Streit um den Vierbeiner

Nach der Trennung: Wer bekommt den Hund?

Rico Bertz hat sich kürzlich von seiner Lebenspartnerin getrennt. Die Sibirische Husky-Dame Lily bekommt nun mehr Ruhe. Foto: Jörg Carstensen/dpa
+
Rico Bertz hat sich kürzlich von seiner Lebenspartnerin getrennt. Die Sibirische Husky-Dame Lily bekommt nun mehr Ruhe. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Wenn Paare sich trennen, sind oft auch Hunde betroffen. Wo sollen sie bleiben? Um diese Frage streiten Paare oft bitterlich. Manchmal hat die Trennung aber auch Vorteile für den Vierbeiner.

Berlin (dpa) - "Wer nimmt den Hund?". Diese Frage stellt sich oft, wenn ein Paar getrennte Wege geht. Und nicht selten gibt es - ähnlich wie um Kinder - einen erbitterten Kampf um die Tiere.

Dann müssen Gerichte entscheiden, welche Lösung es für die Trennungshunde gibt. "Der Hund hat an Bedeutung gewonnen, gerade auch bei Paaren, die keine Kinder haben", sagt Anwalt Joachim Cäsar-Preller aus Wiesbaden, der sich seit 22 Jahren mit dem Thema beschäftigt und ein Buch zum Thema veröffentlicht hat.

Juristisch gelten Hunde als "Haushaltsgegenstände"

Laut Industrieverband Heimtierbedarf leben in Deutschland rund 9,4 Millionen Hunde. In fast jedem fünften Haushalt (19 Prozent) gibt es einen der Vierbeiner. Und bei einer Scheidungsrate von mehr als 30 Prozent dürften Trennungshunde keine Seltenheit sein. Laut Deutschem Tierschutzbund kommen jährlich etwa 75.000 Hunde in ein Tierheim. "Wie viele der Abgabetiere "Scheidungsopfer" beziehungsweise "Trennungsopfer" sind, wird nicht erfasst", so eine Sprecherin.

Im rechtlichen Sinne gelten Hunde als "Haushaltsgegenstände". "Wenn es streitig wird, entscheiden Gerichte in der Regel nach der Hausratverordnung und ordnen die Hunde meist einem Ehepartner zu", so die Erfahrung des Anwalts Cäsar-Preller. "Bei moderneren Gerichten werden die Tiere als Lebewesen betrachtet und eine Umgangsregelung wird vereinbart", so der Anwalt.

Vertragsstrafe vereinbaren

Auch er versuche mit seinen Mandanten Umgangsregelungen zu finden, gern auch außerhalb des Gerichts. "Damit das Ganze Hand und Fuß hat, wird auch eine Vertragsstrafe vereinbart, für den Fall, dass sich eine Seite nicht an die Vereinbarung hält", so Cäsar-Preller. Das kommt immer wieder vor: Aktuell vertritt er eine Mandantin, in deren Fall sich schon 90.000 Euro Strafe angehäuft haben.

Der Ex-Partner der Frau verlange die Herausgabe des elf Jahre alten Hundes, berichtet der Anwalt. Doch weil er sich nicht angemessen um den Hund kümmere, gebe die Frau das Tier nicht heraus. Jetzt werde vor Gericht gestritten. Um ein - zumindest finanziell - wertloses Tier. "Es geht oft um persönliche Verletzungen. Man könnte ja sagen: "Behalte Du den Hund!". Stattdessen schiebt man dann die große Tierliebe vor", sagt Cäsar-Preller.

Er habe aber auch schon positive Entwicklungen erlebt. "Ein Paar ist sich nach der Trennung bei den Übergaben des Hundes wieder näher gekommen", so der Anwalt. Damit es gar nicht erst zum Streit kommt, rät er für die Anschaffung eines Haustieres: "Einer soll den Hund kaufen, dann haben wir klare Welten." Das würde auch Victoria Jürgens beim nächsten Mal so tun, wie sie sagt: "Dann ist gleich klar, wem das Tier gehört."

Tiere können von der Trennung auch profitieren

Bei Rico Bertz und seiner Ex-Partnerin gab es keinen Streit um den Hund Lily. "Für mich gab es gar keine Frage, dass sie mitkommt", sagt Bertz, der sich eigenen Worten zufolge auch vor der Trennung schon mehr um das Tier kümmerte. Für den Hund habe die Trennung und der Auszug aus der gemeinsamen Wohnung Ende 2019 Vorteile gebracht, erzählt der 40-jährige Berliner.

Zuvor habe sich der dreijährige Sibirische Husky bei Streitigkeiten immer versteckt und darunter gelitten, wenn es in der Wohnung lauter wurde. "Der Hund ist jetzt wie ausgewechselt", erzählt Bertz, der ihn nun allein betreut und von den Kindern dabei unterstützt wird, wenn sie alle zwei Wochen da sind.

Andere Paare teilen sich den Hund nach der Trennung. Die Tiere müssen dann zwischen zwei Haushalten pendeln und werden mitunter sehr anhänglich.

Aus Sicht des Hundepsychologen Thomas Riepe aus Anröchte (Nordrhein-Westfalen) ist diese Reaktion ganz normal: Für einen Hund sei Routine wichtig, sie verschaffe ihm Sicherheit. "Durch eine Trennung wird diese Routine durchbrochen, der Hund aus seinem Rhythmus gerissen", erklärt er. Wie beim Menschen gebe es auch bei Hunden mehr oder weniger sensible Typen. "Sensible Hunde leiden sehr unter der Zerstörung ihrer Routine."

Streitigkeiten zwischen können beim Hund Stress auslösen

Zusätzlich verstärken könnten sich Angst und Stress durch Streitigkeiten und Anspannung zwischen den Ex-Partnern. "Auch wenn der Hund die Person, zu der er eine engere Bindung hat, seltener sieht, kann ihn das stressen", so Riepe.

"Es kann passieren, dass ein Hund nervös wird, sich schnell über Kleinigkeiten aufregt oder andere Hunde anbellt, die er sonst nicht angebellt hat", so der Berater über die möglichen Folgen für die Tiere. Zu beobachten sei aber auch, dass Hunde krank werden, an sich knabbern oder stumpfes Fell bekommen.

Die Berliner Husky-Dame Lily sei nun nicht nur viel entspannter, sondern bei ihr sei auch klar, dass sie nicht mehr in ihre alte Umgebung zurückwolle, so Bertz. "Als wir noch einmal in der ehemaligen Wohnung waren, blieb sie an der Eingangstür sitzen, nach dem Motto: "Wann geht es endlich wieder los?"", berichtet Bertz. Seine Frau stelle glücklicherweise keine Ansprüche an den Hund.

© dpa-infocom, dpa:200721-99-868671/2

Buch Das können wir doch klären

Zahlen zu Haustieren in Deutschland

Tierpsychologe Thomas Riepe

Deutscher Tierschutzbund

Kommentare