hatten mit ihrer originellen Arschprügelmaschine vorrangig Dorfpolitiker, Blender und Stammtischstrategen im Blick, die nach erfolgreicher „Behandlung“ einen Schnaps erhielten. Mit eisenbereiften Wagen samt Kaltblutgespannen bereicherten der Ortsteil Grieß (Kammertwagen) und die Weissacherer (Lustiges Weinstüberl) die Züge. Nicht weniger Schaulustige zog ein von Ochsen gezogener Grattler-Planwagen an. 

Angeführt von Schirmherr, Kranzljungfrau bzw. Kranzljungherr, Vettern und Basen, Göd, Gon und Gvattersleut folgten in einer eigenen Kutsche Brautführer und Braut sowie zu Fuß Ehemalige („Überleberer“), Progoder und der Hennerklemmer. Die Maxhüttler präsentierten sich hochmotiviert mit einer Francaise-Tanzgruppe. Die Bergener Musikkapelle hat dazu die alten Noten der Amoretten-Quadrille herausgeholt. Voller Stolz präsentierte sich auch die bessere Gesellschaft in Schwarz-Weiß sowie mit historischen Raiffeisensmokings und Zylinder

Unter lautem Geschrei der von Conny Mörtl hinreißend gespielten enttäuschten Ex-Braut samt Kinderwagen begann schließlich am Dorfplatz vor einigen tausend Zuschauern diefeierliche Trauungszeremonie. Standesbeamter Franz Schuhböck redete dem ehrengeachteten, aber arbeitsscheuen Bauernbursch Hyronimus Dudderer und seiner brustreiche, tugendbedürftigen Braut Scholastika Dengelhammer ins Gewissen, bevor sie sich mangels Eheringen dieVerlobungsringe anstecken durften

Im Anschluss gab es den ersten Kuss unter lautem Johlen der Zuschauer. Zur Seite standen bei dem ehrenvollen Akt Schreiberling Sebastian Grieß sowie Schirmherr (Thomas Heindlmeier), Brautführer (Matthias Pletschacher), Kranzjungherr (Anton Heindlmeier) und Progoder (Stefan Reithmeier). „Bibi“ Anfang, Organisator des Spektakels seit 1969, freute sich ebenfalls auf der Bühne über die gelungene Veranstaltung. Die ging nach der Trauung auf dem Dorfplatz im Bergener Festsaal in ein rauschendes Fest über.

Axel Effner

Quelle: chiemgau24.de

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