Anwärter Henry (21) fliegt wegen Foto mit schwulem „Bachelor“ aus Priesterseminar

Nach Kirchen-Drama: „Prince Charming“ Alexander Schäfer bezieht Stellung

„Prinz Charming“ (links) und Frömmichen.
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„Prinz Charming“ (links) und Frömmichen.

Nachdem der Priesteranwärter Henry Frömmichen nach einem gemeinsamen Posting mit dem Influencer des Seminares verwiesen wurde, positioniert sich der homosexuelle Influencer Schäfer nun deutlich.

Update, 27. April, 9.50 Uhr - Nach Kirchen-Drama: „Prince Charming“ Alexander Schäfer bezieht Stellung

Aufruhr in der katholischen Kirche: Vor einigen Monaten hat der 21-jährige Henry Frömmichen, der damals Anwärter in einem Priesterseminar war, gemeinsam mit dem ehemaligen Prince Charming Alexander Schäfer, der im vergangenen Jahr auf VOX die große Liebe suchte, ein Bild gepostet. Dieses hatte zur Folge, dass er des Priesterseminares verwiesen wurde. Diese Entscheidung seitens der Kirche führt nun zu großer medialer Aufruhr.

Henry und ich haben uns Ende letzten Jahres getroffen und er hat mich nach einem gemeinsamen Bild gefragt. Ich habe ihn als netten Mann kennengelernt, der tolle Ziele und Visionen verfolgt. Als ich von seinem Verweis gehört habe, war ich natürlich schockiert. Deswegen finde ich es so gut, dass er seine Stimme nun nutzt, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen“, so Alexander Schäfer in einem offiziellen Statement.

Seit Frömmichen nicht mehr am Priesterseminar teilnehmen darf, nutzt er seine Social-Media-Präsenz unter anderem dafür, um für Homosexuelle in der katholischen Kirche zu kämpfen, denn seinen Glauben hat er trotzdem nicht verloren. „Ich selbst bin vor einigen Jahren aus der Katholischen Kirchen ausgetreten. Nichtsdestotrotz würde ich mich als gläubig bezeichnen. Der Glaube hat nichts mit der Sexualität zu tun – das sollte meiner Meinung nach im Jahre 2021 jedem bewusst sein. Jeder Mensch ist gleich, vor allem vor Gott“, ergänzt Schäfer.

Um weiterhin darauf aufmerksam zu machen, nutzt Frömmichen nun seine Reichweite. Auch Alexander Schäfer nutzt seine 50.000 Instagram Follower gerne, um auf wichtige Dinge aufmerksam zu machen. Nach einem Leukämie-Verdacht vor wenigen Tagen warb er beispielsweise für die Registrierung bei der DKMS. „Instagram ist eine großartige Plattform, die man jedoch nicht nur nutzen sollte, um die perfekten Momente des Alltags festzuhalten, sondern eben auch dafür, auf Probleme und Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Aufgrund dessen möchte ich meine Reichweite dafür nutzen, zu vermitteln, dass jeder Mensch gleich ist – im Alltag und auch vor Gott. Diese Message möchte ich gerne verbreiten und finde es toll, dass sich auch Henry dafür einsetzt“, schließt Alexander Schäfer ab.

Pressemeldung Lookfamed Agentur

Erstmeldung, 26, April, 13.30 Uhr

Zwei junge Männer posieren für ein Selfie, im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen: Dieses Foto wird das Leben von Henry Frömmichen grundlegend verändern. Er ist einer der Männer auf dem Bild, der andere Mann ist ein Protagonist der TV-Show „Prince Charming“ - dabei handelt es sich um eine Dating-Show nach Vorbild des Bachelors mit schwulen Männern. Zufällig hat Frömmichen den schwulen „Bachelor“, den er laut „BR“ aus sozialen Medien kannte, vor der Münchner Theatinerkirche getroffen. Frömmichen stellt den Schnappschuss auf Instagram. Das hat Konsequenzen.

