Aussage am 328. Prozesstag

NSU-Prozess: Beate Zschäpe hat sich zum Fall Peggy geäußert

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Beate Zschäpe am 1. Dezember im Gerichtssaal.

München - Beate Zschäpe sagte am Donnerstag im NSU-Prozess zum Fall Peggy aus. Neue Erkenntnisse konnte sie aber nicht liefern. Wir waren vor Ort.

  • Beate Zschäpe hat am 328. Prozesstag am Donnerstag im NSU-Prozess Fragen zum Fall Peggy und zum psychatrischen Gutachten beantworten.
  • Die damals neun Jahre alte Peggy ist im Mai 2001 verschwunden. 
  • Im Sommer wurden in einem Wald die Knochen eines Kindes sichergestellt. Am Fundort fanden die Beamten DNA-Spuren des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt. Es gibt allerdings Zweifel an einem Zusammenhang.

Zusammenfassung: Zschäpe bringt keine Neuigkeiten im Mordfall Peggy

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, etwas über das getötete Mädchen Peggy aus Oberfranken gewusst zu haben. Das erklärte ihr Anwalt Hermann Borchert am Donnerstag im Namen Zschäpes im Münchner NSU-Prozess.Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl hatte die Hauptangeklagte Ende Oktober gefragt, ob sie etwas über Peggy wisse, das sie nicht aus den Medien habe. Hintergrund war eine DNA-Spur, die eine Verbindung zwischen dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ und dem Fall Peggy möglich erscheinen ließ. Zschäpes knappe schriftliche Antwort, die ihr Anwalt verlas: „Nein.“

Im Mai 2001 war die damals neun Jahre alte Schülerin Peggy verschwunden. Im vergangenen Sommer entdeckte ein Pilzsammler in Thüringen, rund 20 Kilometer von Peggys Heimatort entfernt, Knochen des Kindes. Die Ermittler fanden dort auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt - wobei nach wie vor ungeklärt ist, auf welche Weise die Spur entstanden ist. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei gibt es Anhaltspunkte dafür, dass bei der Spurensicherung identisches Gerät verwendet wurde wie nach dem Tod Böhnhardts 2011. So könnte die Spur verunreinigt worden sein.

Zschäpe will auch nichts gewusst haben von Bildern von Kindern und Jugendlichen auf einem Computer, der im November 2011 im Brandschutt der letzten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau (Sachsen) gefunden wurde. Nach Angaben von Nebenklage-Anwälten sind darunter auch kinderpornografische Bilder. Zschäpe räumte zwar ein, der Computer sei sowohl von ihren Freunden Böhnhardt und Uwe Mundlos als auch von ihr selbst benutzt worden. Dass sich auf einer Festplatte Bilder von Kindern und Jugendlichen befinden, habe sie aber erst jetzt durch die Akteneinsicht erfahren, erklärte sie.

Zugleich versuchte Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt vor Verdächtigungen im Zusammenhang mit den Bildern in Schutz zu nehmen. Mundlos habe den Rechner damals selbst zusammengebaut. Möglicherweise habe es sich um eine gebrauchte Festplatte gehandelt, die Mundlos zuvor gekauft habe, mutmaßte die Hauptangeklagte.

Zschäpe muss sich in München als Mittäterin an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Sie soll das Leben des Trios im Untergrund organisiert und zudem von sämtlichen Verbrechen gewusst haben. Mundlos und Böhnhardt töteten sich den Ermittlungen zufolge im November 2011 nach einem missglückten Banküberfall selbst.

Vor Ort: Die Aussage von Beate Zschäpe im Minutenprotokoll

10.09 Uhr: Der Prozess geht nun wieder seinen gewohnten Gang. Es folgt ein Antrag einer Nebenklägerin.

10.02 Uhr: Fazit: Die mit Spannung erwartete Aussage von Beate Zschäpe bringt keinerlei neue Erkenntnisse. Auch die Prozess-Zuschauer schütteln den Kopf.

