Schüsse beim Baseball-Training

Attentat auf Kongressmitglieder erschüttert Washington

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Polizei am Tatort: Beamte konnten wohl ein Massaker verhindern.

Morgendlicher Anschlag bei Baseball-Training - Trumps "Einpeitscher" Steve Scalise verwundet - Politisch motivierter Täter wollte offenbar ein Massaker.

Washington - "Der Täter wollte ein Massaker anrichten." Minuten nach dem Attentat auf mehrere US-Kongressmitglieder bei einem frühmorgendlichen Baseball-Training im Bundestaat Virginia zeigte sich gestern der Republikaner und Ex-Präsidentschaftskandidat Rand Paul im Sender CNN tief geschockt. Nur knapp hatten die Kugeln des vermutlich allein handelnden Täters den Abgeordneten gegen sieben Uhr auf dem Sportfeld der Stadt Alexandria verfehlt. Andere waren nicht so glücklich. 

Der Parlamentarier Steve Scalise (51) aus Louisiana, vom Rang her dritthöchster Republikaner im Repräsentantenhaus und als "Einpeitscher" ("whip") der Präsidenten-Mehrheit tätig, wurde ebenso verletzt wie zwei Polizisten aus dem Bewacherkommando und ein in die Brust getroffener Kongress-Mitarbeiter. Leibwächter von Scalise, der rund um die Uhr Personenschutz hat, erwiderten ebenso wie eintreffende örtliche Polizisten das Feuer auf den 66 jährigen James Hodgkinson aus Illinois, der lebensgefährlich verletzt wurde und später in einer Klinik starb. Die Tatwaffe war Berichten zufolge ein leicht erhältliches Schnellfeuer-Gewehr des Typs AR-15, das der Täter sogar nachladen konnte. Der Schusswechsel soll gut zehn Minuten gedauert haben. Die Behörden sprachen gestern von einer "bewußten und geplanten Attacke" eines Einzeltäters.

"Er hatte jede Menge Munition und schoß mehr als 50mal," berichtete der Parlamentarier Mo Brooks, der den Anschlag unverletzt überstand und bei einem Verletzten das Bein mit seinem Gürtel abband. Ohne das sofortige Eingreifen der Bodyguards, die nur aufgrund der Anwesenheit von Scalise vor Ort waren, hätte es wohl zahlreiche Todesopfer unter den zwei Dutzend Volksvertretern gegeben, so Brooks. Ein weiterer Parlamentarier, der Abgeordnete Ron DeSantis, berichtete nach dem Schusswechsel: Der Täter habe ihn, während das Kongressmitglied noch im Auto saß, bei der Ankunft gefragt: "Republikaner oder Demokrat?" Im Internet fanden FBI-Ermittler gestern unter anderem vulgäre Anti-Trump-Parolen von Hodgkinson, der zuletzt als selbständiger Haus-Gutachter tätig war, aber letztes Jahr seine Lizenz verloren hatte. Ein Foto auf Facebook zeigt ihn als Unterstützer des Demokraten Bernie Sanders.

Wurde schwer verletzt: der Republikaner Steve Scalise.

Scalises Zustand ist "stabil"

Die Politiker bereiteten sich mit dem Training auf ein traditionelles Baseball-Spiel für karitative Zwecke am heutigen Tag zwischen Republikanern und Demokraten vor, das gewöhnlich bis zu 15 000 Zuschauer anzieht. Über den Zustand von Steve Scalise, der in die Hüfte getroffen worden war, sowie der anderen Verletzten wurde zunächst stundenlang nichts bekannt. Dann hieß es, Scalises Zustand sei "stabil". Er habe sogar mit seiner Frau vor der Operation telefonieren können. Auch der Präsident, der gestern seinen 71. Geburtstag feierte, bestätigte dies in einem Tweet: Scalise sei ein "echter Freund" und schlimm verwundet, werde sich aber vollständig erholen. Später trat Trump mit einer persönlichen Stellungnahme vor die Kameras: "Melania und ich beten für eine schnelle Erholung aller Verletzten." Dies sei ein "sehr sehr brutaler Anschlag" gewesen. Er habe auch mit der Ehefrau von Scalise telefoniert. 

Augenzeugen zufolge hatte sich Scalise schreiend und eine Blutspur hinterlassend über den Sportplatz geschleppt, bevor ihm erste Hilfe geleistet wurde. Die örtliche Polizei war schnell am Ort des Geschehens und erwiderte ebenfalls das Feuer. Die für das Kapitol zuständigen Sicherheitskräfte erhöhten unterdessen ihre Alarmstufe. Die Demokratin Gabby Giffords äußerte ebenfalls Erschütterung über die Attacke. Die ehemalige Abgeordnete war 2011 bei einem Kampagnenauftritt in Arizona in den Kopf geschossen worden. Sie war das letzte Parlamentsmitglied in den USA, das vor dem gestrigen Vorfall Ziel eines Attentats war, und leidet bis heute an den Folgeschäden.

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