Rebellen stehen kurz vor der Niederlage

„Wir sehen das Ende der Kämpfe um Aleppo“

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Die syrische Stadt Aleppo gleicht zum Großteil einem Trümmerfeld.

Damaskus - Die Niederlage der Rebellen in Ost-Aleppo scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Mit massiven Luftangriffen nimmt das Regime Viertel um Viertel ein und lässt der Opposition nur mehr wenig Raum. Die Zivilisten in der Stadt flehen um Hilfe.

Die Rebellen kontrollieren im Osten der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo nur noch einzelne Stadtviertel und stehen nach Angaben von Beobachtern kurz vor einer Niederlage. „Wir sehen das Ende der Kämpfe um Aleppo“, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die syrische Führung ist sich sicher, dass der Fall der Opposition in Aleppo nur noch eine Frage der Zeit sei.

Mitte November hatte die syrische Armee zusammen mit ihren Verbündeten eine Großoffensive auf die Rebellengebiete in Ost-Aleppo gestartet. Die Stadt ist seit Beginn der Kämpfe vor vier Jahren zwischen Regime und Opposition geteilt. Sollte das Regime nun auch noch die restlichen von der Opposition kontrollierten Viertel in Ost-Aleppo einnehmen, wäre das ein massiver Rückschlag für die Rebellen. In diesem Fall hätte die Regierung die Kontrolle über alle großen Städte des Bürgerkriegslandes zurückgewonnen.

„Das letzte SOS“: Zivilisten flehen um Hilfe

Am Montag sei es der syrischen Armee unter heftigen Luftangriffen und Artilleriebeschuss gelungen, mehrere Viertel von den Rebellen zurückzuerobern, berichtete die in England ansässige Beobachtungsstelle. Die Rebellen kontrollierten demnach nur noch knapp drei Prozent ihrer bisherigen Gebiete in der Stadt. Auch das russische Militär, ein Verbündeter Syriens, berichtete von wichtigen Geländegewinnen in der früheren Metropole.

Bewohner der verbliebenen Stadtviertel flehten in sozialen Netzwerken im Internet um Hilfe und fürchteten um ihr Leben. „Dies ist unser letztes SOS“, schrieb ein Bewohner. „Ich hoffe, dass wir das hier überleben“, sagte ein anderer Bewohner in einer Sprachnachricht. Menschen seien den Berichten zufolge unter Trümmern gefangen, ohne dass ihnen geholfen werden könne.

Aktivisten beschrieben, die Luftangriffe und der Beschuss gingen wie „heftiger Regen“ auf die verbliebenen Rebellengebiete nieder.

Fall der Stadt sei nur eine Frage der Zeit

Der Leiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im Nahen Osten, Robert Mardini, zeigte sich angesichts der Situation für die Zivilbevölkerung erschüttert. „Wir sind angesichts der Risiken, die Menschen für die Flucht auf sich nehmen, alarmiert“, schrieb er auf Twitter. Viele Flüchtende stünden unter Schock.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben seit Beginn der Offensive mehr als 10 000 Menschen ihre Häuser im Osten der Stadt verlassen und befinden sich seitdem auf der Flucht. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete am Montag, allein seit Sonntag seien rund 13 000 Zivilisten in die von der Regierung kontrollierten Gebiete geflohen. Mehr als 700 Kämpfer sollen ihre Waffen niedergelegt haben. Acht Zivilisten sollen durch Granatbeschuss von Rebellen auf von der Regierung kontrollierte Gebiete getötet worden sein.

Bilder: Das grausame Leid der Menschen von Aleppo

Der Fall der Stadt sei nur eine Frage der Zeit, sagte der syrische Abgeordnete Firas al-Schehabi, der dpa. Den Rebellen bleibe keine Option mehr, außer sich zu ergeben.

IS kontrolliert noch immer große Gebiete

Bei weiteren Luftangriffen auf Orte in Zentralsyrien, die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehalten werden, sind nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte 34 Zivilisten getötet worden. Die Angriffe galten demnach mehreren Dörfern, die rund 90 Kilometer nordwestlich der Oasenstadt Palmyra in der Wüste liegen.

Am Wochenende hatten die Dschihadisten die antike Stadt um das Weltkulturerbe zurückerobert, nachdem sie im März aus der Gegend vertrieben worden waren. Seit der Rückeroberung haben das syrische Regime und seine Verbündeten die Luftangriffe auf die Gebiete des IS massiv ausgeweitet. Der IS kontrolliert im überwiegend ländlichen Ost- und Zentralsyrien weiterhin größere Gebiete, wenngleich sein Einflussgebiet zuletzt geschrumpft ist.

dpa

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