Seehofer und Reiter 

Am Rande der Siko: Große Dinner mit kleinen Problemen

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Der Blick auf die lange Ehrentafel im Kaisersaal der Residenz: In der Mitte links ist der Platz des Gastgebers, Ministerpräsident Seehofer. 

Es gibt ein paar Stunden jenseits der Politik. An den Abenden der Sicherheitskonferenz wird zu großen Empfängen und Abendessen geladen. Für die bayerischen Ausrichter Seehofer und Reiter lief es diesmal nicht glatt.

Für einen Gastgeber ist so was der Albtraum. Der Teppich vor der Türe ist gesaugt, der Esstisch ist auf die maximale Länge ausgezogen, die Kerzen sind entzündet, das polierte Silberbesteck liegt neben den gefalteten Servietten bereit, der Silvaner ist kalt – und dann sagt der Hauptgast ab. Erkältet, ’tschuldigung. Es braucht dann ein gutes Maß an Fassung und Selbstdisziplin, um den Abend zu retten.

Horst Seehofer weiß jetzt, wie das ist. Kurz vor dem Start des Siko-Dinners – das große Abendevent der Sicherheitskonferenz – hat ihm am Samstag der Bundespräsident abgesagt. Joachim Gauck, der in der Münchner Residenz den Ewald-von-Kleist-Preis entgegennehmen und die Festrede halten sollte, ist hartnäckig erkältet und blieb kurzfristig in Berlin. Für das Dinner im Kaisersaal, Münchens nobelstem Raum, ein herber Verlust – für den Abend aber nicht das Ende.

Ilse Aigner zwischen zwei wichtigen US-Diplomaten: Jennifer Gavito und Conrad Tribble. 

Viele der anderen Gäste waren ja da: Zahlreiche Außen- und Verteidigungsminister aus aller Welt, protokollarisch an der Spitze die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic. Sie machte mit Seehofer aus, dass er heuer mit einer Bayern-Delegation ihr Land besuchen soll. Auf der Gästeliste natürlich vor allem Politiker, ehemalige (Edmund Stoiber, Günther Beckstein, der locker auftretende Ex-Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen), gegenwärtige (Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer, die Bayern-Minister Ilse Aigner, Joachim Herrmann, Winfried Bausback, Oppositions-Fraktionschefs Markus Rinderspacher und Katharina Schulze). Und aufstrebende, zum Beispiel CDU-Staatssekretär Jens Spahn – auffällig, wie viele CSUler seine Nähe suchten. Er gilt ja mal als Hoffnungsträger in einer Zeit nach Merkel. Ach ja, Angela Merkel: Sie blieb dem Dinner fern, weil sie am Samstag wieder nach Berlin flog. Freitagabend soll sie allerdings im Münchner Spatenhaus gesehen worden sein.

Seesaibling vom Tegernsee: Ein Blick auf das Menü in der Residenz. 

Nun, eine Preisverleihung ohne Preisträger ist eine etwas traurige Sache. In der Residenz entschied man sich, einen Beamten den Preis entgegennehmen zu lassen. Die Festrede verlas ein Staatssekretär, nicht ganz so mitreißend. Konferenz-Organisator Wolfgang Ischinger hatte den Bundespräsidenten zuvor als „Champion der Freiheit und einer liberalen Weltordnung“ gelobt. Ischinger dankte, etwas verklausuliert, auch den Bürgern der Stadt: „Wir wissen, dass es Münchner gibt, die grummeln, weil sie in ihren Einkaufsmöglichkeiten beeinträchtigt werden.“ Gut, das dürfte die Vorbehalte gegen die Siko nicht voll umfänglich umfassen. Ischinger betonte aber auch unter Beifall, es sei wichtig, dass so eine Konferenz in der Stadt laufe und „nicht irgendwo auf dem Feld draußen“. Seehofer betonte, es sei die Siko mit den meisten hochrangigen Gästen aller Zeiten gewesen. „Noch nie waren die direkten Gespräche so nötig wie heute.“

Der Abend ohne Hauptgast lief somit recht ruhig, ohne größere Emotionen. Bei Seesaibling aus dem Tegernsee an Tatar von rotem Aloisius-Apfel sowie Tafelspitz mit Rieslingschaum unterhielten sich die Gäste an der mindestens 50 Meter langen Ehrentafel teils etwas stockend, an den runden Tischen lebhaft.

Einen nicht einfachen Abend hatte zuvor auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD. Er lädt die Staatsgäste im Bayerischen Hof stets zu einem Empfang. Seine einleitende Rede am Ende des Diskussionspanels wurde von den Teilnehmern aber schlicht ignoriert. Sie plauderten weiter, wandten sich ab. Reiter, der die Gäste freundlich in München willkommen heißen wollte, beendete seinen Auftritt nach wenigen Sätzen. „I wish you good speeches“, sagte er noch, was wohl heißen sollte: Ich wünsche Ihnen gute Gespräche.

Die Unhöflichkeit der Gäste ist Reiter nicht gewohnt. Für die erste Siko-Rede 2015 hatte er freundlich Beifall bekommen, als er lobend über neue Konferenzinhalte wie Klimaschutz und Flüchtlinge gesprochen hatte. Sein Vorgänger wurde auf der Siko auch mal brüskiert: Christian Udes Rede 2011 ging in Tellergeklapper unter. Bei Ude hatte das Gründe: Er hatte sich zuvor mit deutlicher Kritik an der Siko zu Wort gemeldet.

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