Interview mit US-Professor

Bannon, Syrien und Nordkorea: Trump im Stress-Test

+
Donald Trump hat viel Arbeit vor sich.

München/Washington - Donald Trump hat viel Arbeit. Nicht nur in der Innenpolitik, wo er allerdings mit seinen Gesetzen scheitert. Ein Professor schätzt die Lage ein.

Der Giftgas-Angriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun, die Bedrohung durch nordkoreanische Langstreckenraketen – und dann gibt es offenbar auch noch innerhalb der US-Regierung Querelen, die im Rauswurf des Rechtsradikalen Steve Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat gipfelten. Der einstige Reality-TV-Star Donald Trump trifft auf die dunkle Realität – und durchläuft als US-Präsident derzeit einen Stresstest, wie der US-Politikwissenschaftler Prof. James Davis in der tz erklärt.

Was steckt hinter Bannons Entlassung aus dem Nationalen Sicherheitsrat?

Prof. James Davis, Uni St. Gallen: Es ist ein Zeichen dafür, dass der neue Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster die Kon­trolle über die Prozesse bekommt. Ich glaube aber nicht, dass Bannon abzuschreiben ist: Er ist nach wie vor sehr wichtig für den Präsidenten als jemand, der nah am Puls von Trumps Stammwählern dran ist. In der Außenpolitik hat die Realität aber Trump gezeigt, dass Bannons ideologisierte, isolationistische Außenpolitik nicht funktioniert.

Professor James Davis.

Die Präsidentschaftswahl hat Trump mit dem Credo gewonnen, Amerika solle sich künftig aus internationalen Konflikten raushalten – jetzt spricht Trump von „überschrittenen Linien“ im Syrien-Konflikt. Hat sich Trump da in eine Situation manövriert wie Obama, der einst auch folgenlose „rote Linien“ gezogen hat?

Davis: Trump wird langsam klar, dass sich die USA nicht so einfach aus der Welt zurückziehen können. Gleichzeitig wird er schnell erkennen, dass er zwar leicht rote Linien ziehen kann – entsprechende Reaktionen sind aber dann nicht so einfach.

Wie könnte er denn auf den Giftgasangriff reagieren?

Davis: Wenn Trump wirklich massiver in Syrien eingreifen würde, müsste er eine direkte Konfrontation mit Russland riskieren. Dazu kommt, dass die IS-Kräfte sich mittlerweile in den Städten verschanzt haben, sodass keine Aktion möglich ist, ohne viele Zivilisten zu töten. Es gibt keine Option für Trump, die nicht extrem riskant wäre.

Vor einer Woche gab es ja Signale aus Washington, dass der syrische Präsident Assad im Amt bleiben könne. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dieser grundlegenden Änderung der US-Syrien-Politik und der jetzigen Eskalation mit dem Giftgasangriff?

Davis: Es ist zu vermuten, dass Assad glaubt, er habe nun mehr Spielraum. Allerdings hängt Assads Verhalten viel stärker vom Stand der Beziehungen zu Moskau ab, als von denen zu Washington.

Kann jemand anderes hinter dem Giftgasangriff stecken?

Hätte Assad nicht irrational gehandelt, wenn er ausgerechnet jetzt, da die US-Regierung seine Zukunft garantieren wollte, mit solch einem Giftgasanschlag provoziert? Kann eine andere Kraft hinter diesem Giftgasangriff stecken?

Davis: Selbstverständlich. Das ist ja das Pro­blem, mit dem Trump zu kämpfen hat, wenn er eine Antwort auf diese Gräuel geben will. Es kann sein, dass Kräfte innerhalb des syrischen Sicherheitsapparates dahinterstecken, die nicht mehr unter Assads Kon­trolle stehen. Es kann auch durchaus sein, dass irgendwelche anderen Akteure in diesem komplexen Krieg im Spiel sind. Bis man wirklich harte Fakten hat, ist es schwer, zielgerichtet und vernünftig zu handeln.

Trump reagierte betont emotional auf die Bilder von den „wunderschönen Kindern“, die bei dem Giftgasangriff getötet worden sind. Besteht die Gefahr, dass er aus dieser Emotion heraus militärisch reagieren wird?

Davis: Ich würde diese Gefahr nicht zu hoch hängen. Trump muss seine Generäle nach Optionen fragen – und die werden die Bremse ziehen. Mein Vertrauen in den Apparat und die US-Bürokratie ist hier doch groß.

An die Adresse seines Gasts aus China, Xi Yinping, sagte Trump im Vorfeld des derzeitigen Besuches: „Wenn China das Nordkorea-Problem nicht löst, werden wir es tun.“ Heißt das, dass Trump militärisch gegen die Atommacht Nordkorea vorgehen will?

Davis: Auch hier gilt, dass Trump in Unkenntnis der Komplexität der Situation Drohungen ausstößt. Wenn es so einfach wäre, hätten seine Vorgänger Clinton, Bush und Obama längst gehandelt. Aber in dem Moment, da die USA Nordkorea angreifen würden, würde Pjöngjang Südkorea bombardieren, mit Abertausenden Toten! Trump überschätzt zudem den Einfluss, den China auf Nordkorea hat – der in Malaysia ermordete Halbbruder von Kim Jong Un war ein Schützling Pekings und wurde trotzdem liquidiert.

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser