#LenaWirSindBeiDir

Shitstorm: Das Absturzopfer und der YouTube-Star

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Eine Twitter-Userin startete am Freitag einen Aufruf auf Twitter, um ihrer bei dem Germanwings-Absturz verstorbenen Freundin zu gedenken. Doch schnell entwickelte sich daraus ein Shitstorm.

Es ist eine Geschichte, wie sie die digitale, vernetzte Welt schreibt: Eine junge Frau trauert öffentlich um ihre Freundin, gewinnt dadurch Aufmerksamkeit, Geltungssucht wird ihr unterstellt und sie wird angefeindet. Am Ende legt sie sich ein neues Profil zu, doch die Wutwelle geht noch weiter.  

Von Anfang an: Eine Userin namens Linda entwarf am Freitag das Hashtag #LenaWirSindBeiDir. Lena sei ein Opfer des Germanwings-Flugzeugsunglücks in Südfrankreich gewesen und ein großer Fan des YouTube-Star Timo (LiontTV), der auf Twitter unter @TheRealLiont einen Account hat. Ein "Löwenkind", wie seine Fanszene heißt.

Lenas Traum sei es immer gewesen, eines der Konzerte des Internetstars zu besuchen - und so versucht nun Linda die Aufmerksamkeit des Künstlers zu erregen. Mit Erfolg! Liont antwortet noch am Freitagabend via Twitter, offenbar nachdem viele seiner Fans den Aufruf retweetet hatten: "Vielen Dank für all eure Anteilnahme mit Lena, ich habe mich jetzt mit Linda in Kontakt gesetzt."

Doch da nahm schon die Gegenwelle an Fahrt auf.  Das Hashtag war in den Trendcharts, also den meistgenutzten Schlagwörtern auf Twitter, und so bekamen immer mehr User Wind von der Geschichte. Schnell entwickelte sich ein Shitstorm:

Ich will ja nichts sagen, aber mir kommt das kotzen wenn ich sowaslese. #LenaWirSindBeiDir pic.twitter.com/afR2jNdi75

— Yasmin. (@YassiMeyer) 3. April 2015

@linda_2402 Abartig. Den Tod eines Menschen auszunutzen, damit man mit seinem Idol in Kontakt kommt. Abartig #LenaWirSindBeiDir

— Jonny Kamp (@Melone_20) 4. April 2015

Besonders ein angeblicher Tweet von Linda, laut dem Lena der wertvollste Mensch an Bord war, weil sie zu den Fans von Liont gehörte, sorgte für Zorn. Dabei bestritt Linda, so einen Tweet geschrieben zu haben.

Ein weiterer Vorwurf stand im Raum: Die Geschichte sei Promotion, weil ausgerechnet am Freitag Lionts Album "Löwenkind" erschienen sei.  Dieser versuchte noch den Shitstorm abzumildern, in dem er schrieb, dass man bitte auch an die anderen Familien der Absturzopfer denken solle - aber zu spät! Noch immer ist das Hashtag #LenaWirSindBeiDir in den Twitter-Deutschlandtrends und wird heiß diskutiert.

Die Urheberin hat sich derweil einen neuen Profilnamen zugelegt und ihre Twitter-Seite gesperrt, so dass man ihre Tweets als Unbefugter nicht mehr lesen kann. Eine Menge Lehrgeld hat sie auf jeden Fall bezahlen müssen...

Um diesen YouTube-Start geht es:

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