Alice Weidel und Alexander Gauland

Die Spitzenkandidaten der AfD: Ein Symbol der Einigkeit?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Das Spitzenduo auf einem Blick: Alice Weidel und Alexander Gauland (r.).

Das Spitzenduo der AfD steht fest: Alice Weidel und Alexander Gauland führen die Partei gemeinsam in den Bundestagswahlkampf. Was trennt und was verbindet die beiden Kandidaten?

Update vom 18. Juli 2017: Wie steht die AfD zur Flüchtlingspolitik und inneren Sicherheit? Wir haben alle wichtigen Infos über das Wahlprogramm der Alternativen zusammengefasst.

Nach dem Kölner Parteitag der AfD sollte nach außen hin vor allem eines erkennbar werden: Der Streit innerhalb der Partei sei beendet, die beiden Flügel der AfD würden geeint in den Bundeswahlkampf starten. „Diese Zeit ist zu Ende“, betonte Spitzenkandidat Gauland nach der Wahl in Schleswig-Holstein erneut. Die Wählerschaft der AfD schien durch den innerparteilichen Streit um das Ausschlussverfahren von Björn Höcke gespalten, auch die Umfragewerte der AfD sanken in den vergangenen Monaten – und das kurz vor der Bundestagswahl, in der die Alternative für Deutschlands erstmals den Einzug in den Bundestag schaffen möchte.

Die AfD-Spitzenkandidaten 2017: Streitereien innerhalb der Partei seien beendet

Bei der Wahl der Spitzenkandidaten 2017 wurde dementsprechend taktisch auf einen vereinten Wahlkampf beider Flügel gesetzt. Schließlich sehen viele Teile der AfD selbst hier einen Streitpunkt, der die Partei im September einige, womöglich ausschlaggebende Wählerstimmen kosten könnte. Auf dem vergangenen Parteitag in Köln wurde das Spitzenduo nun vorgestellt: Alice Weidel und Alexander Gauland werden die AfD in diesem Jahr in den Bundestagswahlkampf führen.

Vor Bundesparteitag: Frauke Petry verzichtete auf Spitzenkandidatur

Während Gauland aus dem rechten Rand der Partei bekannt ist, zu dem unter anderem auch Björn Höcke gezählt wird, gibt sich Alice Weidel wirtschaftsliberal und wird dem gemäßigten Teil der AfD zugeordnet. Sie gehöre zu dem Kreis um Parteichefin Frauke Petry, die selbst vorab übrigens auf eine Spitzenkandidatur verzichtet hatte: Der „Zukunftsantrag“ von Petry, in dem die Parteichefin von ihren Kollegen forderte, sich für einen „realpolitischen Kurs“ zu entscheiden, war von den Mitgliedern bereits vor dem Parteitag scharf abgelehnt worden. In diesem Antrag sprach sie sich unter anderem gegen den „fundamentaloppositionellen“ Teil der Partei aus – und erwähnte hier auch Alexander Gauland

Dass Frauke Petry und Alexander Gauland nach dem zuvor entbrannten Streit um Ausrichtung der Partei als Spitzenduo einen geeinten Wahlkampf hätten führen können, galt spätestens nach der Antragsstellung als äußerst fragwürdig. Auch so bleibt unklar, wie weit Petry sich in den aktuellen Wahlkampf einbringen wird. Nach dem Parteitag antwortete sie auf die Frage, ob die AfD noch „ihre Partei“ sei, mit den Worten: "Ich werde mir bis zum Herbst ansehen, wie sich das weiter entwickelt." 

Die AfD-Spitzenkandidaten: Die Wirtschaftsliberale und der Rechtskonservative?

Alice Weidel war bislang keine auffällige Person in der Öffentlichkeit der AfD, hielt sich mit umstrittenen Äußerungen in den Medien zurück. Von ihr ist zwar bekannt, dass auch sie sich für einen Parteiausschluss von Björn Höcke einsetzte, ansonsten spricht sie in der Öffentlichkeit allerdings größtenteils über die wirtschaftlichen Ziele der Partei. Als promovierte Ökonomin scheint dies nicht verwunderlich - sie selbst nannte den Austritt aus dem Euro und die Durchsetzung direktdemokratischer Elemente in Deutschland als Gründe für ihren Parteieintritt 2013. 

Wofür steht Spitzenkandidatin Alice Weidel?

Doch wie moderat und liberal ist Alice Weidel? Noch im Jahr 2016 lachte sie bei Markus Lanz fragwürdige Aussagen von Parteikollegen wie Alexander Gauland oder Björn Höcke weg und gab sich besonnen, den Kurs der AfD auf einenliberal-konservativen Weg zu lenken. Inzwischen ist aus ihrem „liberal“ ein „freiheitlich“ geworden, erst kürzlich distanzierte sich Weidel von ersterem Begriff. Auf einer Pressekonferenz am 23. April sagte sie hierzu: „Ich finde, der Begriff der Liberalität, das Liberalsein, ist absolut ad absurdum geführt worden von der FDP, die diesen Begriff komplett verbogen hat. Ich würde eher sagen: freiheitlich ja, ich stehe für den freiheitlich-konservativen Arm der Partei.“

