Wie sicher ist mein Facebook-Profil?

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Veranstalterin Heike Mechelhoff

Berchtesgaden/Landkreis - Welche Problematiken gibt es in den sozialen Netzwerken? Um diese und andere Fragen ging es beim Medientag im Kurhaus:

Hervorragende Referenten, schönstes Sommerwetter - aber kaum was los im Kongresshaus: Der professionell in Szene gesetzte Medientag, veranstaltet vom gemeindeübergreifenden Jugend-Treff.5 Förderverein in Zusammenarbeit mit der Präventionsstelle des Amtes für Kinder, Jugend und Familien im Landratsamt Berchtesgadener Land, hat die Erwartungen erfüllt – und sogar übertroffen. Doch was nützt das, wenn das Publikum fernbleibt?

Es war ein Tag der etwas anderen Art: Heike Mechelhoff, die Vorsitzende des Fördervereins, der von allen fünf Talkessel-Gemeinden unterstützt wird, hatte viel Vorarbeit geleistet und Top-Referenten geladen, denen Google, Facebook und YouTube keine Unbekannten sind. Experten im World Wide Web, die die Problematik der sozialen Netzwerke erkannt haben und darauf aufmerksam machen wollten. Etwa Datenschutzbeauftragter Stefan Bachmann, der zum Thema „Facebook – ja, aber richtig“ etwas zu sagen hatte. Oder Markus Tettenhammer, Präventionsbeamter der Polizei für die Landkreise Traunstein und das Berchtesgadener Land, der sich dem Cybermobbing in sozialen Netzwerken widmete. Dieses nimmt mehr und mehr zu, die Gefahren sind groß, doch könne man sich dagegen wehren. Ludwig Binder, Geschäftsführer von neon Prävention und Suchthilfe Rosenheim, widmete sich der exzessiven PC- und Internet-Nutzung bei Jugendlichen, während Referent Michael Wenzel, Medienberater für Schulen und Schulträger, Wissenswertes zum Thema „Internetsicherheit – Medienkompetenz in der schulischen Praxis“ den interessierten Anwesenden überlieferte.

In Einzelgesprächen konnten die Medientag-Teilnehmer einen Sicherheits-Check des eigenen Facebook-Profils durchführen und sich an zahlreichen Informationsständen, etwa dem der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien oder des Medienzentrums Berchtesgadener Land, aufschlussreiche Hinweise einholen. Weil Facebook und Co zwischenzeitlich zum festen Bestandteil einer vernetzten Welt gehören, war es naheliegend, das Thema in öffentlichem, groß angelegtem Rahmen zu kommunizieren.

Für Heike Mechelhoff und für ihr Organisationsteam galt es, die Möglichkeiten, die sich mit dem Internet auftun, zu hinterfragen. Unerkannte Gefahren, Rechtsfallen und Suchtpotential – im Internet lauern diese Dinge an beinahe jeder Ecke. Facebook ist nur eine von mehreren Anlaufstellen, die allein deutschlandweit millionenfach pro Tag geklickt werden, sagt Bachmann. 901 Millionen Mitglieder zählt das Netzwerk, 23 Millionen allein in Deutschland. Um die Dimension zu vergegenwärtigen zählt Bachmann ein paar Zahlen auf: „Alle 60 Sekunden werden in facebook weltweit fast 200.000 Fotos hochgeladen, 730.000 Kommentare verfasst und 550.000 „Gefällt mir“-Knöpfe gedrückt“. Die Privatsphäre zu bewahren, was weitestgehend möglich ist, sei ein wesentlicher Punkt, den jeder Nutzer beachten sollte, weiß Bachmann. „Denkt nach, bevor Ihr postet“, sagt er immer wieder. Denn in der Tat hatte es in der Vergangenheit viele missglückte Einladungsversuche gegeben, die an den Freundeskreis hätten gerichtet sein sollen, dann aber – öffentlich – Tausende von Menschen erreichten. „Passive Viralität“ nennt sich das Phänomen. Einer schreibt etwas, der nächste bekundet mit dem „Gefällt mir“-Knopf, dass ihm der Inhalt zusagt – und schon vervielfältigt man per Klick die Empfängerliste. Unliebsame Fotos und Kommentare mit Inhalten, die der Arbeitgeber besser nicht sehen sollte, würden immer wieder veröffentlicht. Und wenn es der Falsche zu sehen bekommt, sei selbst der Arbeitsplatz nicht mehr sicher, klärt Bachmann auf.  „Das Internet vergisst nichts“. In den weltweiten Datenbanken werden all jene Dinge gespeichert, die man irgendwann einmal dem Internet zugeführt hat.

Der Medientag, professionell aufgezogen und angedacht für ein großes Publikum, traf den Nerv der Zeit – und trotzdem blieb das Publikum, bis auf einige begeisterungsfähige Schüler und Eltern überschaubar. Zum Leidwesen der Vorsitzenden Heike Mechelhoff, die die Sache so nahm, wie sie kam: „Wir haben unser Bestes gegeben“. Klein müsse man anfangen und sich etablieren. Es bleibt fraglich, ob eine derartige Veranstaltung, die auf der Eigeninitiative des jugendlichen Einzelnen beruht, funktioniert. Oder muss der Rahmen doch ein anderer sein, um in größerem Stile Erfolg zu haben?

kp

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