Kuriose EU-Regel

In diesem Steinkrug darf Bier nicht mehr schäumen

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München/Bayern - Nicht nur die EU-Regel wie stark eine Gurke gekrümmt sein darf, sorgt für Kopfschütteln. Laut  der EU muss jetzt jeder Steinkrug den Warnhinweis „Nicht für schäumende Getränke zu verwenden“ tragen:

Hans-Günter Wirth (31) kann es nicht fassen. Er führt in zehnter Generation die Brauerei „Zum Löwenbräu“ in Adelsdorf (Mittelfranken). Und jetzt soll kein Bier mehr in den Bierkrug? Seine neu bestellten 1000 Steinkrüge tragen den Aufdruck: "Nicht für schäumende Getränke zu verwenden", so Antenne Bayern.

Dahinter steckt eine EU-Regelung aus dem Jahr 2014, wonach undurchsichtige Schankgefäße ab 2015 nicht mehr für den Ausschank schäumender Getränke verwendet werden, da der Messstrich auf der Innenseite nicht sichtbar sei.

Die Regelung im Wortlaut:

Ein Krug ist nicht einfach ein Krug. Der Anhang MI-008 Kapitel II der Richtlinie 2004/22 EG definiert ihn als „Ausschankmaß“. Das wiederum definiert sich wie folgt: „ein Hohlmaß, das für die Bestimmung eines festgelegten Volumens einer zum sofortigen Verbrach verkauften Flüssigkeit ausgelegt ist“. Aber damit nicht genug. Damit das „Hohlmaß“ ein korrektes „Messgerät“ ist, muss es laut Artikel 6 der Richtlinie „unter Berücksichtigung der praktischen Einsatzbedingungen für die beabsichtigte Benutzung geeignet sein“. Ein geeichtes Glas, das zur Überprüfung daneben steht, heißt „Umfüllmaß.“ Der Steinkrug darf an den „Benutzer keine unangemessen hohen Ansprüche stellen, um ein korrektes Messergebnis zu erhalten“.

Ausnahmeregelung "Keferloher"

Auslöser für den Aufdruck auf den Steinkrügen war die deutsche Umsetzung der EU-Richtlinie 2004/22. Sie regelt im Mess- und Eichgesetz den „Umgang mit Messgeräten“. Diese gelten auch für alle seit Oktober 2016 hergestellten Bierkrüge mit Messstrich. Denn die dürfen laut der Richtlinie „keine Merkmale aufweisen, die eine Benutzung in betrügerischer Absicht erleichtern“. Das Bundeswirtschaftsministerium habe aber inzwischen eine Ausnahmeregelung für den Steinkrug, den sogenannten „Keferloher“, formuliert.

Biertrinker sollten im Lokal künftig darauf hingewiesen werden, dass sie ihr Bier aus dem Steinkrug zwecks Kontrolle der Füllmenge in einen Glaskrug umschütten lassen können. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte dem „Focus“, diese Posse sei ein weiterer Beweis für die grenzenlose Regelungswut der Brüsseler Bürokraten: „Es gibt in Europa wahrlich dringendere Probleme.“

mh mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © screenshot twitter Antenne Bayern/Montage

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