„Was zur Hölle...“

Scheuer macht neuen Vorschlag für Paket-Zustellung: Dafür hagelt es Kritik - „Was für eine Schnapsidee“

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Verkehrsminister Andreas Scheuer sorgte mit seinem jüngsten Vorschlag für Wirbel bei Twitter.

Andreas Scheuer schlägt vor, Pakete künftig nachts mit der U-Bahn zustellen zu lassen. Bei Twitter erntete er dafür Spott und Kritik. 

  • Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will Pakete künftig nachts per U-Bahn zustellen lassen. 
  • So möchte er versuchen, den oberirdischen Verkehr zu reduzieren.
  • Auf Twitter wurde Scheuer für diesen Vorschlag zum Gespött - doch ein Verband unterstützt den Vorschlag.

Berlin - Pakete nachts mit der U-Bahn ausfahren lassen? Diesen Vorschlag machte Andreas Scheuer am Freitag. Angesichts des zunehmenden Lieferverkehrs in Städten will der Bundesverkehrsminister diese Möglichkeit testen lassen. „Ich wäre dazu bereit, ein Pilotprojekt mit einer Stadt zu machen, wo wir eine U-Bahn umbauen und eine spezielle Paket-U-Bahn daraus machen“, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft. Auf Twitter wurde sein Vorstoß jedoch unmittelbar darauf in der Luft zerrissen.

Scheuer will Paketzustellung per U-Bahn - und hat bereits Details geplant

Dabei hatte Scheuer seine Überlegungen schon sehr detailliert durchdacht: Die Paketzusteller-Bahn könne nachts von 2 Uhr an fahren und Pakete sowie Päckchen zu Zwischenlagern - sogenannten Mikro-Hubs - an Haltestellen in einzelnen Stadtteilen transportieren. „Wir installieren Mikro-Hubs, von dort aus können die Lieferanten die Waren mit einem Elektro-Lastenfahrrad weitertransportieren“, sagte Scheuer. Er erhofft sich davon, dass der Lieferverkehr, der oft für zusätzliche Staus sorgt, um bis zu 20 Prozent reduziert werden könnte. „Wir sollten bereit sein, neu zu denken und nicht immer das Aber zu sehen. Es geht darum, dass wir oberirdisch Verkehr reduzieren“, sagte Scheuer. 


Die Bereitschaft der Bundesbürger, neu zu denken, hat Scheuer aber wohl überschätzt. Sie ist einigen Twitter-Posts nach zu urteilen in etwa genauso hoch, wie Scheuers eigene Bereitschaft, beim Tempolimit umzudenken. Dementsprechend erntete Scheuer für seinen U-Bahn-Vorschlag Spott und Häme„Was für eine Schnapsidee“, schrieb eine Userin. Ein anderer Nutzer wählte noch drastischere Worte: „Was zur Hölle nimmt der eigentlich? Das ist ja wirklich besorgniserregend“, heißt es in seinem Posting. Dann fordert er, Scheuer aus dem Verkehr zu ziehen. Eine andere Idee hat der Twitter-Nutzer mit dem Pseudonym C. Storch: „Nehmt ihm den Stift weg!“, fordert dieser. 

Scheuers U-Bahn-Vorschlag stößt bei Twitter auf Kritik - „Sinnfreie Idee“

Ein Twitter-Post zu Scheuers U-Bahn-Vorschlag enthielt tatsächlich auch fundierte Kritik. „Eine sinnfreie Idee, da es lediglich einige wenige Städte betrifft und das zusätzliche Verfrachten an und unter die Oberfläche arbeits- und kostenintensiv ist“, schreibt der Twitter-Nutzer. Eine Spitze gegen den Bundesverkehrsminister kann sich aber auch er nicht ganz verkneifen. „#Scheuer halt“, fügt er hinzu. 

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zeigte sich im Gegensatz dazu offen für den Vorschlag. Die Branche stehe für Diskussionen bereit, hieß es. „Erklärtes Ziel der Branche und auch der Politik ist es, die Klimaschutzziele im Verkehrssektor möglichst schnell zu erreichen“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff der Deutschen Presse-Agentur. Dazu sei eine V erlagerung von Verkehren, sowohl für Personen als auch Güter, auf die umweltfreundlichen Verkehrsmittel zwingend nötig. „Um dies zu erreichen, sollte man auch auf den ersten Blick ungewöhnliche Ideen durchaus diskutieren und abwägen.“

Scheuers U-Bahn-Vorstoß hat einen Unterstützer - der aber noch Fragen klären will

Allerdings betonte Wolff auch, dass mehrere Fragen geklärt werden müssten. So dürften beispielsweise die normalen Abläufe nicht gestört werden. „Nachts beziehungsweise nach Betriebsschluss werden in den U-Bahnsystemen notwendige Reparaturen und Instandhaltungen durchgeführt, die man während der normalen Betriebszeit nicht umsetzen kann“, sagte er. Nötig sei auch mehr Personal. Ob sich Scheuers Vorschlag wirklich durchsetzen wird? Das ist wohl zumindest fragwürdig. 

Übrigens: Nicht nur Scheuers U-Bahn-Vorschlag sorgt für Wirbel, auch in puncto Pkw-Maut wurde der Bundesverkehrsminister hart kritisiert. 

cia, dpa

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