10.01 Uhr: Die Stellungnahme zum psychiatrischen Gutachten über Zschäpe stellen die Anwälte zurück, da die Alt-Verteidiger noch ein weiteres Gutachten angekündigt haben.

9.59 Uhr: Sie glaubt, dass sie von einer gebrauchten Festplatte stammen, die Uwe Mundlos gekauft habe.

9.58 Uhr: Erst durch die Akteneinsicht im Prozess habe sie erfahren, dass Bilder von Kinder und Jugendlichen auf dem Computer waren, so Borchert weiter.

9.56 Uhr: Verteidiger Borchert verliest für Beate Zschäpe die Antworten auf Fragen des Senats vom 26. Oktober: Sie habe keine Infos über Fall Peggy Knobloch.

9.50 Uhr: Das Gericht kommt, die Verhandlung beginnt. Zunächst werden Formalitäten abgehandelt.

9.48 Uhr: Beate Zschäpe betritt nun auch den Sitzungssaal. Sie trägt die Haare zusammengebunden, einen grauen Rolli und einen grauen Cardigan. Zschäpe unterhält sich laut unserer Reporterin Nina Gut angeregt mit ihren beiden Wahlverteidigern.

9.38 Uhr: Zschäpes Wahlverteidiger Hermann Borchert betritt den Saal. Üblicherweise kommt sein junger Kollege Mathias Grasel allein. Die Anwälte Heer, Sturm und Stahl sind nun ebenfalls eingetroffen.

9.21 Uhr: Die Aussage von Beate Zschäpe zum Fall Peggy wird ab 9.30 Uhr erwartet. Noch ist keiner der Prozessbeteiligten im Saal. Unsere Reporterin Nina Gut ist für uns vor Ort.

Beate Zschäpe: Antworten wird es wieder schriftlich geben

Der Fall Peggy bleibt mysteriös. Auch wenn im Sommer Knochen der toten Schülerin gefunden worden, blieben viele Fragen offen. Dann tauchte an den Spuren auch noch DNA von NSU-Mitglied Böhnhardt auf. Kann jetzt Beate Zschäpe Licht ins Dunkel bringen?

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe will deswegen am heutigen Donnerstag im NSU-Prozess Fragen des Oberlandesgerichts München zu dem verschwundenen Mädchen Peggy aus Oberfranken beantworten. Die Angeklagte hat zugesagt, ihre Antworten auf die Fragen der Richter schriftlich zu formulieren und von einem ihrer Anwälte verlesen zu lassen. Richter Manfred Götzl hatte Zschäpe Ende Oktober gefragt, ob sie über Informationen zum Fall Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe.

Die damals neun Jahre alte Schülerin war im Mai 2001 verschwunden. Der Fall sorgte seitdem immer wieder für Schlagzeilen. Erst im vergangenen Sommer - also mehr als 15 Jahre später - hatte ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt Knochen des Kindes entdeckt.

Am Fundort hatten Ermittler auch ein Beweisstück sichergestellt, an dem DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt nachgewiesen wurde. Mit ihm und Uwe Mundlos hatte Zschäpe fast 14 Jahre im Untergrund gelebt. Während dieser Zeit sollen Mundlos und Böhnhardt zehn Morde verübt haben, neun davon aus rassistischen Motiven.

Unklar ist, wie die Böhnhardt-Spur zum Fundort in dem Wald gelangte. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei gibt es mögliche Anhaltspunkte dafür, dass bei der Spurensicherung in beiden Fällen identisches Gerät verwendet wurde. So könnte die Spur verunreinigt worden sein. Über eine Laboruntersuchung dazu wollte die Staatsanwaltschaft Bayreuth vergangene Woche keine Auskunft geben. Der Sprecher der Anklagebehörde sagte, eine Erklärung werde es erst dann geben, wenn alles untersucht sei.

pak/dpa

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