Bundespräsidentenwahl 2017

Lammert kritisiert Trump: Kein Applaus von Seehofer und AfD

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Nach Lammerts Trump-Kritik: CSU-Chef Horst Seehofer verzichtet auf Applaus.

München - Bei der Bundespräsidentenwahl 2017 kritisiert Bundestagspräsident Lammert US-Präsident Trump. Seehofer und die AfD klatschen demonstrativ nicht.

So eine politische Rede wie am Sonntagmittag hat man bei einer Bundesversammlung schon lange nicht mehr gehört. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat den Auftakt der Bundespräsidentenwahl 2017 zu einer eindringlichen Warnung an den neuen US-Präsidenten Donald Trump genutzt. „Wer Abschottung anstelle von Weltoffenheit fordert und sich sprichwörtlich einmauert, wer statt auf Freihandel auf Protektionismus setzt und gegenüber der Zusammenarbeit der Staaten Isolationismus predigt, wer zum Programm erklärt ‚wir zuerst!‘, darf sich nicht wundern, wenn es ihm andere gleich tun. Mit allen fatalen Nebenwirkungen für die internationalen Beziehungen, die aus dem 20. Jahrhundert hinreichend bekannt sein sollten.“

Viele der 1260 Mitglieder der Bundesversammlung - neben Politikern auch exklusiv eingeladene Prominente - klatschen nach Lammerts Trump-Kritik. Einige erhoben sich zu Standing Ovations. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer sowie die Vertreter der Alternative für Deutschland (AfD) verzichteten demonstrativ auf den Applaus. Auf den TV-Bildern war zu sehen, dass Beatrix von Storch, Jörg Meuthen und Alexander Gauland nicht klatschten.

Seehofer will Trump treffen

Dass sich der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident nicht mit den Trump-Kritikern solidarisieren will, hat möglicherweise damit zu tun, dass er den US-Präsidenten demnächst treffen will. Seehofer plant nach einem Medienbericht ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Regierungskreise in München meldet, laufen dazu in der Staatskanzlei bereits Sondierungen. Angeblich versuche parallel auch ein Unternehmer mit Kontakten zu Trump, ein Treffen im Weißen Haus zu organisieren.

Eine Sprecherin der Münchner Staatskanzlei sagte dazu am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, es sei bekannt, dass der Ministerpräsident bestrebt sei, den Gesprächsfaden zu den großen internationalen Partnern nicht abreißen zu lassen. Sie verwies darauf, dass Seehofer im März auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau treffen will. Zu einer möglichen Begegnung mit Trump sagte sie, die Staatskanzlei werde sich dazu erst äußern, wenn es konkrete Termine geben sollte.

Wie Twitter-User betonen, soll neben Seehofer und der AfD auch Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht den Applaus nach Lammerts Trump-Kritik boykottiert haben. Aus den TV-Bildern ging dies zunächst nicht hervor.

Petry: Darum hat die AfD nicht für Lammerts Trump-Kritik geklatscht

Im Phoenix-Interview nach dem ersten Wahlgang erklärte AfD-Parteisprecherin Frauke Petry, warum ihre Partei nicht für Lammerts Trump-Kriitik geklatscht habe. „Gerade Norbert Lammerts Ausführungen zu Schlagwörtern wie Abschottung und Weltoffenheit haben wir als stark vereinfachend empfunden.“

Petry könne es „nicht verstehen, wie Deutschland, das sich immer als sehr wichtiger Partner der USA verstanden hat, nun diese Art von Geste an die Amerikaner verweigert.“ Petry erhofft sich für die Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen Washington und Moskau. „Ich denke wir sollten froh sein, dass Trump und Putin zumindest Anstalten machen, gemeinsam auf dem internationalen Parkett zu agieren.“

Zur Amtsführung von Donald Trump sagte Petry: „Es ist gar nicht so wichtig, ob wir alles gut finden, was ein gewählter Präsident in den Vereinigten Staaten tut.  Er verdient erst einmal wie jedes andere gewählte und rechtmäßige Staatsoberhaupt unseren Respekt vor dem Amt. Ich glaube, dass wir in der Tat eine Neujustierung der europäisch-amerikanischen Beziehungen brauchen. Die Kritik, die Trump an der Nato geäußert hat, teilen wir durchaus. Wir sind auch der Meinung, dass illegale Migration, wie sie seit Jahren in unser Land und nach Europa stattfindet, nicht mehr weiter geschehen darf. Dass Trump Ähnliches für sein Land propagiert, halten wir für legitim.“

Bundespräsidentenwahl 2017: Alle Infos

Wir berichten in einem Live-Ticker von der Bundespräsidentenwahl 2017. Außerdem haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zur Bundespräsidentenwahl für Sie zusammengefasst. Auch einige Prominente haben heute das Stimmrecht - hier erfahren Sie, welche das sind. Und: Wir haben zusammengefasst, wie Sie die Bundespräsidentenwahl 2017 live im TV und im Live-Stream sehen können.

fro

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