Langjährige Beziehung und Beruf aufgegeben

Denn der gebürtige Schwabe Frömmichen besucht das Priesterseminar St. Johannes der Täufer. Der Priesterberuf ist ein langgehegter Traum von ihm, dafür hat er eine langjährige Beziehung und auch seinen bisherigen Beruf als Bestatter aufgegeben. Dem Leiter des Priesterseminars gegenüber habe er dies vor seiner Aufnahme erzählt. Dass er die Beziehung mit einem Mann führte, erwähnte er nicht. Denn nach wie vor verbietet es die Katholische Kirche offiziell, homosexuelle Männer zu Priestern zu weihen. Und gelebte Homosexualität ist nach Kirchenlehre Sünde. Der Umstand beschäftigte auch Frömmichen lange: „Weil ich ja selber schwul bin und daher selber auch immer in einem Konflikt mit mir stehe, wenn ich jetzt in einer Institution bin, die mich eigentlich aufgrund meiner Sexualität ablehnt“, sagt er dem „Deutschlandfunk“.

Frömmichen muss Seminar verlassen

Nur kurze Zeit nachdem er das Foto postete erhält er jedenfalls laut „BR“-Bericht ein Schreiben. Darin wird er darüber informiert, dass er das Priesterseminar verlassen muss. „Ihr Umgang mit sozialen Medien lässt erkennen, dass sie derzeit nicht die für eine Ausbildung zum Priester geeigneten Voraussetzungen mitbringen“, lautet die Begründung. Für Frömmichen eine herbe Enttäuschung. Im Deutschlandfunk erzählt er, wie gerne er Pfarrer geworden wäre. Er habe immer da stehen wollen, wo sein Heimatpfarrer gestanden habe - „am Altar“.

Grimmepreisgekrönt: Die TV-Show „Prince Charming“ - Hier die Kandidaten der 2. Staffel.

Frömmichen behält den Rauswurf für sich. Im Nachhinein habe es noch ein Gespräch mit dem Leiter des Priesterseminars gegeben. Dort hätte ihm der Leiter eröffnet, dass es ihm von vornherein klargewesen sei, dass er - Frömmichen - homosexuell sei. Er habe ihn aber trotzdem aufgenommen.

Warum der Rauswurf?

Warum also dann der Rauswurf? Der Leiter des Seminars sagt in einem Statement zum „Deutschlandfunk“, dass er Priesteranwärter nicht nach ihrer Heterosexualität auswähle. Entscheidend sei nicht die sexuelle Orientierung, sondern das, „was einer draus macht“. Er führt aus: „Wenn also der Regenbogen bei allem, was er tut, im Hintergrund steht, dann wird er sich sehr schwer tun, als Priester die katholische Kirche zu vertreten.“ Wenn aber jemand homosexuell geprägt sei, es aber schaffe, „unaufgeregt ein gesundes Beziehungsgefüge zu Männern und zu Frauen zu entwickeln, wenn also dieses Thema der Sexualität nicht dauernd im Vordergrund steht“, sähe er keinen Grund, warum er nicht Priester werden könne.

„Solange nicht drüber gesprochen wird, ist alles in Ordnung“

Durfte Frömmichen kein Priester werden, weil er etwas öffentlich machte, was heimlich geduldet wird? Er spricht jedenfalls von einer „Falschheit“ und „Doppelmoral“, wie es in „unserer Kirche“ zugehe: „Sobald irgendetwas im Zusammenhang mit diesem Thema an die Öffentlichkeit geht, so wie jetzt beispielsweise dieses Bild, das ich hochgeladen habe, das ist auf Instagram, das ist öffentlich – und zack, wird man abgesägt. Aber solange nicht drüber gesprochen wird, ist alles in Ordnung.“

Frömmichen will Signal senden

Eigentlich wollte Frömmichen seine Geschichte nicht weiter öffentlich machen. Als im März des Jahres aus dem Vatikan allerdings das erneute „Nein“ zu Segnungsfeiern für homosexuelle Paare gekommen sei, habe er sich aber umentschieden. Auch das Foto, das er zunächst gelöscht hatte, veröffentlicht er wieder - auch, um ein Signal zu senden: für eine andere Haltung gegenüber Homosexuellen, das viele in der Kirche längst einforderten. Aus der Kirche will Frömmichen jedenfalls nicht austreten - er bleibe „erst recht“ in der Kirche und schaue, wie er für „seine Kirche“ kämpfen könne.

dp/red.

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