Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Schäden durch das Stäbchen beim Corona-Test: Das ist dran an den Gerüchten

Der Corona-Test ist besonders wegen dem Stäbchen in der Nase nicht sonderlich angenehm. Es ranken sich einige Mythen und Erzählungen um mutmaßliche Folgen
+
Der Corona-Test ist besonders wegen dem Stäbchen in der Nase nicht sonderlich angenehm. Es ranken sich einige Mythen und Erzählungen um mutmaßliche Folgen

Bayern - Dass ein Test auf das neuartige Corona-Virus SARS-Cov-2 angenehm ist, das bestreitet wohl niemand. Jedoch verbreiten sich schon seit Beginn der Pandemie Gerüchte und Erzählungen von Schäden durch das tief in die Nase eingeführte Wattestäbchen. Das ist dran an den Mythen und Erzählungen:

Auf folgende Erzählungen und Mythen wird eingegangen:

  • Kann nach einem Corona-Test Gehirnflüssigkeit austreten?
  • Wird durch einen Corona-Test die Blut-Hirn-Schranke beschädigt?
  • Setzt der Corona-Test einen Mikrochip ein?

Um genug Material für einen aussagekräftigen Corona-Test zu bekommen, werden bei einem Test mittels Wattestäbchen zuerst im Mund- und Rachenraum und dann durch die Nase Abstriche gemacht. Besonders die Proben-Entnahme durch die Nase gestaltet sich als unangenehm, da das Wattestäbchen sehr tief in beide Nasenlöcher gesteckt wird. Dabei können, so behaupten es weitverbreitete Erzählungen, Verletzungen entstehen oder sogar mutwillig Mikrochips eingesetzt werden. Doch stimmt das?

Austritt von Hirnflüssigkeit nach COVID-19-Test? - Ein kurioser Einzelfall, der so tatsächlich passiert ist

Eine unglaublich erschreckende Vorstellung. Das Wattestäbchen wird in der Nase weit hineingesteckt und wer sich mit Anatomie nicht allzu gut auskennt, kann schnell das Gefühl bekommen, dass es bis ins Hirn reicht. Vorab sei aber gesagt, dass das extrem schwer ist und bislang kein solcher Fall bestätigt wurde. Nichtsdestotrotz gab es einen Fall, bei dem alles erdenklich Schlechte zusammenkam und ungeahnte Folgen eintraten. In einem Bericht über den Fall, welcher einer 40-Jährigen aus Iowa widerfahren ist, ist zu lesen, wie es dazu kam.

Zur Vorbereitung auf eine Operation wurde bei ihr ein COVID-19-Test durchgeführt, woraufhin sie unter anderem über Kopfschmerzen, einen steifen Nacken und klare Flüssigkeit, welche ihr aus der Nase lief, klagte. Bei der auslaufenden Flüssigkeit stellte sich zu ihrem Schrecken heraus, dass es sich um Hirnflüssigkeit handelte. Was war geschehen?

Hier kamen laut dem Bericht mehrere Faktoren zusammen. Bereits vor geraumer Zeit hatte die Frau aus Iowa eine Operation im Nasenraum, welche wohl mitverantwortlich war für die geringere Stabilität der kribriformen Platte, einem Knochen, der den Naseninnenraum vom Gehirn abtrennt. Darüber hinaus soll die Frau unter einem erhöhten Druck im Innenraum ihres Gehirns sowie weitere Beschwerden gelitten haben, welche die Gefahr eines Austretens von Gehirnflüssigkeit in Folge einer Beschädigung der verheilten Operationswunde weiter erhöht haben sollen.

In dem Bericht ist vermerkt, dass es sich um den bislang einzigen bekannten Fall handle, bei dem ein nasaler COVID-19-Test solche Folgen nach sich zog. Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Alltag bei gesunden Personen zu solchen Schäden kommt, ist demnach extrem gering.

Und wird die Blut-Hirn-Schranke beschädigt? Mit einem einfachen Wattestäbchen in der Nase unmöglich

Ein weiterer Punkt in der Reihe von haarsträubenden Erzählungen rund um den Corona-Test über die Nase beschreibt, wie angeblich die wichtige Blut-Hirn-Schranke mit dem Wattestäbchen beschädigt werden soll. Dadurch soll der Getestete erst richtig anfällig für Infektionen werden.

Die Fakten-Checker von correctiv.org sind dieser Behauptung bereits nachgegangen. Dafür befragten sie Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, welcher dazu anmerkte: „Zwischen Gehirn und Nase sind unter anderem Knochen und Hirnhaut – eine Schädigung durch Abstrichröhrchen ist unmöglich.“ Wie im vorangegangenen Beispiel erklärt, brauche es eine vorher bestehende Verletzung dieser Knochen-Barriere, um ans Gehirn zu gelangen.

Das und der Umstand, dass die Blut-Hirn-Schranke nicht im Inneren der Nase liegt, machen es unmöglich, jene mit einem Wattestäbchen über die Nase zu beschädigen. Die Behauptung ist deshalb neben dem zugrunde liegenden medizinischen Missverständnis schlicht falsch.

Mikrochip-Implantation via Wattestäbchen? Eine sehr fragwürdige Erzählung ohne jegliche Bestätigung

Besonders in den letzten Tagen macht ein Mythos die Runde. Es wird erzählt, dass mittels des in die Nase eingeführten Stäbchens ein Mikrochip in der Nähe zum Gehirn platziert werden soll. Dieser soll, so heißt es weiter, mit hochfrequenter Strahlung die Zirbeldrüse beeinflussen, stören oder sogar zerstören.

Was der angebliche Chip genau damit bewirkt, ist von Aussage zu Aussage oftmals anders. Manchmal soll er das Chakra stören, manchmal soll er direkt physischen Schaden anrichten und laut anderen soll er wiederum die Kontrolle des Getesteten ermöglichen. Diese Behauptung gibt es in vielen Varianten und ist entsprechend in sich schwer zu prüfen.

Die Fakten-Checker von mimikama.at schreiben darüber aber, dass es bisher keinen einzigen Fall gebe, bei dem ein solcher Mikrochip überhaupt gefunden wurde. Eine Überprüfung ist demnach nicht einmal bei der Existenz möglich. Die Erzählungen und erschreckenden Mutmaßungen bleiben damit genau das: Erzählungen und erschreckende Mutmaßungen, welche ohne jegliche Beweislage ein Horrorszenario heraufbeschwören.

Wem nutzt das Testen? Was machen solche Erzählungen ihren den Lesern?

Der Corona-Test ist nicht besonders angenehm, aber notwendig, um einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu behalten. Die Vorgehensweise ist im Übrigen dieselbe wie bei anderen Krankheitsausbrüchen in der Vergangenheit auch. Die Profiteure sind dabei zum einen die Bürger, welche sich und ihre Mitmenschen entsprechend schützen können, und zum anderen die Politik, welche dadurch erst einen vorläufigen Einblick in die Verbreitung der Krankheit bekommt. Erzählungen und Mythen, die die Angst vor einem solchen schon lange praktiziertem Testverfahren schüren, erschweren das jedoch.

mda

Kommentare