1500 Fälle in Deutschland

Bekämpfung von Kinderehen: Das sieht das neue Gesetz vor

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Heiko Maas.

Berlin - Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zur Bekämpfung von Kinderehen beschlossen.

Das Gesetz sieht die Heraufsetzung der Ehemündigkeit auf 18 Jahre vor. Heiraten wird dann in Deutschland künftig ausnahmslos erst ab 18 Jahren möglich sein. Bislang können Ehen auch eingegangen werden, wenn ein Partner mindestens 16 Jahre alt ist und die Familiengerichte zugestimmt haben.

Nach dem neuen Gesetz sollen zudem bereits bestehende Ehen grundsätzlich unwirksam sein, wenn einer der Partner noch keine 16 Jahre alt ist. Dann ist auch keine Aufhebung erforderlich. Ist einer der Ehegatten 16 oder 17 Jahre alt, soll die Ehe aufgehoben werden. 

Nur in besonderen Härtefällen, etwa bei einer schweren und lebensbedrohlichen Erkrankung, könne davon abgesehen werden - und auch dann, wenn der minderjährige Gatte zwischenzeitlich volljährig geworden ist und die Ehe bestätigt. Diese Regelungen gelten auch für im Ausland geschlossene Ehen. Der Gesetzentwurf geht nun ins parlamentarische Verfahren.

Mit dem Gesetz reagiert die Bundesregierung auf die steigende Zahl verheirateter minderjähriger Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind. Im vergangenen Jahr wurde die Zahl von 1500 solcher Ehen genannt, darunter rund 360 mit Kindern unter 14 Jahren.

„Kinder gehören nicht vor das Standesamt und auch nicht an den Traualtar“

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte, in Deutschland dürfe es keine Kinderehen geben. "Kinder gehören nicht vor das Standesamt und auch nicht an den Traualtar." Eine Verschärfung der derzeitigen Rechtslage sei insbesondere mit Blick auf im Ausland geschlossene Ehen erforderlich.

"Über die Auflösung des Ehebandes hinaus muss immer das Wohl der betroffenen Minderjährigen im Mittelpunkt stehen", fügte Maas hinzu. Deshalb werde gewährleistet, dass die Minderjährigen unmittelbar nach der Einreise in die Obhut des Jugendamtes genommen werden und vom Ehegatten getrennt werden können. Die Betroffenen sollen aber keine asyl- oder aufenthaltsrechtlichen Nachteile erleiden, wie Maas betonte.

Um das Gesetz gegen Kinderehen hatte die Koalition längere Zeit gerungen. Zuletzt hatten sich Union und SPD beim Koalitionsausschuss in der vergangenen Woche verständigt. Es soll noch vor der Sommerpause alle parlamentarischen Hürden nehmen.

afp/dpa

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