Bei „hart aber fair“

Plasberg provoziert Söder - der reagiert forsch

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Plasberg bremste Söder ein - doch der gab sich schlecht im Einstecken.

Berlin - Bei „hart aber fair“ wurde die NRW-Wahl noch einmal aufgearbeitet. Ein Schauspieler hielt ein Plädoyer für die SPD während Markus Söder und Plasberg aneinander gerieten.

Die krachende Wahlniederlage der SPD im sozialdemokratischen Kernland Nordrhein-Westfalen am vergangenen Sonntag war wenig überraschend das Thema im ARD-Talk „hart aber fair“ am Montagabend. „K.o. oder mit letzter Kraft – was bringt die Wahl im Westen?“ war die Grundfrage, mit der sich die Sendung allgemein befasste. Dass die Teilnehmer allein aufgrund ihrer unterschiedlichen Parteizugehörigkeiten im Falle von Thomas Oppermann (SPD) und Markus Söder (CSU) da unterschiedliche Auffassungen hatten, ist keine Überraschung. Dass allerdings letzterer seine Schadenfreude ein wenig zu wenig verbergen konnte und auf die Einbremsung durch Moderator Frank Plasberg verhältnismäßig ungehalten reagierte, schon eher.

Ihnen zur Seite saßen Schauspieler Ulrich Matthes, der sich selbst als überzeugten SPD-Wähler bezeichnete, „wenn auch oft zähneknirschend. Dazu lieferten die Spiegel-Redakteurin Christiane Hoffmann und Hajo Schumacher, seines Zeichens Kolumnist bei der Berliner Morgenpost, immer wieder mal interessante Perspektivwechsel. Und obwohl der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, nicht selber am Tisch saß, drehte sich nach der dritten deutlichen Niederlage der Sozialdemokraten in der dritten Landtagswahl in diesem Jahr dann doch irgendwie alles um ihn.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag Oppermann gab nämlich zu, dass es ein Fehler war, den vermeintlichen Heilsbringer der SPD nicht auch in NRW schon prominenter platziert zu haben und stattdessen der ehemaligen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft den einsamen Kampf überlassen zu haben. Schumacher war da schon einen Schritt weiter als er kritisierte, dass Schulz, der sich selber als überzeugter Pro-Europäer profiliert hat, die Chance auf ein Treffen mit dem frisch gewählten europäischen Hoffnungsträger Emmanuel Macron vorbeiziehen hat lassen.

Plasberg und Söder geraten aneinander

Doch zurück zum bayerischen Finanzminister Markus Söder. Der gab sich nämlich als begeisterter Unterstützer der Politik der Kanzlerin - ganz im Kontrast zu dem, was seine Partei im vergangenen Jahr abgeliefert hatte. Das Thema innere Sicherheit und Verlässlichkeit schrieb der CSU-Kronprinz in Warteschleife Angela Merkel ganz groß auf die Fahne. Und kritisierte das Versagen der Sozialdemokraten in diesem Punkt immer wieder einmal. Schließlich seien ja auch die Übergriffe in der Silvesternacht 2015 in Köln passiert, und nicht etwa in Bayern: „Wenn Sie der Frage nachgehen, wer in diesen unsicheren Zeiten das Zentrum von Stabilität ist - da fällt ihnen nicht Martin Schulz ein."

Doch damit nicht genug der Söderschen Kanten gegen Schulz - und vor allem auch Lobreden auf Merkel. „Sein Grundproblem ist, dass er mit Erwartungen angetreten ist, die er nicht erfüllen kann", legte er nach. 

Irgendwann wurde es dem Moderator zu bunt. Er bremste Söder mit folgenden Worten ein: „Die neusten Erhebungen bei Talkshow-Zuschauern zeigen, wenn einer zu viel an sich reißt, ist das nicht sympathisch", und wies damit auf die Solo-Show des Franken hin. Der lies sich davon ziemlich irritieren und keifte zurück: "Wissen Sie, was die Zuschauer auch schlecht finden? Wenn einer immer entgegnen darf und der andere dann nimmer ausreden darf.“ Söder implizierte damit vermutlich, dass Plasberg den Gästen unterschiedliche Redezeiten zugestehe. Der allerdings war die Ruhe selbst und moderierte Söder ab: „Alles gut, gehen Sie jetzt mal in Vorleistung.“ Was der WDR-Mann damit genau meinte, lies er offen.

Schauspieler Matthes zeigt Schulz, was er besser machen könnte

Zurück zu Martin Schulz, der bei „hart aber fair“ einen überzeugten sozialdemokratischen Wähler bei der Arbeit hätte beobachten können. Denn Ulrich Matthes, dem breiteren Publikum vor allem durch seine Rolle im oscarnominierten „Der Untergang“, aber auch in der Tatort-Folge „Im Schmerz geboren“ bekannt, machte Werbung für die SPD - und gab dem Kanzlerkandidaten ein paar Tipps für die kommenden Monate an die Hand. Den anfänglichen Hype um Schulz nannte er „gut und nützlich“ für die Sozialdemokraten. Die sind für ihn nämlich die dringend notwendige „Partei der Empathie“, die jedem Land gut tue.

Doch eben diese Möglichkeit nutzen die Roten für Matthes noch zu wenig. Er kritisierte, dass die SPD noch immer kein Wahlprogramm veröffentlicht habe und die wenigen Meldungen aus Änderungen im Arbeitslosengeld und das Grundthema „Gerechtigkeit“ zu wenig sei, um die Menschen zu überzeugen. Viele Wähler wünschen sich laut Matthes eine „leidenschaftlichere Politik“. Eine „sexy Idee“ sei notwendig, damit die Großartigkeit der europäischen Idee wieder zurück in den Kopf der Menschen käme.

Ob sich die SPD und Martin Schulz an seinen Worten ein Beispiel nehmen, bleibt abzuwarten. In jedem Fall hielt Matthes ein Plädoyer für die Sozialdemokraten, aber auch für die politische Klasse in Deutschland als solche:

bix

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