Viel Spott für den Staatschef

Geister im Palast? Brasiliens Präsident zieht um

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Verlässt den Präsidentenpalast nach nicht einmal zwei Wochen: Michel Temer fühlt sich in dem runderneuerten Gebäude nicht wohl.

Brasilia - Michel Temer braucht derzeit ein dickes Fell. Brasiliens Präsident flüchtet mit seiner Familie aus seinem Palast - aus Angst vor Geistern. Damit wird er zum Gespött.

Nach nur elf Tagen hat Brasiliens Präsident Michel Temer die renovierte Präsidentenresidenz wieder verlassen - aus Angst vor Geistern. Nun muss er mit einer Welle des Spotts leben. „Die Energie dort war nicht gut“, sagte der 76-Jährige dem Magazin „Veja“. „Der Palácio da Alvorada hat jede Menge Zimmer, acht, alle sehr groß. (...) Ich habe dort seltsame Dinge gespürt und konnte nicht schlafen, von der ersten Nacht an.“ Im Palácio da Alvorada wohnt der Präsident traditionell, sein Regierungssitz ist aber der Palácio do Planalto.

Kabarettisten stellten Temers Dialoge mit den Geistern nach - und bei Twitter betonten Nutzer: „Die Geister der Demokratie haben ihn vertrieben.“ Eine Anspielung darauf, dass er - als Vizepräsident und langjähriger Verbündeter - durch einen Koalitionsbruch die Mehrheiten für die Absetzung von Präsidentin Dilma Rousseff organisiert hatte. Andere Nutzer meinten, das sei halt die Strafe für „Putschisten“.

Nur siebenjähriger Sohn soll sich in Palast wohlgefühlt haben

Der von Oskar Niemeyer als erstes Gebäude in der neuen Hauptstadt Brasilia gebaute Palast war nach der Amtsenthebung von Rousseff für rund 20.000 Reais (6000 Euro) etwas umgebaut worden, damit dort neben Temer (76) seiner Frau Marcela (33), einer früheren Schönheitskönigin, auch ihr gemeinsamer Sohn Michelzinho (7) wohnen kann. Laut Temer habe sich ihr Sohn als einziger dort wohl gefühlt. Die Familie hatte ohnehin lange gewartet mit dem Umzug aus dem in der Nähe gelegenen Palast des Vizepräsidenten, dem Palacio do Jaburu, in die Residenz des Präsidenten. Nun wohnt Familie Temer wieder im Palacio do Jaburu.

Temer und seine Regierung müssen derzeit auf gute Geister hoffen, da weitere Enthüllungen im Korruptionsskandal um den Baukonzern Odebrecht erwartet werden, die der Justiz schon vorliegen, und wegen der Dimension in Brasilien als „Ende der Welt“ bezeichnet werden.

dpa

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