Die wichtigsten Fragen und Antworten

Betreuungsgeld: Das müssen Sie wissen

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Die Kinder der Kindergartengruppe "Kleine Riesen" spielen in dem Kindergarten "Die Wilden Tauben" in Wildetaube (Thüringen)

Berlin - Ab dem 1. August Eltern von Kindern im zweiten Lebensjahr Betreuungsgeld beantragen. Hier finden Sie die fünf wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema:

Ab dem 1. August gibt es eine neue familienpolitische Leistung: Das Betreuungsgeld. Das beschloss der Bundestag bereits im vergangenen Jahr. Im Frühjahr kam noch ein Ergänzungsgesetz zur Ausgestaltung der Leistung hinzu. Ein Überblick über Konzept und Umsetzung des Betreuungsgeldes:

Wer soll die Förderung erhalten?

Eltern von Kindern im zweiten Lebensjahr, als Ausgleich dafür, dass sie keinen staatlich geförderten Kita-Platz in Anspruch nehmen. Dies gilt auch für Eltern, die ihr Kind privat betreuen lassen, während sie arbeiten. Bei Hartz-IV-Empfängern wird das Geld allerdings auf die Transferleistung angerechnet.

Wo hoch ist die Leistung?

Eltern erhalten zunächst für ihre ein- und zweijährigen Kinder 100 Euro monatlich. Ab 1. August 2014 sollen es 150 Euro monatlich sein. Es wird höchstens 24 Monate gezahlt. Mit einem Bonus von 15 Euro pro Monat können Eltern von Kleinkindern das Geld auch nach dem Betreuungsgeldergänzungsgesetz zur privaten Altersvorsorge sowie für ein Bildungssparen nutzen.

Wie viel Geld wendet der Staat dafür auf?

Die Bundesregierung rechnet ab 2014 mit Kosten von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Opposition geht von einen Finanzbedarf von rund zwei Milliarden Euro aus, auch aufgrund zusätzlicher Bürokratie.

Warum ist das Vorhaben umstritten?

Nach Ansicht der Opposition, aber auch Teilen von FDP und CDU, fördert das Betreuungsgeld ein überholtes Rollenbild. Zudem sehen sie Gefahr darin, dass Eltern aus bildungsfernen Schichten ihre Kinder zu Hause betreuten und eine Förderung in Kitas nicht wahrnehmen könnten. Sie fordern stattdessen, mehr in den Ausbau von Krippen zu investiert. Die Kirchen haben sich unterschiedlich positioniert: Die evangelische Kirche lehnt die Leistung ab, die katholischen Bischöfe plädiert für die Familienförderung.

Gibt es in Europa Vorbilder für ein Betreuungsgeld?

In Finnland, Schweden und Norwegen gibt es das Angebot teilweise schon seit den 1980er Jahren. Nach einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung beziehen dort vor allem Mütter mit geringem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau und Migrationshintergrund die Unterstützung. Sie beträgt in allen drei Ländern etwa zehn Prozent eines durchschnittlichen Monatslohns. Kritiker beklagen, dass sich die Familienförderung negativ auf die Beschäftigung von Müttern und die Nutzung von öffentlichen Kinderbetreuungsangeboten auswirke. In Schweden und Norwegen wird deshalb über eine Abschaffung diskutiert. Zudem wird in Thüringen seit 2006 ein vergleichbares Landeserziehungsgeld gezahlt, dessen Effekt bei Regierung und Opposition umstritten sind.

kna

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