Doku „Rechts.Deutsch.Radikal." auf ProSieben

AfD-Mitglied äußert rechtsextremes Gedankengut - „Wir können die nachher immer noch alle erschießen“

Reporter Thilo Mischke
+
In der Doku „Rechts.Deutsch.Radikal" blickt ProSieben-Reporter Thilo Mischke hinter die Fassade der rechten und rechtsextremen Szene in Deutschland:

Berlin/Dortmund/Dresden - Mit der Reportage „Rechts.Deutsch.Radikal.“ blickt ProSieben-Reporter Thilo Mischke hinter die Fassade der rechten und rechtsextremen Szene in Deutschland.

Er trifft in Dortmund den Rechtsextremen Michael Brück (30), NRW-Landesvorsitzender der vom Verfassungsschutz als demokratiefeindlich eingestuften Partei „Die Rechte“. Er begleitet Sanny Kujath (18), ein Gesicht der rechten Jugendgruppierung „Junge Revolution“ auf einer Demonstration zum 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Dresden.

Er dreht auf dem „Schild und Schwert Festival“, zu dem der stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD geladen hat. Er spricht mit Verfassungsschützer Stephan Kramer, Präsident des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz. Bei seinen Recherchen im und um das Machtzentrum der AfD stößt Thilo Mischke auf Aussagen wie „Wir müssen dafür sorgen, dass es Deutschland schlecht geht.“ und „Ein Muslim müsste sich im Karneval hochsprengen.“

18 Monate lang recherchiert Reporter Thilo Mischke für das „ProSieben Spezial: Rechts. Deutsch. Radikal.“ In der rechten und der rechtsextremen Szene Deutschlands. Er zeigt, wie rechte und rechtsextreme Gruppen miteinander verwoben sind, wo sie sich unterscheiden und wo es keine Abgrenzungen mehr gibt. ProSieben zeigt die zweistündige Reportage am Montag, 28. September, 20:15 Uhr.

„Rechts.Deutsch.Radikal.“ auf ProSieben - Verfassungsschützer in Sorge

„Wie rechts ist Deutschland?“, fragt Thilo Mischke bei seinen Recherchen Christian Fuchs, investigativer Journalist bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Es gab einen massiven Rechtsruck. Es sind Organisationen entstanden, die das Land nach rechts verschoben haben. Die Grenze des Sagbaren wurde nach rechts verschoben. Es gibt eine stärkere Polarisierung, die immer den rechten Extremen in die Hände spielt.“ 

Wie bewertet der Verfassungsschutz die neue Rechte? „Vor ein paar Jahren hätte ich noch zu Ihnen gesagt, wir müssen uns zwar Sorgen machen, aber wir sind noch nicht die Weimarer Republik. Aber wenn ich mir die Entwicklungen in den letzten fünf Jahren anschaue, muss ich offen gestehen, mache ich mir ernsthafte Sorgen um unsere Demokratie“, sagt Verfassungsschützer Stephan Kramer im Interview mit Thilo Mischke.

Reporter Thilo Mischke.

Rechtsruck in Deutschland, ein Verfassungsschützer in großer Sorge. Wie denkt man in der Partei, die das größte Sprachrohr der neuen Rechte ist? Ein Reporter filmt eine YouTuberin bei einem Treffen mit einem hochrangigen AfD-Funktionär. Bei diesem Treffen versucht der Spitzen-Funktionär die YouTuberin zu bewegen für die Partei zu arbeiten und erklärt in einem längeren Gespräch Strategie und Ziele der AfD.

Doku „Rechts.Deutsch.Radikal.“ auf ProSieben - AfD-Funktionär schockt mit rechtsradikalem Gedankengut

Beklemmend sind hier vor allen Dingen die Aussagen des AfD-Mitglieds. Im Gespräch mit der YouTuberin sagt er auf die Frage, worum es gehe: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. Das ist natürlich scheiße, auch für unsere Kinder. Aber wahrscheinlich erhält uns das. Wenn jetzt alles gut laufen würde, dann wäre die AfD bei drei Prozent. Deshalb müssen wir uns eine Taktik überlegen. Wie schlimm kann es Deutschland gehen? Und: Wieviel können wir provozieren? Und dazwischen müssen wir kommunizieren. Sehr schwierig.“ Die YouTuberin erwidert: „Vor allem klingt das so, als ob es in deinem Interesse wäre, dass noch mehr Migranten kommen.“

Der Funktionär bejaht. Wenn mehr Migranten kommen würden, gehe es der AfD besser. Solange die Partei noch etwas instabil sei und ein paar Idioten noch antisemitisch rumlaufen würden, müsse man dafür sorgen, dass es Deutschland schlecht gehe. Laut Deutschlandradio führt er in Bezug auf Migration weiter aus: „Wir können die (die Migranten, Anm.d.Red) nachher immer noch alle erschießen.Das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen, oder wie du willst. Mir egal!“

Nach den Recherchen von „ZEIT ONLINE“ hat sich der betreffende AfD-Funktionär in der Vergangenheit selbst als Faschist bezeichnet. Er sei daraufhin im Frühjahr von seinen Aufgaben in der Partei freigestellt und beurlaubt worden. Es handele sich wohl um den ehemaligen Pressesprecher der AfD und der AfD-Bundestagsfraktion Christian Lüth.

Die AfD hat mittlerweile reagiert und Lüth fristlos entlassen. Das verkündete die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag am Montag (28. September).

„Rechts.Deutsch.Radikal." auf ProSieben - Politik zeigt sich entrüstet - AfD äußert sich

Die Reaktion der Politik folgt prompt, mehrere Politiker zeigten sich geschockt.

Die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Mast, sich nannte die Äußerungen „abscheulich, menschenverachtend und offen rechtsradikal“.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Schnieder urteilte: „Widerlich!“

FPD-Bundestagsabgeordneter Reinhold warf die Frage in den Raum: „Wie sehr muss man sein eigenes Land eigentlich hassen, um sowas zu äußern?“

Auch die AfD hat sich zu den Aussagen geäußert. Gegenüber dem Deutschlandradio äußerte sich Fraktionschef Gauland, die dem ehemaligen Pressesprecher der Fraktion, Lüth, zugeschriebenen Äußerungen seien völlig inakzeptabel und in keiner Weise mit den Zielen und der Politik der AfD und der AfD-Fraktion vereinbar.

Auch auf Twitter teilte die Partei mit, dass Lüth schon seit drei Jahren nicht mehr in der Partei tätig sei. Daher hätte er im Februar 2020 nicht mehr für die Partei sprechen können. „Bei der Bewertung seiner von ZEIT ONLINE wiedergegebenen Aussagen kann es wohl keine zwei Meinungen geben.“

ProSieben zeigt die Dokumentation „Rechts.Deutsch.Radikal." zur Primetime um 20:15 Uhr.

fgr/Pressemeldung ProSieben

Kommentare