Er ist der Kontrahent von Steinmeier 

Alexander Hold im Interview: „Bei einer Direktwahl wäre die Sache spannender“

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Alexander Hold geht für die freien Wähler in das - schon entschiedene - Rennen um das Amt des Bundespräsidenten.

München - Wenn am Sonntag der neue Bundespräsident gewählt wird, ist Ex-Fernseh-Richter Alexander Hold einer der Kontrahenten von Steinmeier. Im Interview kritisiert er die Mauscheleien.

CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne wollen Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Bundespräsidenten wählen. So haben es die Parteichefs im Vorfeld ausgemauschelt – sehr zum Ärger des Kandidaten der Freien Wähler, dem durch die Sat.1-Gerichtsshow bekannten Richter Alexander Hold (54). Die tz sprach mit dem Richter aus Kempten, der sich gestern im Bayerischen Landtag vorstellte.

Die Freien Wähler stellen nur elf der 1260 Wahlmänner. Ihre Kandidatur für das Bundespräsidentenamt ist also völlig chancenlos. Warum tun Sie sich das an?

Alexander Hold: Weil Demokratie von der Alternative lebt! Wer der Meinung ist, man sollte sich das nicht antun, müsste jedem, der sich für einen mittleren oder hinteren Listenplatz bei der Gemeinderatswahl bewirbt, auch sagen: Das ist Quatsch. Aber wenn sich nicht viele Menschen so engagieren, wäre die Demokratie schnell am Ende. Wir Freien Wähler sind seit langem für mehr direkte Demokratie, insbesondere für die Direktwahl des Bundespräsidenten. Im Zusammenhang mit meiner Kandidatur hat die Diskussion darüber viel Fahrt aufgenommen – allein das ist es schon wert.

Solch eine Direktwahl würde allerdings das Machtgefüge in Deutschland verschieben – mit dem Bevölkerungs-Votum im Rücken müsste der Präsident mehr Befugnisse bekommen, oder?

Hold: Die Grundgesetz­väter haben ja die Konsequenzen  aus den historischen Erfahrungen der Weimarer Republik gezogen, wo der direkt gewählte Hindenburg per Notverordnungen regierte. Aber nach 70 Jahren ist die Bundesrepublik doch so sehr gefestigt, dass wir da keine Angst mehr haben müssen. Zudem glaube ich nicht, dass ein direkt gewählter Präsident mehr Machtbefugnisse haben müsste. Diese Ängste, dass ein Staatsoberhaupt alles umkrempeln könnte, wie wir es gerade in der Türkei und in Ansätzen in den USA erleben, die müssen wir dann nicht haben, wenn die grundsätzliche Aufgabenteilung unverändert bleibt.

„Die Union lässt sich von Gabriel einen Kandidaten aufzwingen“

Als Sie im Sommer 2016 als erster Kandidat ins Rennen gingen: Hätten Sie da erwartet, dass Sie einen Gegenkandidaten bekommen werden, den von FDP über CDU, CSU, SPD und den Grünen fast alle unterstützen wollen?

Hold: Das hat mich schon überrascht. Es ist auch schon ein seltsames Demokratieverständnis, wenn sich die Union, die 150 Stimmen mehr als die SPD hat, sich von Sigmar Gabriel seinen Kandidaten aufzwingen lässt. Es zeugt schon von einem befremdlichen Demokratieverständnis, dass man sich aus Angst vor einer Niederlage nicht auf einen offenen Wettstreit einlässt. Aber umso richtiger ist meine Kandidatur, da ich nun der einzige Kandidat der liberal-bürgerlichen Mitte bin. Ich habe mich auch gewundert, dass die FDP sich so einfach auf Herrn Steinmeier festgelegt hat, nachdem FDP-Chef Christian Lindner zuvor angekündigt hatte, die Partei werde sich alle Kandidaten anhören und dann entscheiden, wer an besten zu ihr passt. Ich habe das Gespräch angeboten – da kam nicht einmal eine Rückmeldung.

Unser Partnerportal Rosenheim 24 hat eine Umfrage gemacht, wen denn die Rosenheimer direkt zum Präsidenten wählen würden. Sie bekamen da 75 Prozent der Stimmen. Frank-Walter Steinmeier nur neun …

Hold: Vieles, was sich im Internet abspielt, muss man schon mit Vorsicht genießen. Aber natürlich glaube ich, dass bei einer Direktwahl die Sache schon spannend wäre – gerade weil viele Bürger nicht akzeptieren wollen, dass über ihren Kopf hinweg drei Parteivorsitzende bestimmen, wer ihr nächstes Staatsoberhaupt werden soll.

Aber es gibt ja auch die böse Kritik, ob eine TV-Figur wie Sie, der „Unterschichtenfernsehen“ mache, der Richtige sein kann für das höchste Amt im Staat. Wie reagieren Sie auf solche Äußerungen?

Hold: Das mit dem „Unterschichtenfernsehen“ hat einen sehr langen Bart. Es gibt Zuschauer-Erhebungen, die zeigen, dass die Zuschauer von TV-Richter Alexander Hold einen Querschnitt aller Bevölkerungsschichten darstellen. Ich bin zudem kein Fernsehdarsteller – ich habe Jura, Politik und Philosophie studiert, mache seit langem ehrenamtlich Kommunalpolitik im Stadtrat von Kempten. Ich bin an den Sorgen und Nöten der Bürger näher dran als mancher, der in Berlin Politik macht.

„Dann dürfte niemand mehr Bundespräsident werden“

Was sind denn die Sorgen und Nöte der Bürger?

Hold: Das sind oft ganz andere Themen als das, was die Berliner Politikbericht­erstatter beschäftigt: In Kempten stelle ich zum Beispiel fest, dass der Umgang mit Flüchtlingen vor Ort in der Praxis gut funktioniert. Die Sorge ist vielmehr, wie wirklich Integration angegangen wird, zum Beispiel ob wir es schaffen, Neubauten ohne Ghettobildung zu schaffen, wo Deutsche und Flüchtlinge Tür an Tür leben.

Aber wenn Sie gewinnen würden und im Schloss Bellevue einziehen dürften – dann wären Sie ja auch weit weg von den Bürgern. Liegt das also nicht in der Natur von Politik?

Hold: Zu Ende gedacht hieße das ja, es darf niemand Bundespräsident werden, weil er sich dann zu weit von seinen Bürgern entfernt. Mein Vorteil ist, dass ich sehr geerdet bin. Wenn man so verwurzelt in seiner Heimat und im normalen Leben ist wie ich, entwickelt man ein ganz anderes Gespür für die Probleme der Menschen als jemand, der beispielsweise seit Jahren als Außenminister um die Welt tingelt.

Was ist Ihr Ziel bei der Wahl am 12. Februar?

Hold: 1954 hat Konrad Adenauer bei der Bundesversammlung genau eine Stimme bekommen – ich bin guten Mutes, dass ich ein besseres Ergebnis als Adenauer erreiche.

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