Bundestagswahl 2017

Erst- und Zweitstimme: So wählen Sie den Bundestag

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Stimmzettel

Wieso gibt es eine Erst- und eine Zweitstimme? Wen wähle ich damit überhaupt? Und welche Stimme ist wichtiger? Wir klären alle wichtigen Fragen.

Im September ist Bundestagswahl und das heißt für die Parteien vor allem eins: Sie befinden sich im Wahlkampfmodus, entwerfen Wahlprogramme und versuchen, möglichst viele Bürger für sich zu gewinnen. Diese stehen wie vor jeder Wahl vor der verantwortungsvollen Entscheidung, die Politiker zu ernennen, die sie in den kommenden vier Jahren repräsentieren sollen. Wie genau das deutsche Wahlsystem jedoch funktioniert und was es mit der Erst- und Zweitstimme auf sich hat, ist für viele Wähler allerdings jedes Mal aufs Neue mit vielen Fragen verbunden. 

Bundestagswahl: Was wird mit der Erststimme gewählt? 

Mit der Erststimme können die Wähler bei der Bundestagswahl 2017 für einen Kandidaten aus ihrem Wahlkreis abstimmen. In ganz Deutschland gibt es insgesamt 299 Wahlkreise, in denen jeweils rund 250.000 Wähler vertreten sind. Für die Erststimme stellen alle Parteien in einem Wahlkreis jeweils einen Kandidaten auf, der damit direkt zur Wahl steht. Der Kandidat, der in einem Wahlkreis die meisten Stimmen erhält, bekommt ein Direktmandat für den Bundestag. So werden allein durch die Erststimme 299 Bundestagsabgeordnete bestimmt. Durch die Erststimme wird gewährleistet, dass mindestens ein Politiker aus jeder Region vertreten ist, der diese auf Bundesebene vertreten kann. 

Bundestagswahl: Was wird mit der Zweitstimme gewählt? 

Die Zweitstimme unterscheidet sich grundsätzlich schon deswegen von der Erststimme, weil mit ihr keine Einzelkandidaten, sondern Landeslisten einer Partei gewählt werden. Hier listet die Partei alle Kandidaten auf, die sie nach Berlin in den Bundestag schicken möchte. Wichtig ist hierbei die Reihenfolge der Kandidaten: Je weiter oben in der Liste ein Kandidat steht, desto wahrscheinlicher ist es, dass er in den Bundestag gewählt wird. Sind die Zweitstimmen ausgezählt, entscheidet nämlich der prozentuale Anteil einer Partei, wie viele Sitze sie im Bundestag bekommt. Hat eine Partei beispielsweise 30 Prozent erreicht, erhält sie im Bundestag auch 30 Prozent der Sitze. Diese bekommen dann die Kandidaten, die auf der Landesliste an erster Stelle stehen. Die Zweitstimmen einer Partei zählen allerdings nur, wenn damit die 5-Prozent-Hürde erreicht wurde oder sie mindestens drei Wahlkreise (Direktmandate) gewinnen konnte. Ansonsten verfallen die Stimmen und die Partei darf nicht in den Bundestag einziehen. 

Wieso gibt es zwei Stimmen? 

Mit der Möglichkeit, zwei Stimmen abzugeben, soll das Wahlrecht den Bürgern ermöglichen, nicht nur eine Partei, sondern auch konkrete Kandidaten wählen zu können. Das wird als personalisierte Verhältniswahl bezeichnet, da die Hälfte der Abgeordneten direkt in ihren Wahlkreisen gewählt werden und die restlichen Abgeordneten im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Mandate einer Partei ermittelt werden. Damit können die Wähler bei der Auswahl der Kandidaten mitbestimmen und es ist gewährleistet, dass mindestens ein Abgeordneter aus jedem Wahlkreis im Bundestag vertreten ist. Trotz allem gibt es aber auch immer wieder Kritik am deutschen Wahlrecht, besonders aufgrund der vielen Überhangmandate, die durch Kombination von Erst- und Zweitstimme entstehen. Hier drängte das Bundesverfassungsgericht lange Zeit auf eine Wahlrechtsreform, die 2013 von der Politik umgesetzt wurde. Der Bundestag einigte sich auf die Einführung von sogenannten Ausgleichsmandaten, die den Überhangmandaten an Gewicht nehmen sollen. Auch auf bayerischer Landesebene wird im Übrigen aktuell über eine Wahlrechtsreform diskutiert. Was Überhangmandate sind, wird weiter unten erklärt.

Das Wahlsystem auf Bundesebene ist in Deutschland dabei nicht im Grundgesetz festgeschrieben, es kann allein durch ein Bundesgesetz und mit einer einfachen Mehrheit im Bundestag geändert werden. 

