„Enormer Kraftaufwand“

AfD-Querelen: Petry denkt an Rückzug

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Petry auf dem Parteitag der Sachsen-AfD in Weinböhla

Berlin/Leipzig - Quo vadis, AfD? Nach den Streitigkeiten der vergangenen Monate denkt Bundessprecherin Frauke Petry über Abschied nach. Das hat sie in einem Interview verraten.

Frauke Petry ist für die AfD eine Symbolfigur: Als sie im Sommer 2015 mit Jörg Meuthen in einen Zweier-Bundesvorstand gewählt wurde und Bernd Lucke ausschied, war von einem Sieg des rechten Parteiflügels die Rede. Mittlerweile befindet sich Petry mit Björn Höcke und Co. im Clinch - mit noch weiter rechts verorteten Auslegern der Partei.

Am Donnerstag hat Petry für einen kleinen Paukenschlag gesorgt. Denn die prägende Figur der AfD denkt offenbar über einen Rückzug aus der Partei oder sogar der Politik nach. Das hat Petry selbst dem Berliner Tagesspiegel in einem Interview gesagt, aus dem mehrere deutsche Medien zitieren.

„AfD nicht alternativlos“

„Weder die Politik noch die AfD sind für mich alternativlos“, erklärte Petry. Von Zeit zu Zeit könne man sein Leben überdenken und neu justieren, betonte die Politikerin - und ließ durchblicken, dass die letzten, von Streit geprägten Monate in der AfD nicht spurlos an ihr vorübergegangen sind:

"So halte ich das auch jetzt, nach mehr als vier Jahren in der AfD, die einen enormen Kraftaufwand bedeutet haben und den Abschied von einem geregelten Leben." Zwar dürfe man Angriffe als Politiker nicht persönlich nehmen. So ganz gelinge das aber wohl niemandem: „Alles andere wäre gelogen.“

Tränen beim Parteitag

Beim sächsischen AfD-Landesparteitag in Weinböhla am Wochenende war Petry auf der Bühne in Tränen ausgebrochen. Zuvor war sie von ihren Gegenkandidaten um den Posten als Spitzenkandidatin der Sachsen-AfD bei der Bundestagswahl, Roland Ulbrich und Norbert Mayer, heftig attackiert worden. Sie warfen Petry vor, die Partei mit ihrer Kritik an Björn Höcke zu spalten.

Zwar gewann Petry diese Wahl - ansonsten waren gute Nachrichten für die AfD-Bundessprecherin zuletzt rar: Berichten zufolge steht ein spürbarer Teil der aussichtsreichen AfD-Kandidaten für den Bundestag einer Fraktionsvorsitzenden Petry kritisch gegenüber. Am Wochenende erlitt der Petry-Verbündete Petr Bystron bei der Nominierung der bayerischen Bundestagskandidaten zudem eine empfindliche Schlappe. Und auch die jüngsten Umfragewerte der AfD befanden sich im Sinkflug.

Kind ist auf dem Weg

Ein weiterer möglicher Grund für eine „Neujustierung“ in Petrys politischem Engagement: Die 41-Jährige ist aktuell mit ihrem fünften Kind schwanger. Im Dezember hatte Petry ihren Lebensgefährten Marcus Pretzell (ebenfalls AfD) geheiratet und die Schwangerschaft in einem Facebook-Post bekanntgegeben.

Bei einer Podiumsdiskussion mit Vertretern anderer Parteien am Mittwochabend in Berlin hatte Petry gesagt: „Wir müssen es wieder schaffen, als Menschen miteinander umzugehen.“ Sie kritisierte die Wortwahl ihres Parteikollegen Nicolaus Fest. Er hatte die Menschen, die einst über die „Gastarbeiter“-Anwerbung nach Deutschland gekommen waren, in seinem Blog als „Gesindel“ bezeichnet.

fn mit dpa

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