„Im Stich gelassen. Meine Zündschnur ist abgelaufen“

Höchst emotionales Video einer Friseurin geht unter die Haut - doch es gibt auch Gegenwind

Dieses Video einer Inhaberin eines Friseursalons aus Dortmund geht vielen unter die Haut. In einer höchst emotionalen Stellungnahme schildert Bianka Bergler ihre aktuelle Situation. Doch es gibt auch viele Zweifler.

Dortmund - Voller Verzweiflung und unter Tränen macht Bianka Bergler auf ein generelles Problem während der Corona-Krise aufmerksam. Die Friseurin und Chefin von fünf „wundervollen Mitarbeitern“ weiß aufgrund der coronabedingten Schließung ihres Salons nicht mehr weiter und kann ihre Rechnungen bzw. Miete eigenen Angaben zufolge nicht mehr begleichen. Die von der Politik versprochenen Sofort- bzw. Überbrückungshilfen seien immer noch nicht angekommen.

Bianka Bergler ist am Boden zerstört. Auf dem Geschäftskonto habe sie ein Defizit von 5.000 Euro und auch auf dem privaten Konto sei nach der Abbuchung der Rentenversicherung in Höhe von 300 Euro so gut wie nichts mehr da. Wie sie die Miete ihrer Wohnung bezahlen soll, wisse sie nicht. Auch ihren Angestellten könne sie kein Geld überweisen, „weil einfach nichts da ist“.

Das gesamte Video sehen Sie hier:

„Und jetzt werden wir im Stich gelassen. Meine Zündschnur ist abgelaufen.“

In ihrer Verzweiflung habe sie sich bei der Agentur für Arbeit über ihren Antrag auf Hartz4 informieren wollen, doch das Gespräch und die „empathische“ Art der Mitarbeiter am Telefon löste bei Bianka noch größere Verärgerung aus.

„Ich bin nicht die einzige Unternehmerin, die mit dem Rücken zur Wand steht. Jahre für Jahre gehen wir hart arbeiten und kümmern uns um unsere Mitarbeiter, unsere Kunden. Machen keinen Urlaub und sind immer da, mit voller Liebe. Und jetzt werden wir im Stich gelassen. Meine Zündschnur ist abgelaufen.“

Das Video wurde am Freitag auf Facebook hochgeladen und mittlerweile über 80.000 Mal geteilt. Viele User sind fassungslos. So schreibt eine Frau: „Das ist alles mehr als traurig, wie ehrliche Bürger in Deutschland im Stich gelassen werden.“

Kritische Stimmen

Andere sehen Biankas Situation nach einigen Auftritten im TV etwas kritischer. „Die Dame hat sich Anfang 2020 bei Vox in einem Format (Anmerkung der Redaktion: Beitrag wurde wohl bereits 2019 aufgenommen) als sehr erfolgreiche Unternehmerin vorgestellt, passt nicht zu dem, was sie im April 2020 gemacht, nämlich eines von vielen Spendenkontos eröffnet hat.“ Bianka hatte tatsächlich bereits Mitte April auf gofoundme.com nicht nur ein Spendenkonten mit den Ziel 5000 Euro eröffnet. Mittlerweile gibt es mindestens drei dieser Spendenaufrufe.

Eine anderer Kritikerin meint: „Ich sitze im Steuerbüro und ich finde, in diesen Zeiten zeigt sich, wer wirklich in der Lage ist, unternehmerisch tätig zu sein und wer sich besser anstellen lassen sollte. Jetzt merkt man eben, dass es nicht nur bedeutet, im Monat seine laufenden Kosten zu decken, sondern dass man auch bedacht sein sollte, sich etwas beiseite zu schaffen. Es muss ja nicht unbedingt eine Corona-Krise sein, in der Selbstständigkeit können einen auch schnell mal andere Kosten erwischen, die richtig zu buche schlagen. Und dann ist das Geheule immer groß, entschuldigt die Ausdrucksweise. Ich habe Friseure in der Mandantschaft, die gehen dieses Jahr mit 30k Gewinn raus und sagen dennoch, dass sie aktuell dringend Kohle brauchen.“

Bundesregierung reagiert auf Video

Mittlerweile hat auch die Bundesregierung auf das emotionale Video reagiert. Im Interview mit RTL stellte Helge Braun (48, CDU), Kanzleramtschef und Minister für besondere Aufgaben, schnelle Hilfe für die im Stich gelassenen Unternehmer in Aussicht.

„Das Video zeigt bestürzend und eindrucksvoll, wie schwierig die Lage gerade ist. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass die Hilfen schnell ausgezahlt werden“, so Braun. Er versprach zudem schnellere Teil-Auszahlungen der Überbrückungshilfen.

mz

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