Ausblick bis ins Jahr 2036

Altersarmut trifft besonders alleinstehende Frauen

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Als Ursache für die wachsende Altersarmut werden zwei Gründe gesehen: Die Zunahme von Unterbrechungen im Arbeitsleben und unsichere Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor. Foto: Stefan Sauer

Das Thema Rente und Altersarmut wird ein Mega-Thema im Bundestagswahlkampf. Dass die Zahl der Betroffenen zum Teil dramatisch ansteigt, zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Sie fordert mehr Engagement für die Risikogruppen.

Gütersloh (dpa) - Jeder fünfte Neurentner wird 2036 von Altersarmut bedroht sein. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Bertelsmann-Stiftung vorgestellt hat. Insgesamt steigt die Armutsrisikoquote in der Altersgruppe der dann 67-Jährigen in den kommenden Jahren von heute 16 auf 20 Prozent an.

Besonders betroffen sind davon alleinstehende Frauen, Menschen ohne Berufsausbildung und Langzeitarbeitslose. Laut Simulationsberechnungen wird besonders der Anteil der Frauen dramatisch ansteigen, die von staatlichen Leistungen abhängig werden, weil ihr Einkommen nicht fürs Leben reicht. Laut Studie steigt ihr Anteil von heute 16,2 auf 27,8 Prozent im Jahr 2036 an.

Für die Studie haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Simulationsberechnungen gemacht. Basis sind Haushaltsdaten, mit denen die zukünftigen Alterseinkommen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge prognostiziert werden. Rentner gelten heute als armutsgefährdet, wenn ihr Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt.

Als Ursache für die wachsende Altersarmut sehen die Studien-Autoren zwei Gründe: Die Zunahme von Unterbrechungen im Arbeitsleben und unsichere Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor. Zum anderen sinkt das Rentenniveau durch die demografische Entwicklung und rentenrechtliche Veränderungen kontinuierlich. Nach Auffassung der Stiftung entfalten die zum Ausgleich geschaffenen Instrumente der privaten Altersvorsorge aber nicht die gewünschte Wirkung.

"Wir brauchen weitere Reformen für den Ruhestand: Wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht, könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Um das Alterssicherungssystem zukunftsfest zu gestalten, müssen wir es heute an die veränderten Rahmenbedingungen der Arbeitswelt anpassen", so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Die Ergebnisse der Studien decken sich in vielen Teilen mit dem Altersicherungsbericht, den die Bundesregierung 2016 veröffentlichte. Darin fordert die Politik die Menschen auf, mehr privat für das Alter vorzusorgen. Nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung aber reicht das bei weitem nicht aus. Christof Schiller, Autor der Studie, fordert eine bessere Integration der Risikogruppen in den Arbeitsmarkt.

"Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung macht erneut deutlich, wie groß der Handlungsbedarf beim Thema Altersarmut ist. Diese Tatsache kann auch die CDU nicht länger ignorieren", sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Die Studie bestätige wieder einmal, dass die Abschaffung der Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Altersarmut ist, sagte Mascher in einer Stellungnahme. "Die Abschaffung der Abschläge muss nun endlich in der nächsten Legislaturperiode auf die Tagesordnung."

"Die Zahlen zeigen, die Bundeskanzlerin irrt, wenn sie meint, man müsse bis 2030 nichts tun und könne notwendige Entscheidungen mit einer Rentenkommission auf die lange Bank schieben", sagte Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB).

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, warnt vor einer "Lawine der Altersarmut", die auf Deutschland zurolle. "Der Paritätische warnt seit Jahren vor dieser Entwicklung und sieht sich nun durch die Berechnungen des DIW in trauriger Weise bestätigt", sagte Schneider in einer Stellungnahme. Neben einer Rentenreform sei auch eine Reform der Altersgrundsicherung nötig. Schneider fordert, den Regelsatz für alte Menschen von aktuell 409 auf 570 Euro anzuheben.

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