Steinadler kommen in Brutstimmung

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Horstbeobachtung im Steinadler-Revier „Hochkranz“ an den Westausläufern des Hochkalter-Massivs.

Berchtesgaden - Bei den aktuell frühlingshaften Temperaturen zeigen die Steinadler im Nationalpark Berchtesgaden ihre imposanten Balzflüge.

Bereits Ende März wird die Eiablage erfolgen, Ende Juli verlassen die Jungvögel den elterlichen Horst auf der Suche nach einem eigenen Revier.

Der Leiter des Steinadler-Projektes im Nationalpark, Biologe Ulrich Brendel, blickt mit gemischten Gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Aus insgesamt 13 der 16 beobachteten Revieren in Berchtesgaden und Umgebung liegen eindeutige Daten zum Bruterfolg vor – nicht immer mit erfreulichen Ergebnissen.

Mehr Glück als die Steinadler im Revier „Hochkranz“ hatte das Paar am Hohen Göll im Nationalpark Berchtesgaden. Die erfahrenen Altvögel zogen im Jahr 2010 trotz widriger Witterungsbedingungen erfolgreich einen Jungvogel auf.

„Wir freuen uns über den erfolgreichen Ausflug von sechs jungen Steinadlern in den Revieren Wimbachtal, Bluntautal, Hoher Göll, Sonntagshorn, Ettenberg und Röthelmoos“, berichtet Steinadler-Experte Ulrich Brendel. Lediglich die Brut am Wachterl in der Gemeinde Ramsau wurde vor dem Schlupf des Kükens abgebrochen.

Mehrere Todesopfer beim Adlernachwuchs forderte die nass-kalte Witterung im Juni 2010. In den Revieren Untersberg, Saalach, Reith und Hochkranz verendeten vier Jungvögel aufgrund von Futtermangel und Kälte. Die Aufzeichnungen der Klimastation auf Kühroint im Nationalpark Berchtesgaden (1420 m) zeigen, dass während einer Dauer von rund drei Wochen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni nur ein niederschlagsfreier Tag registriert wurde. Gerade in dieser sensiblen Zeit der Kükenaufzucht haben derart lange Regenperioden schwerwiegende Auswirkungen.

Die nächste, länger anhaltende Regenperiode trat vom 12. bis 21. Juni 2010 auf und wurde ebenfalls nur von einem niederschlagsfreien Tag unterbrochen. Projektleiter Ulrich Brendel kennt den Grund für den Tod der Küken: „Da Steinadler bei ihren Jagdflügen stark von Thermikwinden und trockener Witterung abhängig sind, liegt der Schluss nahe, dass während dieser Perioden kaum erfolgreich gejagt werden konnte“. Hinzu kommt, dass sich die Altvögel wegen der häufigen Abwesenheiten vom Horst auf der Suche nach Beute nicht ausreichend um den Nachwuchs kümmern konnten.

Die Küken brauchen in den ersten vier bis fünf Lebenswochen den Schutz der Eltern, da der Nachwuchs zu einem selbstständigen Aufrechterhalten seiner Körpertemperatur noch nicht in der Lage ist. „Dadurch bekamen die Jungadler in den betreffenden Revieren deutlich weniger zu fressen, kühlten aus und starben“, so er Experte.

Doch warum konnten andere Revierpaare mit der Witterung deutlich besser umgehen und ihren Nachwuchs erfolgreich groß ziehen? Hier kann der Projektleiter nur mutmaßen: „Möglich ist, dass die Altvögel mehr Jagdglück hatten, geringere Distanzen zwischen Jagdgebieten und Horst zurück legen mussten oder schlichtweg mehr Erfahrung mit extremen Witterungsbedingungen im Brutgeschäft hatten.“

Doch der Experte kann beruhigen, für den Bestand des Steinadler in den Alpen besteht keine Gefahr: „Letztendlich sind solche traurigen Ereignisse Teil eines völlig natürlichen Prinzips, mit dem die Natur verhindert, dass zu viele Steinadler flügge werden. Derartige Verluste gleichen sich unter natürlichen Umständen in den Folgejahren schnell wieder aus.“

Eine Besteigung des Horstes im Revier „Hochkranz“ brachte traurige Gewissheit: Der Jungvogel war eingegangen und zum Zeitpunkt der Bergung durch Mitarbeiter des Nationalparks Berchtesgaden bereits stark verwest.

Zur Bestimmung der Todesursache sollten die Jungvögel im vergangenen Herbst aus den Horsten geholt werden und zur Untersuchung an die Vogelschutzwarten in Garmisch geschickt werden. Doch trotz zeitnaher Besteigung der Horste konnte nur ein Jungvogel geborgen werden: In einem außergewöhnlich hoch gelegenen Horst unterhalb des Seehorns im Revier Hochkranz wurden die Kletterer fündig. Der Zerfall des toten Adlers war dort jedoch schon so weit fortgeschritten, dass die Analyse der Todesursache nicht mehr möglich war. In den anderen Fällen dürften die Elternvögel selbst für die „Entsorgung“ der Kadaver verantwortlich sein. „Dieses Verhalten ist durchaus normal“, erläutert Brendel, „denn die Tiere wollen den Horst sauber halten, um im nächsten Jahr möglicherweise genau dort einen neuen Brutversuch zu starten.“

Das Team des Nationalparks Berchtesgaden beobachtet regelmäßig zwölf Steinadlerpaare im Nationalpark Berchtesgaden, im Biosphärenreservat Berchtesgadener Land sowie in angrenzenden Bereichen in Österreich. Die Zahl der beobachteten Brutpaare entspricht rund 25 Prozent des gesamten Bestands an Steinadlern in Deutschland. In den Alpen leben rund 1500 Steinadlerpaare sowie eine unbekannte Anzahl an Einzeladlern. Der Steinadler ist aktuell nicht in seinem Bestand gefährdet, alle geeigneten Reviere in den Alpen gelten derzeit als besetzt.

Der Nationalpark bietet das ganze Jahr über Führungen in das „Tal der Adler“ an. Treffpunkt ist jeweils donnerstags um 11 Uhr (bis Ende April) bzw. 10 Uhr (ab Anfang Mai) an der Nationalpark-Informationsstelle Hintersee in der Gemeinde Ramsau. Die Führungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei gutem Wetter liegt die Wahrscheinlichkeit bei 90 Prozent, im Rahmen der Führung tatsächlich einen Steinadler zu sehen. Bei Schlechtwetter gibt es ein attraktives Alternativprogramm in der Infostelle.

Informationen zum Wanderprogramm des Nationalparks gibt es unter www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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