Charity für Azubis

Wenig Kohle – viel helfen

Geld ist nur eine Möglichkeit von vielen, Gutes zu tun – mit anderen Maßnahmen hilft man teilweise noch sehr viel mehr.
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Geld ist nur eine Möglichkeit von vielen, Gutes zu tun – mit anderen Maßnahmen hilft man teilweise noch sehr viel mehr.

Als Auszubildender ist es eher die Ausnahme, dass man genügend Geld hat, um damit mehr als den persönlichen Bedarf einigermaßen zu decken – doch trotzdem ist es auch mit dem Wenigen noch möglich, anderen zu helfen.

Ungefähr 960 Euro brutto im Monat – das ist das Ausbildungsgehalt, das ein Auszubildender zum Bankkaufmann durchschnittlich verdient. Wohlgemerkt befindet er sich damit schon an der Lohnspitze der Ausbildungsberufe, die meisten Azubis verdienen je nach Branche und Lehrjahr auch sehr viel weniger. Rechnet man noch hinzu, dass alle Azubis, die mehr als 325 Euro brutto bekommen, auch voll in die Sozialversicherung einzahlen müssen, bleibt da nur ein ziemlich trauriger Nettobetrag übrig, der bei den meisten gerade so reicht, um die wichtigsten Ausgaben zu decken. Allerdings gibt es dennoch genügend Jugendliche, die auch mit diesen geringen Summen noch mithelfen wollen, das Elend der Welt zu lindern – und das ist auch durchaus ohne viel Bares möglich, wie der folgende Ratgeber zeigt.

1. Wares statt Bares

Geld hat man nicht immer in Hülle und Fülle – dafür als schnell wachsender und oftmals auch dem Modediktat unterworfener Jugendlicher aber eine Menge ausrangierter Klamotten. In die üblichen Kleidercontainer sollte man die Stücke allerdings nicht werfen, denn dort ist die Gefahr groß, dass sie keinen Armen zugutekommen, sondern geschreddert werden oder im Second-Hand-Laden landen.

Viel besser ist es, sich direkt an die Verteilstellen zu wenden, die Tag für Tag Kontakt mit den Ärmsten der Armen haben. Die zahlreichen Bahnhofsmissionen in Deutschland etwa suchen wirklich händeringend, gerade im Winter, nach warmen Klamotten, vor allem:

  • Pullis
  • Dicke Socken
  • Schals / Mützen
  • Handschuhe
  • Schlafsäcke

Das Vorgehen ist so unkompliziert und direkt, wie nur irgend möglich. Man fährt zur Bahnhofsmission und gibt seine alten Sachen ab – meist noch am selben Tag freut sich ein Obdachloser darüber. 

2. Andere zum Spenden animieren 

Bloß weil man selbst nicht viel geben kann, heißt das ja noch lange nicht, dass man nicht auf andere Weise einen finanziellen Beitrag leisten könnte. Denn auch wenn man als Azubi selbst nur wenig verdient, gilt das für die ausgelernten Kollegen im Betrieb ja nur noch bedingt – da ist eher etwas zum Spenden vorhanden. 

Eine Vorgehensweise könnte es also sein, sich privat eine Spendendose zu beschaffen, die Kollegen sie füllen zu lassen und das Geld hernach einem vom Azubi oder vielleicht auch dem gesamten Team ausgesuchten Zweck zugutekommen zu lassen. Eine Abwandlung dieser Variante sind die Spendendosen, die von Hilfsorganisationen angeboten werden. Das deutsche Kinderhilfswerk ist hier eine Anlaufstelle, andere Organisationen, die Dosen verteilen, sind unter anderem Greenpeace und Unicef. 

Und wer richtig professionell spenden will, der bittet seinen Chef um ein Gespräch und erklärt ihm, dass Spendenaktionen auch eine ganze Menge Vorteile für das eigene Bewusstsein und Image seines Betriebes haben – denn das ist eine typische „Eine Hand wäscht die andere“-Aktion. Die Firma sammelt Geld und macht das Publik, dafür bekommt sie:

  • Kostenlose positive Aufmerksamkeit
  • Ein verbessertes Image bei Privat- und Geschäftskunden
  • Dadurch wiederum mehr Kunden, Aufträge und Geld

So kann eine einzelne Azubi-Aktion zum cleveren Multiplikator werden, der statt einiger weniger Euros richtig große Summen einnimmt, mit denen wirklich etwas bewirkt werden kann.

