Ehemaliger britischer EU-Botschafter

Brexit: Ivan Rogers schießt gegen eigene Regierung

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Ivan Rogers (re.) übt Kritik an der britischen Regierung.

London/Brüssel - Der ehemalige britische EU-Botschafter kritisiert mit Blick auf den Brexit die Verhandlungserfahrung seiner eigenen Regierung. In einer Mail spricht er von schlechten Argumenten vieler Politiker.

Der zurückgetretene britische EU-Botschafter Ivan Rogers hat in einer persönlichen E-Mail an seine Mitarbeiter die Regierung seines Landes scharf kritisiert. In dem Abschiedsschreiben spricht der Diplomat von schlechten Argumenten vieler Politiker. „Es mangelt an ernsthafter, multilateraler Verhandlungserfahrung in der Regierung“, schreibt Rogers mit Blick auf den geplanten Brexit. An seine früheren Mitarbeiter appellierte er, „nie davor Angst zu haben, jenen an der Macht die Wahrheit zu sagen“.

Rogers' Mitarbeiter in Brüssel bestätigten am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur, eine solche E-Mail bekommen zu haben. Der Diplomat hätte offiziell noch bis Oktober im Amt bleiben sollen.

Die EU-Kommission äußerte am Mittwoch Bedauern über den Rücktritt des Briten. Rogers sei für die Brüsseler Behörde ein nicht immer einfacher, aber höchstprofessioneller und äußerst kenntnisreicher Gesprächspartner und Diplomat gewesen, kommentierte eine Sprecherin. Er habe immer loyal die Interessen seiner Regierung verteidigt.

Rogers hatte zuletzt für Aufsehen mit der Einschätzung gesorgt, die Verhandlungen über ein Abkommen Großbritanniens mit der EU zur Regelung des EU-Austritts könnten zehn Jahre dauern. Selbst dann, so der Experte, könnte ein Abkommen noch an der Ratifizierung in einem der nationalen Parlamente scheitern. Das hatte ihm deutliche Kritik von Befürwortern eines klaren Bruchs mit Brüssel eingebracht.

Die Briten hatten im vergangenen Juni in einem historischen Referendum den Austritt ihres Landes aus der EU beschlossen.

dpa

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