Kann ich mit der Erst- und Zweitstimme für die gleiche Partei stimmen? 

Beide Stimmen können vollkommen unabhängig voneinander vergeben und dabei an die gleiche sowie an zwei unterschiedliche Parteien verteilt werden. Genau hiermit wurde in den letzten Bundestagswahlen auch häufig Wahlkampf gemacht. So warb beispielsweise die FDP häufig um Zweitstimmen, um diese dann für eine Koalition mit der Union einsetzen zu können. Aber gleichzeitig darf mit Erst- und Zweitstimme auch die gleiche Partei gewählt werden. Das ist für den Wähler eine gute Möglichkeit, um einerseits die Partei zu bestimmen, die seiner Meinung nach viele Sitze im Bundestag bekommen soll – und gleichzeitig auch noch den Kandidaten zu wählen, den man am liebsten an dieser Stelle sehen würde. Umso mehr Wähler mit der Erst- und Zweitstimme unterschiedliche Parteien wählen, desto wahrscheinlicher wird es, dass eine hohe Zahl an Überhangmandaten entsteht. 

Erst- und Zweitstimme: Wie entstehen Überhangmandate? 

Grundsätzlich gibt es im Bundestag 598 Sitze, die durch die Wahlen mit Abgeordneten besetzt werden. Durch die Möglichkeit der Überhangmandate kann diese Zahl jedoch variieren und so kommt es vor, dass häufig mehr Abgeordnete im Bundestag sitzen - momentan sind es beispielsweise 630 Abgeordnete, die dort vertreten sind. Nach Auszählung der Zweitstimmen entscheidet sich nämlich, wie viele Abgeordnete eine Partei aus einem Bundesland in den Bundestag schicken darf. Wer diese Abgeordneten sind, wird folgendermaßen ausgewählt: Zunächst bekommen all diejenigen, die ein Direktmandat in einem Wahlkreis durch die Erststimme erhalten haben, einen Sitz im Bundestag. Die restlichen Plätze, die eine Partei im Bundestag dann noch frei hat, werden mit den ersten Kandidaten der Landesliste bestückt. Hier kann es jedoch vorkommen, dass mehr Kandidaten einer Partei durch ein Direktmandat gewählt werden, als der Partei Sitze im Bundestag zustehen. Da laut dem deutschen Wahlrecht jedoch jedem Gewinner eines Wahlkreises ein Direktmandat im Bundestag zusteht, bekommen die Kandidaten zusätzlich einen Platz im Parlament. Wenn eine Partei beispielsweise acht Sitze im Bundestag besetzen darf, aber insgesamt zehn Direktmandate sammeln konnte, ziehen zwei zusätzliche Abgeordnete für diese Partei in den Bundestag ein. Diese zusätzlichen Mandate werden dann Überhangmandate genannt. 

Erst- und Zweitstimme: Welche Stimme ist wichtiger? 

Viele Wähler stellen sich an dieser Stelle wohl auch die Frage, welche Stimme denn nun die wichtigere ist und mit welcher sie mehr bewirken können. Grundsätzlich bietet die Erststimme hier die Möglichkeit, einen Kandidaten zu wählen und sich für einen konkreten Vertreter zu entscheiden. Es ist jedoch die Zweitstimme, die die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag wirklich bestimmt. Diese Zahlen sieht man dann auch in den Hochrechnungen der Bundestagswahl, die am Wahlabend im Fernsehen diskutiert werden. Das Mehrheitsverhältnis ist dabei in Hinblick auf die Gesetzgebung wichtig, um verschiedene Themen oder Gesetzesvorschläge durchzusetzen oder abzulehnen. Bei der Zweitstimme kommt es für die Wähler also vor allem darauf an, welche Themen die Partei im Gesamten vertritt und welche Gesetze sie in der folgenden Legislaturperiode durchsetzen möchte. Gleichzeitig stellt in der Regel die stärkste Partei im Bundestag den Kanzler oder die Kanzlerin.

Eine Ausnahme bildete hierbei etwa die SPD unter Kanzler Helmut Schmidt, der mit der FDP eine Regierung bildete, obwohl CDU und CSU bei den Bundestagswahlen 1976 und 1980 die meisten Prozente holten.

Mit der Zweitstimme wählen die Bürger also indirekt den Regierungschef der Bundesrepublik für die nächsten vier Jahre.

Update vom 26. Juli 2017: Ehe die Deutschen den Bundestag wählen, brauchen alle Wahlberechtigten eine Benachrichtigung. Wir haben für Sie zusammengefasst, wann Sie Ihre Wahlberechtigung für die Bundestagswahl 2017 erhalten.

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