TV-Talk “Hart aber fair“

Kapituliert der Staat vor Einbrechern? SPD-Politiker irritiert Plasberg

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Karl Lauterbach (3.v.r.) sorgte mit seinem Vorschlag für Irritationen - nicht nur bei Moderator Plasberg (r.)

Im ARD-Talk „Hart aber fair“ sorgte der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach mit einem kuriosen Vorschlag für Aufsehen in einer ansonsten vorhersehbaren Runde. 

Moderator Frank Plasberg war sichtlich irritiert von den Aussagen Karl Lauterbachs. Beim Thema Innere Sicherheit horchten die Zuschauer und Talkgäste zum ersten Mal ernsthaft auf.

In der Talksendung, die – mal wieder – von parteipolitischen Wahlkampfsprech dominiert wurde, geriet der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende plötzlich in Erklärungsnot. Für seine Vorschläge, jeder Bürger solle selbst für Sicherheit sorgen und sich gegen Einbrecher wappnen, erntete der 54-Jährige Kopfschütteln in der Runde und im Publikum. Doch von vorne.

Hart aber fair am Montag - allseits bekannte Themen

Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, eine Blaupause für die Bundestagswahl im September? Diesen Eindruck erweckte die Sendungsgestaltung im ARD-Talk „Hart aber fair“ am Montagabend. Denn sollte nach Torsten Albig in Schleswig-Holstein auch Hannelore Kraft als nächste SPD-Landesvorsteherin abgewählt werden, wäre der Hype um die SPD nach der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidaten wohl endgültig zum Stehen gebracht. Moderator Frank Plasberg wollte mit seinen Gästen diskutieren: Was liefern die Parteien bei Integration, Sicherheit, Gerechtigkeit?

Dass die Sendung von Beginn an wenig mit der bevorstehenden Wahl im bevölkerungsreichsten Bundesland, sondern mit der bundesdeutschen Parteipolitik zu tun hatte, lag sicher einerseits am Aufbau des Formats als „Check“ der NRW-Parteien und andererseits an der Auswahl der Teilnehmer. Keiner der sechs Gäste sitzt aktuell im Landesparlament Nordrhein-Westfalens. In Blöcken wurden bereits bekannte Themen wie Leitkultur, Integration, Doppelte Staatsbürgerschaft oder Innere Sicherheit ausdiskutiert. So wie in zahllosen Talkformaten zuvor auch schon. Bis zum Auftritt von Karl Lauterbach.

„Für 400 bis 800 Euro kann ich eine Wohnung sehr sicher machen“

„Ist das tatsächlich Ihr Ernst? Habe ich sie richtig verstanden, dass sie sagen, wir wollen kapitulieren? Wollen Sie damit zitiert werden?“, fragte Plasberg nochmals deutlich nach. Kann der Staat keinen Schutz vor Einbrechern mehr leisten, soll man den Kampf völlig aufgeben? Der promovierte Mediziner sinnierte zuvor über das Thema Schutz vor Einbrechern und schlug vor, jeder solle sich selber schützen, indem er „nachrüstet“.

„Für 400 bis 800 Euro kann ich eine Wohnung sehr sicher machen, für 2000 Euro ein ganzes Haus. Beim Einbruch ist die Vorbeugung das Entscheidende“, sagte Lauterbach und brachte ein Argument vom Fach: „Es gibt schwere Erkrankungen, die kann ich schlechter heilen, als ich ihnen vorbeugen kann! Und beim Einbruch ist es genau das gleiche.“

„Zynisch“, warf die Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht dazwischen, sodass Lauterbach sofort nachschob, dass dafür natürlich eine Finanzhilfe des Staates nötig sei. Der 54-Jährige garnierte seine Aussagen gewohnt mit zahlreichen Statistiken und Zahlen. Als Bundesgesundheitsminister Helmut Gröhe anschließend darauf verwies, in NRW, Lauterbachs Herkunftsland, gebe es fünfmal mehr Einbrüche als in Bayern, wiegelte der SPD-Mann sofort ab und verwies auch auf den „Standortnachteil“ von NRW. Zu nah an der holländischen Grenze liege das Bundesland.

Dass die Sendung nach dem kleinen Aufreger weiter ziemlich unaufgeregt gen Ende zusteuerte, überraschte niemanden, der schon die ersten 40 Minuten verfolgt hatte. Nicht einmal der für AfD-Auftritte in Talkshows ziemlich unauffällige Andreas Renner, seines Zeichens Sprecher der AfD in NRW, wusste für außergewöhnlichen Diskussionsstoff zu sorgen.

tlo

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