Chiemgau-Tierarzt Dr. Weiß informiert:

Frühjahrszeit ist Zeckenzeit - Worauf muss man achten?

Ein Zeckenbiss kann für das Haustier und den Besitzer schlimme Folgen haben. Je länger die Zecke unentdeckt bleibt, desto höher ist das Risiko für „Lyme-Borreliose“.
+
Ein Zeckenbiss kann für das Haustier und den Besitzer schlimme Folgen haben. Je länger die Zecke unentdeckt bleibt, desto höher ist das Risiko für „Lyme-Borreliose“.

Bereits Ende Februar und Anfang März beginnt die Zeckenzeit. Gerade im Chiemgau besitzt jede dritte Zecke die für Mensch und Tier besonders gefährlichem Borrelien. Über die Risiken und Vorsorgemöglichkeiten informiert Dr. Andreas Weiß.

Frasdorf - Jedes Jahr ab Ende Februar/Anfang März beginnt in Deutschland wieder verstärkt die Zeckenzeit. Von jetzt an bringen Hund und Katze regelmäßig nach jedem Outdoorgang Zecken mit nach Hause, die sie im hohen Gras abstreifen.

Gerade hier im Chiemgau beherbergt fast jede dritte Zecke Borrelien, die dann beim Blutsaugevorgang nicht nur Hund und Katze, sondern auch den Menschen gefährden. Je länger die Zecke saugt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Erregers.

Zwar führt nicht jede Ansteckung zu einem Ausbruch der Krankheit „Lyme-Borreliose“, doch alleine in Deutschland infizieren sich jährlich 60.000 Menschen mit dieser tückischen Erkrankung. Manchmal (etwa bei einem Drittel der Fälle) kann man eine Ansteckung an einem typischen roten Ring um die Saugstelle der Zecke erkennen, der sogenannten Wanderröte; beim behaarten Haustier ist das eher selten möglich.

„Abstreicheln“ der noch nicht festgesogenen Zecken vermeiden

In vielen Fällen treten erste Anzeichen einer Borreliose jedoch erst 5-30 Tage nach dem Zeckenbiss auf. Fieber, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen lassen einen oft eher an eine Sommergrippe als an eine Borreliose denken.

Bevor sich die Krankheit im ganzen Körper ausbreitet und chronifiziert, sollte man unbedingt mit einem passenden Antibiotikum über einen Zeitraum von mindestens 3 Wochen behandelt werden. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es für den Menschen nicht.

Für Hunde ist zwar eine Impfung auf dem Markt, die jedoch keine 100 prozentige Sicherheit bietet. Aus dem Grund ist es besonders wichtig als Haustierbesitzer für eine deutliche Zeckenreduktion am Tier zu sorgen, nicht nur, um das Tier vor einer Borrelioseerkrankung zu schützen, sondern vor allen Dingen, um das typische „Abstreicheln“ der noch nicht festgesogenen Zecken auf sich selber zu vermeiden.

Das einfachste Hilfsmittel, um Zecken schnellstmöglich zu entfernen, ist die Zeckenzange.

Zecken so schnell wie möglich entfernen

Dafür gibt es sowohl für die Katze als auch für den Hund sehr gut wirksame Präparate, z.B. Spot on Tropfen, die man je nach Sorte alle 4 bis 12 Wochen wiederholen muss, Tabletten zum Füttern oder auch die ganze Saison wirkende Zeckenhalsbänder.

Viele Kunden sind oft sehr besorgt und möchten so wenig „Chemie“ wie möglich an ihrem Haustier anwenden. In diesem Fall sollte man bedenken, dass bei einer gesunden Katze/einem gesunden Hund diese Präparate in den seltensten Fällen Nebenwirkungen hervorrufen und das Risiko einer Erkrankung mit Borreliose für Tier und Mensch wesentlich höher ist, als das Risiko einer mögliche Nebenwirkung.

Ihr Tierarzt berät Sie gerne, welche Präparate für ihr Tier zu empfehlen sind. Auch biologische Sprays auf natürlicher Pyrethroid-Basis sind eine Alternative, den Zeckenbefall zumindest zu reduzieren. 

Sollte man trotz aller Vorsicht Zecken an seinem Haustier oder sich selber entdecken, sollte diese unbedingt so schnell wie möglich entfernt werden. Klebstoff und Nagellackentferner, Öl oder ähnliches sollte auf keinen Fall auf die Bissstelle aufgetragen werden, da das die Zecke veranlasst, die Borrelien erst recht „auszuspucken“.

Es gibt diverse Zeckenzangen, -greifer und –karten auf dem Markt, mit dem sich die Zecken ganz wunderbar entfernen lassen. Am einfachsten in der Anwendung sind die ganz einfachen, billigen Zeckenzangen aus Plastik. Damit einfach die Zecke möglichst hautnah greifen (nicht den Körper quetschen, auch das würde zu einer verstärkten Borrelien-Ausschüttung führen) und vorsichtig unter leichtem Zug herausdrehen. In welcher Richtung ist egal, eine Zecke hat kein „Gewinde“.

Zecke kann auf Borrelien untersucht werden

Bei den sogenanten Zeckenhebeln oder –karten zieht man ganz vorsichtig, bis sich die Zecke löst. Hierbei reißt jedoch gerne mal der Kopf ab und dann muss man mit Nadel oder Kanüle wirklich lange arbeiten, um die Beißwerkzeuge der Zecke komplett zu entfernen. Das ist dann der Zeitpunkt, wo spätestens der Arzt oder Tierarzt ins Spiel kommen.

Es besteht übrigens die Möglichkeit, die herausgedrehte Zecke beim Hausarzt auf Borrelien untersuchen zu lassen. Allerdings weiß man dann immer noch nicht, ob man selber bzw. sein Haustier infiziert ist oder nicht. Eine Infektion mit Borrelien kann über die Antikörpermessung im Blut erst 2 bis 6 Wochen nach dem Zeckenbiss festgestellt werden. 

Eine weitere, gerade hier in Süddeutschland vorkommende von Zecken übertragene Erkrankung, ist die sogenannte Frühsommer-Menigoenzephalitis kurz FSME. Auch diese Erkrankung geht mit grippeähnlichen Symptomen einher und kann bei einigen Patienten zu einer sehr gefährlichen Gehirn- und Hirnhautentzündung führen.

Schwere Hirnschäden bis zum Tode können die Folge sein. Hund und Katze sind zum Glück für diese Erkrankung nicht empfänglich, aber jeder Haustierbesitzer mit regelmäßigem Zeckenkontakt sollte darüber nachdenken, sich selber regelmäßig impfen zu lassen. 

Weitere Infos und Antworten auf Ihre Fragen bekommen Sie bei Ihrem Chiemgau-Tierarzt in Frasdorf

Kommentare