3. Deutsch als Fremdsprache

Mit der Diversifizierung Deutschlands steigt auch Jahr für Jahr der Anteil an Azubis, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Und was vielleicht im Schulunterricht noch ein Hindernis ist, kann sich für humanitäre Zwecke als absolute Goldgrube erweisen – wenn man gewillt ist, einen Teil seiner Freizeit zu opfern. 

Denn auch 2017 und dem Abebben der Haupt-Flüchtlingswelle wissen die Helfer in den Auffanglagern stellenweise immer noch nicht, wo ihnen der Kopf steht. Hauptproblem sind immer wieder die Sprachbarrieren – die Flüchtlinge sprechen meist nur Urdu, Farsi, Arabisch oder Paschtu – die Helfer aber meist nur Deutsch und Englisch. Hier kann man als zweisprachiger Azubi mehr tun, als Geld es vermag. Die Caritas etwa sucht immer Laien-Dolmetscher. Ähnlich sieht es beim Mensch zu Mensch Verein aus. Zudem kann man sich bei praktisch jedem Flüchtlingswohnheim in seiner Umgebung melden und fragen, ob es dort Bedarf gibt – den wird es in aller Regel reichlich geben.

4. Hallo Bello

Generell gilt natürlich, dass mangelnde finanzielle Leistungsfähigkeit bei einem entsprechend großen karitativen Gedanken grundsätzlich immer durch verstärkten persönlichen Einsatz ersetzt werden kann. Besonders zeigt sich das dort, wo es nicht um Menschen geht, sondern um seine deren beste Freunde. 

Alte, kranke Tierheimbewohner sind kaum vermittelbar, aber sehr pflegebeürftig. Hier kann man viel Gutes tun, auch mit wenig Geld.

Tierheime sind in Deutschland praktisch immer chronisch in Not, es mangelt nicht nur an Geld, sondern mit der steigenden Zahl an Tieren summiert sich natürlich auch die Arbeit, die für die wenigen Helfer anfällt – denn auch im Tierheim wollen Hunde und Katzen halbwegs würdig untergebracht sein. Ein guter Schritt wäre es somit, einfach im nächsten Tierheim anzufragen. Anfallende Arbeiten sind beispielsweise:

  • Reinigen von Zwingern und Käfigen
  • Fahrten zum Tierarzt
  • Gassi gehen
  • Füttern

Wer einige Euros entbehren kann, der könnte auch beim Rosenheimer Tierschutzverein eine Patenschaft übernehmen. Denn dort (wie bei jedem anderen ähnlich gelagerten Verein) sind in der Regel nicht die jungen, gut vermittelbaren Tiere das Problem – die finden in der Regel schnell wieder einen Besitzer. 

Nein, das echte Tierleid gibt es dort bei den alten und/oder chronisch kranken Fellnasen. Die will nämlich kaum einer adoptieren, gleichzeitig benötigen sie aber auch mehr Pflege – und das zehrt mächtig an den sowieso klammen Geldbeuteln der Vereine. Wer eine solche Patenschaft übernimmt, unterstützt „Opa Hund“ und „Oma Katze“ beim Begleichen der Arztrechnungen. Und wer mag, kann die knuffigen Senioren natürlich auch mit regelmäßigen Ausläufen und Streicheleinheiten aus ihrem täglichen Trott herausziehen.

5. Ich bin nur zum Reden hier

Fast 15000 Alters- und Pflegeheime gibt es in Deutschland. Und wer nur ein bisschen die Nachrichten verfolgt, der weiß, dass in den Pflegeberufen momentan absolut „Land unter“ herrscht – zu viele Pflegebedürftige kommen auf zu wenige Pflegekräfte. Wo die Zeit schon knapp wird, um die wichtigsten Aufgaben zu erledigen, ist klar, dass das Menschliche viel zu kurz kommen muss. 

Doch genau da liegt das Problem. Viele Menschen in solchen Heimen haben niemanden – der Partner vielleicht schon verstorben, die Kinder wohnen in einer anderen Ecke Deutschlands. Und so kommt es, dass man sehr rasch vereinsamt, wenn auch der Pfleger nicht mal Zeit für ein Schwätzchen hat. 

Genau hier bieten sich eine Menge Möglichkeiten, zu helfen. Koordinator in unserer Region ist unter anderem die Münchner AWO. Dort kann man sich melden und als ehrenamtlicher „Besucher“ in Pflegeheime gehen – und dort muss man nichts weiter tun, als den alten Menschen ein wenig Gesellschaft zu leisten, ihnen zuzuhören und zu zeigen, dass sie eben nicht nur „auf den Tod warten“, sondern dass es Menschen gibt, die sich wirklich für sie und ihre Geschichten interessieren.

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