Neue Spiele und Geräte: Chancen und Risiken von Crowdfunding

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Das Rollenspiel "Pillars of Eternity" wurde erst durch die Unterstützung zahlreicher Fans möglich. Screenshot: Paradox Interactive Foto: Paradox Interactive

Crowdfunding befindet sich nach dem Deutschlandstart der US-Plattform Kickstarter in Aufbruchstimmung. Doch vor der Investition in neuartige Technikprodukte sollten Anleger die Hersteller genau unter die Lupe nehmen. Wichtig sind Transparenz und Wirtschaftlichkeit.

München (dpa/tmn) - Ob Kickstarter, Indiegogo oder Startnext: Noch nie war es für Startups und kreative Köpfe einfacher, an Geld zu kommen. Crowdfunding ist in Deutschland im Kommen. Auf immer mehr Onlineportalen werben Gründer um Startfinanzierung für ihr Projekt.

Das Interesse an der Finanzierungsform, bei der viele Menschen in ein Projekt investieren, hat zugenommen. Die Idee zur Finanzierung durch einen Schwarm von Unterstützern kommt ursprünglich aus dem künstlerischen Bereich. Bands sammelten im Netz vor einer Albumproduktion Geld von Fans, und versprachen je nach Geldeinsatz ein "Dankeschön" - etwa signierte CDs, T-Shirts oder ein Treffen.

Mittlerweile werden per Schwarmfinanzierung auch viele Technik-Produkte realisiert. Manche erzielen große Summen - etwa die Smartwatch Pebble Time (rund 14 Millionen Euro), das Computerspiel "Pillars of Eternity" (etwa 3,6 Millionen Euro) oder Neil Youngs Pono Player (rund 5,6 Millionen Euro).

Das Prinzip: Man stellt seine Idee vor, entwirft einen Ablaufplan und wirbt um Investitionen. Das können schon kleine Geldbeträge sein, aber auch Summen im Bereich über 500 Euro. Wird die angepeilte Fördersumme erreicht, kann das Projekt Fahrt aufnehmen.

Es gibt inzwischen zahlreiche Crowdfunding-Plattformen. Neben großen Anbietern wie Kickstarter und Indiegogo wird auch auf deutschen Plattformen wie Nordstarter, Ulule oder Dresdener Durchstarter um die Gunst möglicher Förderer geworben. Aber nicht jedes Projekt hat auch Chancen auf den Durchbruch. Und ohne Risiko ist die Finanzierung an der Bank vorbei auch nicht. Es gibt keine Garantie, dass das Produkt am Ende auch alle Funktionen hat. Geht alles schief, ist das Geld meist weg. Dafür hat man die Chance, spannende Projekte zu unterstützen und sie früh zu besitzen.

Wolfgang Seibold hat sein Projekt Mitte Mai auf der US-Plattform Kickstarter eingestellt. Seine Technik-Idee: Ein 3D-Drucker, der mit Lebensmitteln dreidimensionale Gegenstände baut - etwa eine Ritterburg aus Kartoffelbrei. Sein Finanzierungsziel von 30 000 Euro war nach wenigen Tagen erreicht - und wurde übertroffen. In Form gebrachtes Essen scheint die Menge zu begeistern.

Für interessierte Crowdinvestoren hat er einige Tipps: Gute Projekte erkennt man oft schon am Auftritt. In welchem Produktionsschritt ist das Produkt und was kann es nach Fertigstellung? Diese Fragen sollten transparent auf der Seite beantwortet werden. Aber auch unkomplizierter Kontakt zum Entwicklerteam kann ein Indiz für gute Arbeit sein. "Wir haben großes Interesse an der Interaktion mit unseren Unterstützern und das kommt gut an", sagt Seibold.

Karsten Wenzlaff ist Gründer des German Crowdfunding Networks. Er rät: "Zuerst sollte ein genauer Blick auf die Plattform geworfen werden, auf der das Kapital investiert wird." Hinter den Angeboten stecken sehr eigene Geschäftsmodelle, und es gibt mittlerweile auch schon verschiedene Formen der Schwarmfinanzierung. Beim Crowdfunding geht es generell darum, bei der Realisierung eines Projektes zu helfen. Geschäftsanteile erwirbt man nicht. Dafür bekommt man das fertige Produkt früher und meist auch günstiger als normale Käufer - und die meist nach Investitionsgröße gestaffelten Belohnungen, die Rewards.

Das Crowdinvesting, die andere Form der Schwarmfinanzierung, ist dagegen eine langfristigere Geldanlage, bei der Unternehmen mit Renditen locken. Auf Plattformen wie Seedmatch wird um Investitionen in größere Produkte geworben. Erfolgreich finanzierte Projekte sind etwa ein elektrischer Multikopter oder ein Server des Hamburger Startups Protonet. In 90 Minuten wurden dafür rund 750 000 Euro eingesammelt. Insgesamt kamen dann nach 133 Stunden mehr als drei Millionen Euro zusammen. Die investierten 250 bis maximal 10 000 Euro bleiben ähnlich einem Anlageprodukt oder Festgeldkonto meist längerfristig beim Unternehmen. Rewards wie beim Crowdfunding gibt es allerdings nicht, dafür die üblichen Risiken.

"Das gesamte Geld kann schnell weg sein", warnt Thomas Pfister, von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Etwa bei einer Insolvenz oder Pleite. Der Verbraucherschützer rät, vorab Informationen zum Geschäftsmodell einzuholen und Erfahrungswerte von anderen Investoren aus Internetforen zu recherchieren. Aber: "Nur in das Geschäftsmodell und Finanzprodukt investieren, das man selbst auch versteht", sagt Pfister. Schlimmstenfalls droht ein Totalverlust des Geldes.

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