Erfolgschancen angeblich über 60 Prozent

Website will Spielsüchtigen ihr Geld aus Online-Casinos zurückholen

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Die Website "wirholendeingeld.de" macht derzeit mit dem Angebot, Verluste aus Online-Casinos zurückzuholen, von sich reden.

"Die Idee dazu kam zufällig in unserem Team, durch einen Mitarbeiter, der Jura studiert, auf", berichtet Ruben Aichinger von der Firma NextElement. Daraufhin habe sein Unternehmen Rücksprache mit der Anwaltskanzlei Lenné gehalten, die nun auch die juristische Seite des Unterfangens übernimmt und dann das Geschäftsmodell entwickelt. 

Kunden zahlen nur im Erfolgsfall

Wer in Online-Casinos Geld verloren hat, kann es mit Hilfe der Partner-Anwälte der Seite von Zahlungsanbietern wie Klarna oder Paypal zurückfordern. Wenn es nicht klappt, entstehen keine Kosten, nur im Erfolgsfall behalten das Unternehmen und die Anwälte 35 Prozent Provision. Rechtsgrundlage ist, dass per Gesetz Transaktionen im Zusammenhang mit illegalem Online-Glücksspiel verboten sind.

Ruben Aichinger

Der Markt für Online-Geldspiele in Deutschland wächst rasant. Und das, obwohl er hierzulande gar nicht zugelassen ist. Anbieter werben nach einer Branchenanalyse zunehmend dafür. Die Länder können sich nicht zu einer Regulierung durchringen. 

"Sind natürlich in erster Linie Unternehmen"

"Natürlich sind wir in erster Linie ein Unternehmen", räumt Aichinger ein, "aber wir wollen mit unserem Angebot auch dabei helfen, dass Glücksspielsüchtigen ein Ausstieg möglich wird." Auch Partneranwalt Guido Lenné betont: "Wir sind Verbraucherschützer mit Leib und Seele. Das Thema illegales Online-Glücksspiel bekommt die Politik seit Jahren nicht in den Griff. Wir begrüßen es daher, wenn das Thema immer bekannter wird und sich weitere Unterstützer finden."

Das Angebot wird im Netz durchaus kontrovers diskutiert. Die Debatte verfolgt auch das Unternehmen. Beispielsweise findet sich in Foren für Glücksspielsüchtige durchaus der Vorwurf, das Angebot ermögliche Abhängigen, ihr Geld zurückzubekommen und dann wieder weiter zu machen. "Bisher ist es aber noch nie vorgekommen, dass ein Kunde sich bei uns zweimal gemeldet hat. Wir raten auch jedem an, Hilfsangebote aufzusuchen und das als seine Chance auf einen Ausstieg wahrzunehmen", betont Aichinger.

"Wir tragen das gesamte Risiko"

Auch gibt es den Vorwurf, dass die 35 Prozent eine recht hohe Bezahlung darstellen würden. "Natürlich gibt es die Chance, dass, wenn noch nicht zu viel Zeit verstrichen ist, die Bank das Geld einfach zurückbuchen kann", gibt Aichinger zu, "Ebenso ist es möglich, dass ein anderer Anwalt günstiger ist." Allerdings weist er darauf hin, dass sein Unternehmen nur im Erfolgsfall zur Kasse bitte.

Anwalt Guido Lenné

"Gleichzeitig tragen wir auf diese Weise natürlich auch das komplette Risiko und entstehende Kosten", gibt er zu bedenken. "Wir haben eine Erfolgschance von 60 bis 70 Prozent", bemerkt er. In den restlichen 30 bis 40 Prozent der Fälle würden sie auf den Kosten sitzen bleiben. 

"Wir als Anwaltskanzlei rechnen regelmäßig nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ab und berechnen auch Kostenvorschüsse. Bei wirholendeingeld.de zahlt man nur bei Erfolg", betont Anwalt Lenné, "Wir sind bereits wiederholt für wirholendeingeld.de tätig geworden. Es lief ausnahmslos reibungslos."

Psychologe: Grundsätzlich gut, wenn Problem bekannt wird

"Also grundsätzlich ist es gut, wenn beispielsweise durch diese Seite die Illegalität solcher Seiten bekannt wird und es vor allem auch den Banken und Zahlungsdienstleistern unangenehm gemacht wird, mit diesen zusammenzuarbeiten", erklärt Diplom-Psychologe Prof. Dr. rer.net. Gerhard Meyer von der Universität Bremen. Sein Forschungsschwerpunkt ist das Suchtverhalten bezogen auf Glücksspiele.

Die Wirksamkeit der Hilfe durch die Rückerstattung der Glücksspielverluste müsse differenziert betrachtet werden. "Es besteht natürlich immer das Risiko, dass die Leute durch den neuen Zugang zu Geld rückfällig werden.

Leidensdruck beste Voraussetzung für Abstinenz

"Die beste Voraussetzung für eine Abstinenz ist ein ausgeprägter Leidensdruck", erklärt Meyer. Beispielsweise habe ein Patient den Inhalt die Spardose seines Sohnes geplündert und das Geld darin verspielt. "Als dieser ihm dann unter Tränen schilderte, was er sich mit dem Geld eigentlich kaufen wollte, hat das dann in diesem Fall das Umdenken ausgelöst." 

Er betont, das Problem bei Online-Casinos sei, dass diese selten eingreifen würden, wenn Spielsüchtige immer mehr Geld verlieren würden. "Mir ist ein Fall bekannt, da hat ein Patient insgesamt 600.000 Euro verzockt und ist zur immer weiteren Finanzierung seiner Sucht auch kriminell geworden." 

Rubriklistenbild: © Arno Burgi

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