Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin

Das wissen wir über den verdächtigen Tunesier

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Nach Anis A. wird mittlerweile öffentlich gefahndet.

Berlin - Ermittler sind bundesweit auf der Suche nach einem Verdächtigen, der auf einem Berliner Weihnachtsmarkt mit einem Lkw mindestens zwölf Menschen getötet haben soll. Er gilt als Gefährder und soll aus Tunesien stammen.

Update vom 7. April 2017: In Stockholm ist ebenfalls ein Lkw in eine Menschenmenge gerast. Noch weiß man nicht, wer hinter der Tat steckt.

Nach dem Terroranschlag in Berlin fahndet die Polizei bundes- und europaweit nach einem Verdächtigen, der als islamistischer Gefährder bekannt ist. Den Behörden ist der möglicherweise bewaffnete Mann als abgelehnter, aber geduldeter Asylbewerber Anis A. aus Tunesien bekannt, wie es am Mittwoch in Sicherheitskreisen hieß. Er nutzte aber mehrere Identitäten.

Nach Medienberichten wurden Duldungspapiere im dem Laster gefunden, der am Montagabend auf den zentralen Weihnachtsmarkt im Westteil der Stadt gerast war. Bei der Tat waren zwölf Menschen ums Leben gekommen und rund 50 teils lebensbedrohlich verletzt worden. Ein zunächst festgenommener Pakistaner wurde wieder freigelassen.

Tunesier konnte nicht abgeschoben werden - Papiere fehlten

Die Dokumente des nun Verdächtigten sollen im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen ausgestellt worden sein. Laut „Spiegel Online“ war er in einer Asylunterkunft in Emmerich gemeldet, laut „Süddeutscher Zeitung“ („SZ“), NDR und WDR aber seit Dezember abgetaucht. Nach dpa-Informationen hat er sich wechselweise in Nordrhein-Westfalen und Berlin aufgehalten. Sicherheitskreise gingen am Mittwochnachmittag von „unmittelbar bevorstehenden Maßnahmen“ der Behörden in Nordrhein-Westfalen aus.

Der Tatverdächtige im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin wurde im Juni 2016 als Asylbewerber abgelehnt. Der Mann habe aber nicht abgeschoben werden können, weil er keine gültigen Ausweispapiere bei sich hatte, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Tunesien habe bestritten, dass es sich bei dem Mann um einen Tunesier handele. Die nötigen Unterlagen wurden laut Jäger ausgerechnet am Mittwoch von den tunesischen Behörden zugestellt - zwei Tage nach dem Anschlag.

„Die Ausländerbehörde in Kleve war mit dem Abschiebeprozess schon so weit, dass sie ihn weiter fortgeführt hat“, so Jäger. Dabei saß der Tunesier offenbar kurzzeitig im baden-württembergischen Ravensburg in Haft. Eine Person mit dem Namen Anis A. sei am 30. Juli bei einer Routinekontrolle der Polizei in Friedrichshafen aufgegriffen worden, weil sie abgeschoben werden sollte, sagte der Leiter des Amtsgerichts Ravensburg, Matthias Grewe. Es sei allerdings noch nicht hundertprozentig sicher, ob der Mann auch tatsächlich der gesuchte Tunesier sei.

Der Verdächtigte soll in der Islamistenszene vernetzt sein und nach Medienberichten den Sicherheitsbehörden seit Februar bekannt sein. Das Gemeinsame Terrorabwehrzentrum (GTAZ) von Bund und Ländern hat sich im November mit ihm befasst, wie Jäger sagte. Gegen ihn werde nun wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt.

Der verdächtige Tunesier: Anis A., Ahmad Z. oder Mohamed H.?

Der Mann habe Kontakte zum Netzwerk des kürzlich verhafteten Salafisten-Predigers Abu Walaa unterhalten und sei von der Polizei abgehört worden, berichteten „SZ“, NDR und WDR. Er wohnte offenbar zeitweise bei dem Dortmunder Boban S., der im November gemeinsam mit Abu Walaa festgenommen wurde. „Es bestand die Sorge, dass der Verdächtige eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant hat“, bestätigte NRW- Innenminister Jäger. Die Sicherheitsbehörden hätten ihre Erkenntnisse über ihn im gemeinsamen Terrorabwehrzentrum ausgetauscht, zuletzt im November.

Dem Geburtsdatum zufolge, ist er 24 Jahre alt. Er sei der Polizei wegen Körperverletzung bekannt, schreibt „Bild.de“.

„Spiegel Online“ berichtete, in Berlin sei er als Ahmad Z. oder Mohamed H. aus Ägypten erfasst gewesen. Er habe teils auch angegeben, aus dem Libanon zu stammen. Am 30. Juli soll er mit Beschluss des Amtsgerichts Ravensburg in Abschiebehaft genommen worden sein. Unklar ist, wie ihn die Sicherheitsbehörden aus dem Blick verloren haben.

Anschlag in Berlin: Waffe noch nicht gefunden

Zum Tathergang gibt es nach wie vor viele offene Fragen. Der polnische Lkw-Fahrer, der auf dem Beifahrersitz saß, hat laut „Bild“-Zeitung bis zum Attentat noch gelebt. Das habe die Obduktion ergeben, berichtete die Zeitung. Ein Ermittler habe von einem Kampf gesprochen. Nach dem Anschlag wurde der Pole tot im Lkw gefunden. Nach dpa-Informationen wurde er mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen, von der bislang jede Spur fehlt.

Unklar war zudem, ob die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag steht. Sie hatte den Angriff für sich reklamiert. Der IS hatte sich in der Vergangenheit immer wieder über sein Sprachrohr Amak zu Anschlägen in unterschiedlichen Ländern bekannt. Täterwissen gab der IS - wie schon in früheren Fällen - nicht bekannt.

Krankenhäuser werden durchkämmt

Innenminister Thomas de Maizière erklärt: „Dieser Verdächtige ist seit Mitternacht zu einer Fahndung ausgeschrieben und das in Deutschland und im Schengensystem. Das heißt also auch in Europa.“ Weil der Gesuchte bei seiner Wahnsinns-Fahrt selber verletzt wurde, durchkämmt die Berliner Polizei die Krankenhäuser der Stadt und im umliegenden Brandenburg. Noch ohne Erfolg.

dpa, afp, tz

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