Bundestagswahl 2017

Die Spitzenkandidaten der Grünen: Zwei Realpolitiker auf Stimmenfang

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Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir

Berlin - Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt, diese zwei sollen Die Grünen in der Bundestagswahl 2017 zu guten Ergebnissen führen. Wer die beiden sind, erfahren Sie hier.

Es waren nur wenige Stimmen, die den Unterschied bei der Urwahl der Partei Bündnis 90/ Die Grünen ausmachten. Das Ergebnis: Cem Özdemir ist der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017. Bei einer Wahlbeteiligung von 59 Prozent erhielt er 12.204 Stimmen der Grünen-Mitglieder. Die Spitzenkandidatur von Katrin-Göring Eckardt war eine Formsache, denn als einzige weibliche Bewerberin war ihr der Platz als Spitzenkandidatin bereits gesichert. Der Grund: Die Grünen wollten je einen Mann und eine Frau ins Rennen schicken.

Mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt ziehen die Grünen nun wieder mit einem Spitzenduo in den Bundestagswahlkampf 2017. Aktuellen Prognosen zufolge wird die Partei zwar die 5-Prozent-Hürde knacken, nach einem zweistelligen Ergebnis sieht es jedoch nicht aus. 

Auch die Koalitionsfrage ist derzeit noch völlig offen, doch sollte es zu keiner weiteren großen Koalition kommen, können die Grünen durchaus mitregieren.

Wer die beiden Spitzenkandidaten von Bündnis 90/ Die Grünen sind, welche Koalitionen in Frage kommen und wie der aktuelle Entwurf des Wahlprogrammes der Partei aussieht, erfahren sie hier. 

Spitzenkandidatin der Grünen: Katrin Göring-Eckardt

Geboren wurde die heutige Spitzenkandidatin der Grünen in dem kleinen Ort Friedrichsroda in Thüringen am 3. Mai 1966. In der fünftgrößten Stadt in Thüringen, in Gotha, wuchs sie auf. Ihre Eltern besaßen in der ehemaligen DDR-Stadt eine Tanzschule. 

1984 machte Katrin Göring-Eckardt ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule. Noch im selben Jahr fing sie an der Universität in Leipzig an, Evangelische Theologie zu studieren. Vier Jahre später brach sie dieses Studium jedoch wieder ab. Nebenbei engagierte sie sich im Arbeitskreis Solidarische Kirche (AKSK) ohne jedoch Parteimitglied zu sein. 

Seit 1988 war Katrin-Göring Eckardt mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet, mit dem sie auch zwei Kinder hat. Doch die Ehe ging in die Brüche. Verheiratet ist sie zwar immer noch, lebt aber getrennt. Seit dem Jahr 2014 ist die Grünen-Politikerin mit einem neuen Partner liiert und ist nun bereits Großmutter.

Vor allem im kirchlichen Bereich hat die Politikerin immer wieder Ämter und Funktionen übernommen. 2009 wurde sie unter anderem als Vorsitzende der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Nachdem sie die Grünen bereits 2013 zur Spitzenkandidatin gewählt hatten, gab sie dieses Amt auf.

Spitzenkandidatin der Grünen: Katrin Göring-Eckardts politische Karriere

Richtig zur Politik gekommen sei sie im April 1986 durch die Katastrophe in Tschernobyl, so schreibt es die Grünen-Politikerin auf ihrer Internetseite

Sie trat 1989 in die Politik ein, als sie Mitglied in der politischen Gruppierung „Demokratischer Aufbruch“ wurde. Ein Jahr später engagierte sie sich außerdem bei der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“, deren Anhänger überwiegend aus dem kirchlichen Bereich stammten. Die Vereinigung zielte vor allem darauf ab, die DDR demokratisch und friedlich umzugestalten.

Bei Bündnis 90 fand sie dann ab 1990 ihre politische Heimat. Bis 1993 war die aufstrebende junge Frau dort Mitglied im thüringischen Landesvorstand. In ihrer Position nahm sie auch an den Verhandlungen zur Zusammenführung der Grünen-Partei aus der DDR und Bündnis 90 teil.

Als beide zur Partei Bündnis 90/Die Grünen fusionierten, wurde sie für ein Jahr zur Referentin für Frauenpolitik, Familie und Jugend ernannt. Ab 1995 arbeitete sie für drei Jahre als Mitarbeiterin des Grünen Politikers Matthias Berninger und wurde ein Jahr später Beisitzerin im Bundesvorstand ihrer Partei.

Sie zog erstmals 1998 in den deutschen Bundestag ein und übernahm gleichzeitig den Posten als Vorstandsmitglied des Grünen Landesvorstandes in Thüringen. Neben ihrer Tätigkeit als parlamentarische Geschäftsführerin war sie gleichzeitig gesundheits- und rentenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen. 

Ab 2005 wurde sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, wofür sie 2009 wiedergewählt wurde. 2013 konnte sie sich erneut als Fraktionsvorsitzende qualifizieren und war bei der Bundestagswahl im selben Jahr zusammen mit Jürgen Trittin Spitzenkandidatin der Partei. Für die Bundestagswahl 2017 wählten sie die Grünenmitglieder in der Urwahl als Spitzenkandidatin wieder. 

Spitzenkandidat der Grünen: So kam Cem Özdemir zur Politik

Cem Özdemir wuchs, anders als seiner Mitstreiterin, in Westdeutschland auf. Geboren wurde er am 21. Dezember 1965 in der schwäbischen Stadt Bad Urach. Seine Eltern waren Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und hatten sich hier kennen gelernt. 

