Raspberry Pi: Kleiner Bastel-Computer für große Projekte

Der Raspberry Pi hat keine eigene Festplatte. Betriebssystem und Mediendaten werden auf eine Speicherkarte geschrieben. Foto: Andrea Warnecke
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Der Raspberry Pi hat keine eigene Festplatte. Betriebssystem und Mediendaten werden auf eine Speicherkarte geschrieben. Foto: Andrea Warnecke
Der Raspberry Pi (M) wird mit der kostenlosen Software Raspbmc zum Mediencenter und streamt ein Youtube Video auf den Fernsehschirm. Foto: Franziska Gabbert
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Der Raspberry Pi (M) wird mit der kostenlosen Software Raspbmc zum Mediencenter und streamt ein Youtube Video auf den Fernsehschirm. Foto: Franziska Gabbert
Vier USB-Anschlüsse, ein Ethernet-Stecker, HDMI und die Allzweckschnittstelle (oben rechts) erlauben den Anschluss vieler Geräte an den Raspberry Pi. Foto: Franziska Gabbert
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Vier USB-Anschlüsse, ein Ethernet-Stecker, HDMI und die Allzweckschnittstelle (oben rechts) erlauben den Anschluss vieler Geräte an den Raspberry Pi. Foto: Franziska Gabbert
Wer ein WLAN-Modul anschließt, kann mit dem Raspberry Pi auch drahtlose Geräte ansteuern. Die optional erhältlichen Kühlrippen halten die Chips auch bei höherer Last in sicheren Temperaturbereichen. Foto: Andrea Warnecke
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Wer ein WLAN-Modul anschließt, kann mit dem Raspberry Pi auch drahtlose Geräte ansteuern. Die optional erhältlichen Kühlrippen halten die Chips auch bei höherer Last in sicheren Temperaturbereichen. Foto: Andrea Warnecke
Für den Raspberry Pi gibt es auch diverse Gehäuse. Findige Bastler bauen sich ihre eigenen - etwa aus Lego oder Holz. Diese hier kostet etwa acht Euro und lässt alle Anschlüsse frei. Foto: Andrea Warnecke
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Für den Raspberry Pi gibt es auch diverse Gehäuse. Findige Bastler bauen sich ihre eigenen - etwa aus Lego oder Holz. Diese hier kostet etwa acht Euro und lässt alle Anschlüsse frei. Foto: Andrea Warnecke

Berlin (dpa/tmn) - Mit dem Mini-Computer Raspberry Pi können Tüftler und Einsteiger ganz einfach viele spannende Projekte realisieren. Vom günstigen Mediencenter bis hin zu vernetzten Rauchmeldern oder der Steuerung von Robotern ist alles möglich.

Es ist der Moment der Wahrheit. Die Speicherkarte sitzt, alle Kabel sind verbunden, jetzt noch den USB-Stecker ins Netzteil stecken. Die LEDs leuchten, zwei Sekunden banges Warten. Es funktioniert - auf dem Fernseher erscheint ein pinkfarbenes Himbeerlogo. Wenig später läuft der erste Film auf dem ersten selbst gebastelten Mediencenter auf Raspberry-Pi-Basis. Geschafft.

Rasperry Pi - oder Raspi - "das ist ein Kleinstcomputer auf einem Board zu einem sehr günstigen Preis", sagt Andreas Nolde, Redakteur bei der Computerzeitschrift "Chip" und überzeugter Raspi-Bastler. Der kleine Chip - er ist nur etwas größer als eine Kreditkarte - kostet gerade einmal knapp 35 Euro, ist aber der Einstieg in eine Welt der beinahe unbegrenzten Computermöglichkeiten. Die unscheinbare grüne Platine mit silbernen Anschlüssen kann nämlich unzählige verschiedene Aufgaben übernehmen. Als Tüftlerprojekt für Schüler in Großbritannien gestartet, ist der Raspi schnell populär geworden. Mehr als 3,5 Millionen Einheiten wurden bereits verkauft.

"Es gibt eine ganze Menge Schnittstellen für Tüftler", sagt Andreas Nolde. Das aktuelle Modell verfügt über vier USB-Anschlüsse, einen Netzwerkstecker, kann über den HDMI-Anschluss mit Fernsehern und Monitoren verbunden werden. Die eigentliche Besonderheit ist aber die Allzweckschnittstelle der Platine. Hier können von der Funkantenne über Messsensoren und Infrarotempfänger bis hin zum Display unzählige Geräte angeschlossen und über den Raspi gesteuert werden. Und das sind nur die komplizierteren Szenarien. Man muss kein Ingenieur sein, um einen Raspi ans Laufen zu kriegen.

