Hilferuf aus Corona-Quarantäne in Neapel

Italiener verzweifelt: "Meine tote Schwester ist hier mit mir, keiner hilft..."

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Luca F. aus Italien teilte ein besorgniserregendes Video aus der Corona-Quarantäne auf Facebook.

Neapel - Ein herzzerreißendes Video aus Neapel geht derzeit viral. In dem Video sendet ein Mann einen Hilferuf aus der Corona-Quarantäne in Italien. Im Hintergrund ist dabei seine tote Schwester im Bett zu sehen. 

Ein besorgniserregendes Video aus Italien macht derzeit die Runde in den sozialen Netzwerken. Der Italiener Luca F. hat auf Facebook einen herzzerreißenden Hilferuf aus der Corona-Quarantäne abgesetzt. In dem Video, welches bereits über 7,8 Millionen Aufrufe hat, steht er weinend vor dem Bett, in dem seine tote Schwester Teresa liegt. 

"Meine Schwester ist hier mit mir in diesem Bett. Tot."

Er beginnt das Video, das am Sonntag, 8. März veröffentlicht wurde, mit den Worten: "Ich bin an den Punkt gekommen, an dem ich diese Videobotschaft machen muss. Für das Wohl von Italien. Für das Wohl von Neapel." Anschließend sagt er: "Gestern Abend ist meine Schwester gestorben. Der Grund dafür ist höchstwahrscheinlich das Coronavirus. Ich warte seit gestern Abend auf eine Rückmeldung der Behörden. Es hat sich niemand gemeldet ... Meine Schwester ist hier mit mir in diesem Bett. Tot. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll." Immer wieder schwenkt er dabei die Kamera auf Teresa (†47).

Die 47-jährige Frau soll nach einem epileptischen Anfall bewusstlos geworden sein. Ob sie an den Folgen der Coronavirus-Infektion starb, weiß Luca zu diesem Zeitpunkt nicht. Da er versucht habe, seine Schwester mit Hilfe von Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben glaubt Luca F. nun, sich ebenfalls mit dem Virus infiziert zu haben.

"Ich rief den Arzt an. Aber es war ihm egal"

Der Italiener kontaktierte anschließend den behandelnden Hausarzt seiner Schwester: "Ich rief den Arzt an. Aber es war ihm egal. Sie war eine Risikopatientin, aber er kam nicht mal zum Haus, um nach Teresa zu sehen", so Luca F. in dem rund zweieinhalb-minütigen Facebook-Video. Teresa soll vor ihrem Tod eine Grippe mit Corona-ähnlichen Symptomen gehabt haben

Luca berichtet in dem Video weiter, dass er sich nun selbst unter Quarantäne gestellt habe, weil er überzeugt ist, sich durch die Wiederbelebungsversuche bei seiner Schwester mit dem Coronavirus infiziert zu haben. "Ich könnte rausgehen und das Virus überall verbreiten", so der Italiener.

Der Mann zeigt sich sichtlich verzweifelt und beschreibt, welche Behörden er bereits vergebens um Hilfe gebeten hat und seine exakte Adresse in der Nähe von Neapel. Zu dem Zeitpunkt, an dem das Video aufgezeichnet wurde, lag die Leiche von Teresa bereits 24 Stunden im Haus. Die Rettungskräfte, die auf seinen Hilferuf ausgerückt seien, hätten beim ersten Mal am Samstagabend kein Test-Kit dabei gehabt. "Sie kehrten spätabends noch einmal zurück, um den Test zu machen", so Luca. 

Testergebnis positiv auf Covid-19

Fast 120.000 Mal wurde das Video aus der Quarantäne bereits geteilt - auch über die Grenzen Italiens hinaus. In der Nacht zu Montag stellte Luca F. ein zweites Video online. Er teilt mit, dass das Testergebnis seiner Schwester auf Covid-19 positiv gewesen sei. Auch der zuständige Regionalrat der Region Kampanien und Mitglied der Gesundheitskommission, Francesco Emilio Borelli, bestätigte den Vorfall. Er weist darauf hin, dass es sich bei Teresa F. um die erste Patientin handelte, die nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause verstorben sei.

Ein Abstrich und somit ein Test auf das Coronavirus wurde Luca F. von den Behörden verweigert. Auch wann er seine Schwester beerdigen kann, ist bislang noch unklar. Als offizielle Todesursache wurde bei der 47-Jährigen ein Schwächeanfall diagnostiziert. Ob die Aussage des Mannes stimmt, dass ihm der Hausarzt zuvor die Hilfe verweigerte, ist bisher nicht bestätigt. Die gesamte Familie steht aber nun unter Quarantäne.

Bereits über 360 Tote in Italien

Das neuartige Coronavirus sorgt weiterhin für zum Teil große Verunsicherung und Besorgnis bei der Bevölkerung. In Bayern wurden seit Donnerstag, 27. Februar, bereits 239 Fälle bestätigt. In Italien gibt es mittlerweile über 700 Infizierte und über 360 Tote

Am Montagabend hat die italienische Regierung die Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land ausgeweitet. Etwa 60 Millionen Menschen sind von den Maßnahmen betroffen. Die Maßnahme gilt seit Dienstag.

jg

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