Nach Leserzuschrift

AfD-Kritiker berichtet von Hass- und Hundekot-Briefen

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Diese Postkarte mit Schmähungen zählte zu den Reaktionen auf einen AfD-kritischen Leserbrief

Nentershausen - Ein Leserbrief mit Kritik am lokalen AfD-Kreisverband hat einem Mann in Osthessen schockierend heftige Reaktionen eingebracht.

Eigentlich hatte sich Ferdinand Meise aus der hessischen Landgemeinde Nentershausen nur über die Reden auf einem Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbandes aufgeregt - und einen wütenden Leserbrief an die Zeitung geschrieben. Die Meinungsäußerung hatte allerdings seinen Angaben zufolge unerwartet drastische Konsequenzen: Der 55-Jährige sei auf verschiedensten Wegen mit anonymen Beschimpfungen und Drohungen eingedeckt worden, berichtet er jetzt der HNA; jener Zeitung, die seinen Leserbrief abgedruckt hatte.

Kritiker habe Hasskommentare auf Facebook und Hundekot in der Post erhalten

Nicht weniger als 15 anonyme Anrufe, zwei Briefe, eine Postkarte, E-Mails und sogar ein Paket mit luftdicht verpacktem Hundekot hat der Leserbrief-Schreiber nach eigenen Angaben erhalten. Auch seinen geschäftlichen Facebook-Account habe er wegen Hasskommentaren sperren lassen müssen. In einer als Scan dokumentierten Postkarte wird Meise unter anderem als „Dreckslump-Volksverräter“ bezeichnet - er gehörte „an die nächste Laterne“, eiferten die Verfasser.

Er habe immer wieder kritische Leserbriefe geschrieben, auch zu anderen Parteien. „Aber noch nie bin ich so persönlich angegangen worden wie nach meinem Leserbrief zur AfD“, sagt Meise nun. Publik wurde der Fall erst, weil sich die Tochter des Leserbrief-Schreibers mit einem eigenen Beitrag an die Zeitung wandte.

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg, Gerhard Schenk, äußerte sich auf Anfrage der HNA in einem Statement: "Mich hat allerdings erstaunt, wie der ,Leserbrief' des Herrn Meise die Netiquette einer seriösen Zeitung passieren konnte, trotz seines grob ehrabschneidenden, rufschädigenden und sachlich falschen Inhalts. Die geschilderten Reaktionen sind meiner Meinung nach ein Fall für Polizei und Staatsanwaltschaft und erst nach Aufklärung ein Fall für die Zeitung. Hier besteht sonst leicht die Gefahr ,Fake News' zu produzieren. Es ist richtig, dass ich Kontakt mit Herrn Meise aufgenommen habe, um zu erfahren, was ihn als Demokrat und rational Denkenden, wie er sich selbst bezeichnete, dazu bewogen hatte einen derart hetzerischen, auf ,alternativen Fakten' beruhenden, Leserbrief zu schreiben." Eine inhaltliche, mit Argumenten geführte Auseinandersetzung sei aber nicht erwünscht gewesen, schreibt Gerhard Schenk.

Weitere Details zu dem Fall und den Lesernbrief im Wortlaut lesen Sie auf hna.de.

mm/tz

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