"Selbst für den normalen User gibt es viele Szenarien", sagt Nolde. Das gewählte Einsteigerszenario - das Mediencenter mit der kostenlosen Software Raspbmc - ist eines der beliebtesten. Es verwandelt die Platine innerhalb kurzer Zeit in ein leistungsstarkes Streamingwerkzeug. Ins Heimnetzwerk eingeklinkt, können über den Raspi Filme, Fotos oder Musik von angeschlossenen Rechnern, USB-Sticks oder Festplatten auf den Fernseher übertragen werden. "Vom Raspbmc können Sie auch Youtube-Videos wiedergeben oder auf die Mediatheken von öffentlich rechtlichen Sendern zugreifen", sagt Nolde, der den Raspi zu Hause als Mediencenter einsetzt.

Obwohl die Hardware mit ihrem 700-Megahertz-Prozessor und nur 512 Megabyte Arbeitsspeicher relativ schwach ist - jedes moderne Mittelklasse-Smartphone ist leistungsfähiger - sind Filme in Full-HD-Auflösung dank eines Grafikchips für den Mini-Computer kein Problem. Die Anleitung zur Einrichtung des Mediencenters und die Software gibt es online, und zwar kostenlos.

Daniel Bachfeld ist Redakteur der Zeitschrift "c't Hacks". Er hat privat mehrere Raspberry Pi im Einsatz. Einer steuert seinen Staubsaugroboter, einen anderen hat er konfiguriert, um Livebilder von seiner Kameradrohne zu übertragen. Er sieht für die kleine Platine auch Potenzial bei der Heimautomation. "Man kann etwa Funksteckdosen über ein kleines Erweiterungsteil für weniger als fünf Euro ansteuern", sagt er. So lassen sich theoretisch von überall auf der Welt zum Beispiel die Lampen in der heimischen Wohnung steuern. Andere Bastler vernetzen ihre Rauchmelder mit dem Raspi. Gerade bei langfristiger Anwendung lohnt sich der Einsatz des Raspi - er ist mit einer Stromaufnahme von zwei bis fünf Watt ziemlich sparsam.

"Man sollte schon ein bisschen Grundverständnis vom Programmieren haben", rät Bachfeld, wenn Bastler anspruchsvollere Projekte angehen wollen. Richtig schwierig sei es aber nicht. "Es gibt viele fertige Module. Man kommt mit wenigen Zeilen Code zum Ziel und kann damit viele schöne Dinge machen." Die aktive Community im Netz tauscht sich in vielen Foren aus und stellt ihre neuesten Projekte online. "Die Plattform ist offen", sagt Andreas Nolde. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt. "Das Gute ist: Es gibt für alles eine Anleitung."

Eine weitere Einsatzmöglichkeit des Raspi ist, ihn als Computerersatz zu benutzen. Zahlreiche angepasste Versionen des offenen Betriebssystems Linux sind kostenlos im Netz verfügbar. Damit wird die kleine Platine beinahe zum PC-Ersatz - nur Höchstleistungen sollte man nicht erwarten. "Zur Not geht es", sagt Daniel Bachfeld. Andere Bastlercomputer, die seit dem Erfolg das Raspi auf den Markt gekommen sind, wie der Odroid oder das Cubieboard, seien dafür aber besser geeignet. Sie verfügen auch über Anschlüsse für Festplatten oder bringen eingebauten Speicher mit.

Webseite der Raspberry Pi Foundation (engl.)

Projektideen für den Raspberry Pi

Community RaspberryCenter.de

- Raspberry Pi Model B+ (circa 35 Euro)

- Micro-USB-Kabel (ca. 5 Euro, liegt auch Android-Smartphones bei)

- USB-Netzteil (am besten mit mehr als einem Ampere Ausgangsleistung)

- USB-Tastatur

- USB-Maus

- HDMI-Kabel zum Anschluss an einen Fernseher oder Monitor

- Micro-SD-Speicherkarte (4 Gigabyte oder größer, ab 10 Euro)

Die nötige Software kann inklusive Anleitung kostenlos von der Webseite der Raspberry Pi Foundation heruntergeladen werden. Dann wird sie auf die Speicherkarte übertragen und die Installation kann beginnen.

- Weitere Modelle: Neben dem Raspberry Pi gibt es weitere Einplatinenrechner für kleines Geld. Der Arduino, der BeagleBone Black oder das Cubieboard bieten ähnliche Erweiterungsmöglichkeiten, verfügen aber nicht über eine vergleichbar große Entwicklergemeinschaft wie der Raspberry Pi.

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