Zwei Royals bei der Arbeit

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Quasi auf Händen trägt Jakob I. seine Prinzessin Anna I. beim standesgemäßen Walzer.

Bad Aibling - Es herrscht Monarchie in Bad Aibling: Seit 7. Januar regiert das Prinzenpaar, Prinzessin Anna I. und Prinz Jakob I., das Faschingsvolk entlang der Mangfall.

Es herrscht Monarchie in Bad Aibling. Zumindest noch bis morgen um Mitternacht. Seit 7. Januar regiert das Prinzenpaar, Prinzessin Anna I. und Prinz Jakob I., das Faschingsvolk entlang der Mangfall. Am unsinnigen Donnerstag angefangen, erreichte das bunte Treiben mit dem gestrigen Aiblinger Faschingszug (siehe Sonderseite 35) seinen Höhepunkt. Der ideale Zeitpunkt, um herauszufinden, was es eigentlich mit den königlichen Pflichten auf sich hat. Der Mangfall-Bote begleitete die Tollitäten einen Tag lang.

Welches Mädchen wünscht sich nicht, einmal in die Rolle einer Prinzessin zu schlüpfen? In einem Märchenschloss zu wohnen und im Besitz der schönsten Kleider zu sein. Doch auch Buben würden sich gerne mal in einen tapferen Prinzen verwandeln, der mit seinem Schwert gefährliche Drachen tötet. Das Aiblinger Prinzenpaar hat diese Metarmorphose am Krönungsball vollzogen und ist mittlerweile im Prinzenpaar-Dasein mit all seinen royalen Pflichten gut geübt.

Winken gehört zu einer der höchsten königlichen Pflichten - beim Aus- und Einsteigen ins Auto.

So regiert Anna Bergmaier seither als Prinzessin Anna I., Galoppierende Fürstin der Wälder und Länder die Kurstadt. In ihrem bürgerlichen Leben ist sie Studentin, wohnt zwar in keinem Schloss, trägt dafür aber bei Faschingsauftritten richtige Roben. Jakob Blindhuber, Projektleiter im Bereich Anlagenbau, wird im Fasching mit dem Titel Prinz Jakob I. Fürst von Edelstahl zu Wasser und Berge angesprochen. In seinem Berufszweig hat er wohl nichts mit Drachen zu tun. Dafür kann der Prinz, ebenso wie seine Prinzessin, gut tanzen.

Zwischen Trage und Stethoskop muss sich das Prinzenpaar bei einem Auftritt im Aiblinger Krankenhaus umziehen.

Das beweisen die Tollitäten in der Faschingssession bei unzähligen Auftritten bis spät in die Nacht in der ganzen Region. Ein straffer Zeitplan regelt den höfischen Alltag - nicht immer ganz streng nach Protokoll und Hofzeremoniell. Dabei genießt ihre Lieblichkeit Anna als Prinzessin gewisse Vorzüge. Im Gegensatz zu den Gardemädchen, die bereits um fünf Uhr aufstehen müssen, darf sie eine Stunde länger schlafen. Ab sechs Uhr heißt es dann: Robe anziehen, schminken und Haare machen. "Das Styling beansprucht am meisten Zeit. Da hat es mein Prinz schon einfacher", findet Anna I. Schließlich müsse er erst um 6.30 Uhr aufstehen und brauche nur halb so lang für seine standesgemäße Garderobe.

Doch dann wird es ernst: Mit dem Prinzenwagen geht es zunächst zum Hofhalten nach Großkarolinenfeld und dann wieder zurück nach Bad Aibling. Dort erwarten in der Turnhalle 400 Schüler ganz gespannt auf die Ankunft der Monarchen. Bevor der Auftritt jedoch beginnt, weist Hofmarschall Stefanie Kolb die Kinder in den standesgemäßen "Raketenapplaus" für die Tollitäten ein: "Erst klatschen wir mit den Händen auf den Boden, dann stampfen wir mit den Füßen und zum Schluss kommt eine La-Ola-Welle mit einem lauten Jubelschrei." Als galoppierende Fürstin ist Prinzessin Anna schließlich einen gewissen Standard gewöhnt. Warum also nicht auch beim Applaudieren.

