Alptraum für 27-Jährigen

Russe war monatelang in chinesischer TV-Show „gefangen“

Peking - Eine mehr oder weniger zufällige Teilnahme an einer chinesischen Reality-TV-Show wurde für einen 27-jährigen Russen zum absoluten Alptraum. Der Fall hat weit über China hinweg Wellen geschlagen.

Am Wochenende endete der Alptraum für Wladislaw Iwanow. Monatelang war er gegen seinen Willen in der chinesischen TV-Show „Produce Camp 2021“ zu sehen. Verzweifelt bat er die Zuschauer all die Zeit, nicht mehr für ihn zu voten. Vergeblich. der 27-Jährige war beim Publikum derart beliebt, dass er es bis ins Finale schaffte.

Iwanow fleht Zuseher an

Doch von Anfang an: Iwanow, der fließend Mandarin spricht, war ursprünglich als Dolmetscher in der Casting-Show tätig. Da er den Produzenten wegen seines guten Aussehens aber auffiel, überredeten sie ihn, an der Show als Kandidat teilzunehmen. “Sie fragten mich, ob ich ein neues Leben ausprobieren möchte”, sagte Iwanow während der Show einmal. Eine Entscheidung, die er rasch bereute. Das war auch in der Show zu sehen - die Auftritte Iwanows wirkten im Vergleich zu jenen seiner Konkurrenten sehr halbherzig, wie der „Guardian“ berichtet. Immer wieder bat er die Zuseher verzweifelt, nicht für ihn anzurufen. Doch die ließen sich nicht abhalten. Und umso weniger Mühe er sich gab, desto mehr wurde er gefeiert. Freiwillig aussteigen konnte der 27-Jährige nicht - denn dies hätte eine vertraglich vereinbarte hohe Geldstrafe bedeutet.

Insgesamt drei Monate musste der junge Russe also an der TV-Show teilnehmen - inklusive rigoroser Bootcamps, die er ebenso wie die anderen 89 Teilnehmer durchlaufen musste.

„Liebt mich nicht“

“Es ist nicht mein Traum, Teil einer Boyband zu sein, weil ich nicht singen und tanzen kann”, sagte Iwanow laut einem Bericht der “South China Morning Post”. “Ich hoffe, dass mich die Juroren nicht unterstützen. Während die anderen ein A bekommen wollen, will ich ein F – denn F steht für Freiheit”, flehte Iwanow, der unter dem Künstlernamen Lelush auftrat, geradezu. Und einmal sagte er in Richtung der Zuseher: “Liebt mich nicht, ihr habt nichts davon”.

In den Sozialen Netzwerken wurde das Schicksal Iwanows rege diskutiert. Während manche über scherzten, riefen andere dazu auf, ihn nicht gehen zu lassen. Einige aber plädierten unter dem Hashtag „#FreeLelush“ auch für seine Freiheit. Ein Appell, der offenbar verhallte: Der Russe schaffte es bis ins Finale. Dort war dann allerdings endlich Schluss. Darüber dürfte Iwanow dann trotz alledem sehr erleichtert gewesen sein, schließlich hätte ihn ein Sieg in der Show dazu verpflichtet, eine Boyband mit zehn weiteren Teilnehmern zu gründen.

„Gratulation, ruh dich aus“

„Ich darf endlich zu arbeiten aufhören“, sagte Iwanow bei Weibo am Sonntag nachdem er aus der Show ausgeschieden war. Auch die russische Botschaft „gratulierte“ Iwanow: „Gratulation, ruh dich aus“, schrieb diese. Ein letzter Erfolg war dem unwilligen Teilnehmer aber doch noch vergönnt: Bei Weibo soll laut „Guardian“ ein Hashtag mit seinem Abgang über 180 Millionen Mal angesehen worden sein.

dp/red.

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