Nach dem Fund in Hamburg

Rätsel um ausgebaggertes Hakenkreuz im Stadion gelöst

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Hamburg - Das Hein-Klink-Stadion erfährt derzeit große Aufmerksamkeit. Der Fund eines großen Hakenkreuzes sorgt dafür. Doch das wird bald verschwunden sein.

Wie ist das riesige Hakenkreuz nach Hamburg-Billstedt gekommen? Diese Frage stellen sich viele, nachdem Baggerführer Henning den Denkmalrest bereits am Freitag beim Ausbaggern im Hein-Klink-Stadion gefunden hatte. 

In der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 ist beschlossen worden, das Sportstadion an der Möllner Landstraße zu bauen. Um eine sogenannte Notstandsmaßnahme hat es sich dabei gehandelt, damit Arbeitslose sich ein paar Reichsmark dazu verdienen konnten, wie die Bild-Zeitung berichtet. Vier Jahre danach kommt Adolf Hitler mit dem Nationalsozialismus an die Macht. Die Arbeiten werden fortgesetzt - 1.256 Mann waren bei der sogenannten "Zweiten Arbeitsschlacht von Billstedt" dabei.

Bevor das Stadion feierlich eingeweiht wurde, ist eine Erinnerungssäule gemauert worden. Diese hat auf einem vier mal vier Meter großen Hakenkreuz aus Feldsteinen Platz gefunden. Dies ist auf alten Fotos zu erkennen, die der Bild-Zeitung vorliegen. Darauf ist ein viereckiges etwa fünf Meter hohes Denkmal zu sehen. Auf einer Seite prangt ein nackter Krieger, der einen Speer in der Hand hält. Nachdem der Zweite Weltkrieg verloren war, sind die Ecken des Hakenkreuzes abgebrochen worden und Anfang der 1970er Jahre beides verschwunden - Säule und Kreuz.

Fund wird katalogisiert und danach zerstört

Was danach weiterhin im Boden darauf wartete, entdeckt zu werden, war das Fundament - nach wie vor in der Form eines Hakenkreuzes. Bis Baggerführer Henning anrückte. Am Dienstag nun sind die Experten des Denkmalschutzamtes vor Ort gewesen.

Wie der zuständige Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) gegenüber dem NDR sagte, werde das Denkmalschutzamt den Fund vermessen und dokumentieren sowie fotografieren. Anschließend wird das Denkmal zerstört, um Platz zu machen für Holzpavillons, in denen Sportgeräte untergebracht werden. Er lehne den CDU-Vorschlag ab, das Hakenkreuz auszugraben und im Museum für Hamburgische Geschichte auszustellen.

Amtsleiter sorgt für Kritik

Der Namensgeber des betroffenen Stadions - Heinrich Klink - ist übrigens ein Nazigegner gewesen. Laut einem Eintrag im Hamburger Staatsarchiv ist er von 1928 bis 1933 Vorsteher des Amtes und der Gemeinde Billstedt und folglich tief verwurzelt mit dem Ort gewesen. Im Nationalsozialismus ist er mit zwei Disziplinarverfahren überzogen worden, heißt es auf der Webseite der Geschichtswerkstatt Billstedt. Ziel der Aktion ist es gewesen, ihm seine Pensionsansprüche abzuerkennen.

Der Bezirksamtsleiter hatte unterdessen im sozialen Netzwerk Twitter für Kritik gesorgt. Grund ist ein Foto der Bild-Zeitung gewesen, auf dem Falko Droßmann auf dem Beton-Hakenkreuz zu sehen ist - mit den Händen in den Hosentaschen inmitten des riesigen Denkmales. Die Sprecherin des Bezirksamtes Mitte, Sorina Weiland, wollte sich am Dienstagmittag gegenüber dem Hamburger Abendblatt nicht weiter zu der Pose äußern. Auch der Bezirksamtsleiter war dazu nicht zu sprechen.

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