Botschaft wusste von Plänen

Anschlag in Kabul: Warnung rettete wohl viele Deutsche

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Der Bombenkrater nach dem Anschlag in Kabul - im Hintergrund die zerstörte deutsche Botschaft.

Für die Außenwelt kam der verheerende Bombenanschlag auf die deutsche Botschaft in Kabul ohne Vorwarnung, mindestens 150 Menschen starben vor der Vertretung. Die Botschaft aber wusste mehr.

Kabul - Die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul war schon Monate vor dem verheerenden Bombenanschlag vom 31. Mai gewarnt und hatte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Das bestätigte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Thomas Schäfer, am Freitag. Vor der Vertretung waren damals bei der Detonation von zehn Tonnen Sprengstoff mehr als 150 Menschen getötet und 450 verletzt worden. Deutsche Opfer gab es jedoch trotz großer Zerstörungen an dem Botschaftsgebäude nicht.

Die Warnungen seien „aus nachrichtendienstlichen Quellen“ gekommen, sagte Schäfer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur weiter. Dementsprechend sei das Kanzleigebäude der Botschaft schon im Frühjahr geräumt worden. Genau dieser Teil der Botschaft war bei der Explosion des in einem Tanklaster versteckten Sprengstoffs völlig verwüstet worden. Womöglich seien durch die Räumung mehrere Dutzend Leben gerettet worden, sagte Schäfer. Zuerst hatte rbb-Inforadio von den Warnungen berichtet.

Hinweis auf Anschlag fünf Monate vor der Tat

Demnach hatte der deutsche Militärgeheimdienst MAD (Militärischer Abschirmdienst) bereits am 18. Januar, also gut fünf Monate vor dem Anschlag, von einer Quelle einen Hinweis auf den Anschlagsplan erhalten. Schon zu diesem Zeitpunkt sei die Rede davon gewesen, dass ein Anschlag auf die deutsche Botschaft mit einem Tanklastwagen zur Abwasser-Entsorgung geplant sei. In den darauffolgenden Wochen gab es insgesamt drei weitere Warnhinweise, zwei davon von ausländischen Nachrichtendiensten, berichtete der rbb. Der BND habe schließlich sechs Tage vor dem Anschlag, am 25. Mai, erneut vor einem geplanten Anschlag auf die Botschaft gewarnt.

Am 31. Mai schließlich habe der Fahrer eines Lastwagens zur Abwasser-Entsorgung versucht, auf das Botschaftsgelände zu gelangen. Der Anschlag war offenbar gezielt auf die Deutschen gerichtet: Der Fahrer des Abwasser-Tankers habe gefälschte Papiere dabei gehabt, die auf die Deutsche Botschaft ausgestellt gewesen seien, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Wachdienst ließ Laster nicht aufs Botschaftsgelände

Der afghanische Wachdienst am Checkpoint vor dem Botschaftsgelände habe ihn jedoch nicht durchgelassen und nach Rücksprache mit dem Hausmeister der Botschaft die Weiterfahrt auf das Gelände verweigert, da in der Botschaft keine Bestellung vorlag. Darüber hinaus sei der Fahrer nicht bekannt gewesen, berichtete der rbb. Daraufhin zündete der Fahrer den gewaltigen Sprengsatz im Tank des Lastwagen vor dem Botschaftsgelände.

Die Sprengladung war nach diesen Informationen auch deutlich größer als bisher angenommen: Nicht 1000 Kilogramm, wie bisher bekannt, sondern 10.000 Kilogramm Sprengstoff sollen sich in dem Tanklaster befunden haben.

dpa

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