Gleichzeitig wirkt - zumindest öffentlich - ihre Beziehung zu Spitzenkandidat Alexander Gauland äußerst verträglich. In ihrer Dankesrede auf dem Parteitag in Köln gab sie sich gleichzeitig einer Rhetorik hin, die auch vonseiten des rechtskonservativen Parteiflügels starken Applaus erntete. Thematisch griff sie deutlich die Stimmung ihrer Parteikollegen auf und sagte – offensichtlich in Anspielung auf den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im vergangen Dezember: „Ich möchte mit meiner Familie Weihnachtsmärkte in friedlicher Atmosphäre genießen. Doch leider ist dieser Wunsch nur noch ein Bild der Erinnerung geworden. (…)“

Spitzenkandidatin der AfD: Alice Weidel 

  • Alice Weidel ist 38 Jahre alt, geboren am 6. Februar 1979 in Gütersloh.
  • Sie wohnt am Bodensee, ihren Zweitwohnsitz hat sie in der Schweiz zusammen mit ihrer Lebenspartnerin und zwei gemeinsamen Kindern.
  • Weidel ist promovierte Ökonomin, sie studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth.
  • Sie arbeitete unter anderem bei Goldman Sachs Allianz Global Investors Europe, lebte sechs Jahre lang in China.
  • Im letzten Jahr kandidierte sie als Kandidatin der AfD im Wahlkreis Bodensee, dies jedoch erfolglos.

Spitzenkandidat Alexander Gauland: Streitigkeiten innerhalb der AfD beendet

Während die Rede von Alice Weidel auf dem Kölner Parteitag Details und angestrebte Themen des Wahlkampfes aufnahm, hielt sich Spitzenkandidat Gauland in vergleichsweise kurz. Zuerst erntete er jedoch eine Welle von Applaus, als er betonte, die AfD würde Parteichefin Frauke Petry – die am Tag zuvor während des Parteitages in Tränen ausgebrochen war - weiterhin brauchen. Nachdem sich das Publikum erhoben und zu lauten „Frauke“-Rufen übergegangen war, betonte Gauland weiter, dass sämtliche Streitigkeiten innerhalb der Partei von nun an beendet seien. Während Alice Weidel an dieser Stelle aufsprang und klatschte, blieb Petry sitzen und schüttelte nur leicht den Kopf. 

Alexander Gauland: Wofür steht der Spitzenkandidat der AfD?

Alexander Gauland ist Vizechef der AfD und nun Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017. Im Jahr 2013 wurde Gauland zu einem der Gründungsmitglieder der AfD - zuvor war er Parteimitglied der CDU. Hier wurde sein Name unter anderem auch aus der „Affäre Gauland“ bekannt, nachzulesen in einem Artikel der ZEIT von 1992: Der damalige hessische Staatssekretär Gauland wurde hier „wegen Verdachts der Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung“ angeklagt, das Verfahren wurde 1992 jedoch eingestellt. 

Neben seiner politischen Karriere war Gauland bis 2006 Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“. Zuvor war ihm die Flucht aus der DDR gelungen, woraufhin er in Marburg Geschichte, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaften studierte. 

Seit Oktober 2014 ist Gauland nun Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg und genau wie Alice WeidelMitglied des Bundesvorstands. Im Gegensatz zu Weidel fiel Gauland bereits über AfD-Grenzen hinweg mit umstrittenen Äußerungen in der Öffentlichkeit auf. Mit seinem Zitat, bezogen auf den deutschen Nationalspieler Jérôme Boateng, erntete er im letzten Jahr beispielsweise viel Kritik aus der Bevölkerung. Auch Aussagen Gaulands zur Flüchtlingspolitik gelten in der Öffentlichkeit als umstritten. Im Ausschlussverfahren um Björn Höcke stand Gauland stets auf der Seite seines Parteikollegen, der aufgrund von Äußerungen hinsichtlich des Holocaust-Mahnmals stark kritisiert worden war.

Spitzenkandidat der AfD: Alexander Gauland

  • Alexander Gauland ist am 20. Februar 1941 in Chemnitz geboren.
  • Er flüchtete aus der DDR nach Westdeutschland und studierte in Marburg Geschichte, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft, promovierte an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät.
  • Von1973 bis 2013 Mitglied der CDU, 2013 wurde Gauland zum Gründungsmitglied der AfD.
  • Er lebt von seiner Frau getrennt, beide haben eine gemeinsame Tochter.
  • Gauland istFraktionsvorsitzender der AfD in Brandenburg, möchte dieses Amt jedoch möglicherweise für die Bundestagswahl aufgeben.

Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland: Ein Symbol der Einigkeit?

Wie das Spitzenduo der AfD auf die Öffentlichkeit wirkt, scheint inzwischen klar: Alexander Gauland nimmt vor allem die konservativen, rechtsgewandten AfD-Wähler mit, während Alice Weidel eine junge Offenheit und Toleranz der Partei vertritt. Gleichzeitig ist die Wahl der Spitzenkandidaten mit Sicherheit eine, die die beiden Flügel der Partei vereinen und für Einigkeit im Wahlkampf stehen soll. 

Für die Ergebnisse der Bundestagswahl setzen die Kandidaten ihre Ziele hoch: Gauland sprach mehrmals von einer zweistelligen Prozentzahl und auch Alice Weidel prognostizierte 15 Prozent für die AfD. Inwiefern die AfD diese Werte erreicht, wird sich nach der Wahl am 24. September zeigen. Über aktuelle Umfragen der AfD und Prognosen zur Bundestagswahl halten wir Sie auf dem Laufenden.

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser