Reise nach Asien

Google ruft Nordkorea zu freiem Internet auf

Seoul - Google-Spitzenmann Schmidt preist im rückständigen Nordkorea das Internet. Allerdings trifft sein Ruf nach Freiheit im Web bei den Herrschern auf taube Ohren.

Nordkorea riskiert nach den Worten von Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt ohne freien Internetzugang für seine Bürger eine unaufholbare wirtschaftliche Rückständigkeit. Er sei nach Nordkorea gereist, um Meinungen über die offene und freie Nutzung des Internets auszutauschen, sagte der Spitzenmanager eines der weltweit größten Internetkonzerne am Donnerstag in Peking. Schmidt war gerade von einem umstrittenen Besuch in dem weithin abgeschotteten Land zurückgekehrt. Der Manager gehörte zu einer Delegation des früheren Gouverneurs des US-Bundesstaats New Mexico, Bill Richardson.

Das Internetumfeld in Nordkorea sei sehr restriktiv, wurde Schmidt von der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Es gebe ein auf das Land beschränktes, nicht öffentliches Intranet, das zensiert und nur von Regierungsbeamten, dem Militär und Universitäten genutzt werde. Nordkoreas Entscheidung, „virtuell isoliert zu sein“, werde es für das Land schwieriger machen, wirtschaftlich aufzuholen, sagte Schmidt nach dem viertägigen Besuch. Er bekräftigte, mit Richardson als Privatmann nach Pjöngjang gereist zu sein.

Vor dem Hintergrund eines umstrittenen Raketenstarts in Nordkorea im Dezember hatte das US-Außenministerium zuvor die Reisepläne der beiden als „derzeit nicht besonders hilfreich“ kritisiert. Richardson sagte in Peking, er habe Nordkorea in seinen Gesprächen mit Regierungsvertretern zu einem Moratorium für Raketenstarts und Atomwaffentests aufgerufen. Den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un hätten sie nicht getroffen.

Richardson, der früher auch US-Botschafter bei den UN war, hatte Nordkorea in den vergangenen Jahren mehrfach besucht. Er hatte angekündigt, sich diesmal über die humanitäre Lage in dem Land informieren zu wollen.

Der Delegation war es nicht gelungen, einen in Nordkorea inhaftierten US-Bürger zu sehen. Richardson sagte, er habe Nordkorea um eine „humane Behandlung“ des Inhaftierten gebeten. Der Amerikaner koreanischer Herkunft Kenneth Bae war nach Berichten der nordkoreanischen Staatsmedien im November verhaftet worden, nachdem er als Tourist eingereist sei. Er habe gestanden, ein „Verbrechen gegen die Volksrepublik“ begangen zu haben.

In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Festnahmen von US-Bürgern in Nordkorea. Sie wurden nach Vermittlungen durch hochrangige US-Gesandte wieder freigelassen.

dpa

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