So wird das Prinzenpaar dann auch von seinen närrischen Untertanen empfangen. Dabei präsentiert es sich volksnah und gut gelaunt. Immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Besonders wichtig: Das Winken. Nach dem obligatorischen Einmarsch folgt zugleich die königliche Pflicht. In diesem Fall ist es die Verleihung der Faschingsorden - unter anderem an Rektor Walter Kuhnert.

Anschließend schwingen Anna I. und Jakob I. das Tanzbein: Der klassische Prinzenwalzer eröffnet jeden Auftritt. Sichtlich angetan von den Tanzkünsten ihrer Majestäten sind die Schüler. Nach zahlreichen Drehungen, Luftsprüngen und Hebefiguren muss es schnell gehen. Umziehen in Rekordzeit, damit der rockige Showteil rechtzeitig beginnen kann. Während sich das Prinzenpaar die smaragdgrüne Robe in den Umkleiden regelrecht vom Leib reißt, verschafft der Gardeauftritt den beiden einen Zeitpuffer. Mit dem letzten Spagat der Garde-Mädchen stehen aber beide wieder pünktlich im schwarz-roten RocknRoll-Kostüm vor dem Publikum.

Faszination "Royals" auch in der Luitpoldschule: Dort verfolgten 400 Schüler die Darbietungen der Tollitäten.

Mit dem Showteil endet der Auftritt in der Schule. Während sich die Kinder noch um die herumfliegenden Süßigkeiten streiten, spurtet das Paar erneut in die Umkleide. Der königliche Wagen ist zu diesem Zeitpunkt schon vorgefahren. Wer denkt, dass das Gepäck der beiden von Dienern verfrachtet wird, der irrt. Selbst ist der Prinz, beziehungsweise die Prinzessin. Nachdem die Koffer eigenhändig ins Auto eingeladen wurden, macht sich das Paar auf den Weg zum Westendkindergarten. Das Winken beim Aus- und Eissteigen in die königliche Kutsche à la Queen und Co. gehört dabei zum royalen Standardprogramm.

Während die Gefolgschaft mit der Parkplatzsuche kämpft, darf der königliche Chauffeur direkt vor der Kindergarteneinfahrt parken. Zwar hängt dort ein Schild mit der Aufschrift "Ausfahrt Tag und Nach freihalten", aber was ist das schon im Vergleich zu einem Auto mit einer Krone auf dem Dach und der Aufschrift "Das Bad Aiblinger Prinzenpaar"?

Im Kindergarten folgt der selbe Auftritt wie zuvor in der Schule. Nur diesmal ohne Showteil. Bedeutet für das Prinzenpaar: Kein Umziehen zwischendurch. Überhaupt müssen beide am Vormittag ihr Outfit nicht mehr wechseln. Denn auch bei der nächsten Darbietung im Aiblinger Krankenhaus wird auf den Showteil verzichtet.

Hier beweisen sich Prinz und Prinzessin als gütige Herrscher: "Ein männliches Gildemitglied wurde vor kurzem an der Hüfte operiert. Wir treten jetzt für ihn auf", erklärt der Prinz. Doch bevor sie hier in ihre Tanzschuhe schlüpfen und sich ihrer Jacken entledigen können, heißt es, eine Garderobe finden. Dabei muss oftmals improvisiert werden. In diesem Falle erfolgt das Umziehen zwischen Stethoskopen, Verbänden und einer Trage.

Doch auch dieser Umstand lässt die königliche Laune nicht schwinden. Im Gegenteil. Die beiden spaßen herzhaft miteinander. "Wir sind ja auch im wirklichen Leben ein Paar. Das hilft bei den vielen Auftritten. Außerdem ist es so ein ganz anderes Faschingserlebnis. Man lernt viele neue Leute kennen und sammelt Erfahrungen", erzählt die Prinzessin. Weder sie noch ihr Prinz bereuen es, sich als Prinzenpaar zur Verfügung gestellt zu haben. "Die vielen Auftritte sind zwar anstrengend, aber alles andere als langweilig", betont Jakob I. Umso öfter man tanze, umso eingespielter werde man auf der Tanzfläche.

Nach einer kurzen Mittagspause und vier Vormittagsauftritten stehen am Nachmittag bis spät in den Abend weitere Staatsbesuche im Landkreis an. Der letzte ist um Mitternacht. Alles andere als eine königliche Tanz-Zeit. Doch danach steht für das Prinzenpaar nur noch ein Ball auf dem Programm: der Federnball.

bok/Mangfall-Bote

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