Der gebürtige Baden-Württemberger machte zunächst die Mittlere Reife und begann dann eine Ausbildung zum Erzieher. Nachdem er diese beendet hatte, holte er sein Fachabitur nach und studierte ab 1994 Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen. 

Özdemir ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er schrieb sogar schon drei Bücher: „Currywurst und Döner - Integration in Deutschland“, „Ich bin ein Inländer“ sowie „Die Türkei. Politik. Religion, Kultur“. 1996 erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille und den Civis Media-Preis für seinen Einsatz für ein vorurteilsfreies Zusammenleben von Deutschen und Migranten.

Spitzenkandidat der Grünen: Cem Özdemirs Weg in die Politik

Die Themen „Ökologie und Nachhaltigkeit“ hätten ihn politisiert, so steht es auf der eignen Internetseite von Özdemir. Deswegen trat er 1981 der Partei Die Grünen bei. Im Jahr 1998 wurde er Mitglied im Landesvorstand der Grünen in Badem-Württemberg. 

1994 gelang es ihm als erster Abgeordneter mit türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Bis 2002 war er zudem innenpolitischer Sprecher seiner Partei. Im gleichen Jahr trat er jedoch von seinem Posten zurück und lehnte auch sein erneutes Bundestagsmandat ab. Zuvor war der Politiker in Kritik geraten, weil er einen privaten Kredit von einem PR-Berater angenommen und außerdem dienstliche Flugmeilen für private Reise genutzt hatte. 

Zwei Jahre später kehrte Özdemir wieder in die Politik zurück, als er für die Fraktion Die Grünen/ EFA ins Europäische Parlament gewählt wurde. Für die Fraktion war er als außenpolitischer Sprecher tätig und unterstützte innerhalb seiner Tätigkeit als Europaabgeordnete im Jahr 2007 den Christopher Street Day in Stuttgart.

2008 wurde er von den Mitgliedern seiner Partei, zusammen mit Claudia Roth zum Vorsitzenden gewählt, ein Amt das er bis heute innehat. Er verpasste allerdings ein Jahr später den Einzug in den Bundestag. Das gelang ihm erst bei der Bundestagswahl 2013, bei der er über die Landesliste von Baden-Württemberg in den Bundestag einzog. 

Zusammen mit Katrin Göring-Eckardt wurde er bei der Urwahl der Grünen ganz knapp zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 gewählt.

Bundestagswahl 2017: So treten die beiden Spitzenkandidaten der Grünen auf

Beide Spitzenkandidaten gehören eher zum Realo-Flügel der Grünen Partei. Cem Özdemir setzte sich gegen Robert Habeck und Anton Hofreiter durch. Für viele war es überraschend, dass die wesentlich bekannteren Politikerinnen Claudia Roth oder Renate Künast, bei der Spitzenkandidatenwahl 2013 gegenüber Göring-Eckardt das Nachsehen hatten. Bei dieser Urwahl hatte die Fraktionschefin nun gar keine weiblichen Konkurennten mehr. 

Im Spiegel begründete die Politikerin ihre erneute Kandidatur unter anderem mit der derzeitigen Flüchtlingskrise: „Ich habe selbst erlebt, was es bedeutet, sich in Freiheit ganz neu zurechtfinden zu müssen, als die DDR plötzlich nicht mehr existierte. Ich will einen Weg finden, bei dem alle profitieren, die Flüchtlinge und auch die Menschen, die jetzt schon in Deutschland leben.“ 

In einem Interview mit dem Münchner Merkur im Vorfeld der Urwahl, gab die Spitzenkandidatin bekannt, sich auch den Posten der Vize-Kanzlerin vorstellen zu können. Für Aufsehen sorgte die Politikerin 2015 als sie in einem persönlichen Video Hass-Kommentare, die ihr auf Facebook oder per Mail zugesendet worden waren, vorlas. Mit dem Video wollte die Fraktionschefin darauf aufmerksam machen, dass Facebook derartige Kommentare löschen müsste.

Cem Özdemir beschäftigte sich innerhalb seiner politischen Laufbahn immer wieder mit den Themen Integration und Bildungschancen, was nicht zuletzt auf seinen Migrationshintergrund zurückzuführen ist. Sollten die Grünen in Zukunft an der Regierung beteiligt sein, gilt er als Kandidat für das Amt des Außenministers. 

Bundestagswahl 2017: Das ist das Wahlprogramm der Grünen

„Zukunft wird aus Mut gemacht“, mit diesem Slogan geht die Partei Bündnis 90/ Die Grünen in den Bundestagswahlkampf 2017 - und so heißt auch das Wahlprogramm der Partei

Bereits in einem ersten Entwurf hatte die Partei 24 Ziele formuliert, die jeweils in die folgenden Unterkategorien gegliedert sind:

„Umwelt im Kopf“

Als oberstes Ziel haben sich die Grünen im ihren Entwurf - natürlich - den Schutz der Umwelt vorgenommen. So wollen sie die Gewässer vor Plastik und Gift schützen, Abfall als Rohstoffe nutzen und die Artenvielfalt schützen.

„Welt im Herzen“

Die Grünen schreiben in ihrem Entwurf, dass sie das EU-Parlament stärken und die Macht des Lobbyismus aufdecken wollen. Außerdem fordern sie einen grünen Marshallplan für Afrika. 

Freiheit im Herzen

Die Partei zielt darauf ab, die sogenannte „Ehe für alle“, also auch für gleichgeschlechtliche Paare zu ermöglichen. Zudem wollen die Grünen durch ein Entgeltgleichheitsgesetzt erreichen, dass Frauen und Männer gleiche Löhne erhalten. Um den Rechtsstaat zu stärken will die Partei in Polizei und Justiz investieren. 

Gerechtigkeit im Sinn

In der Bildung setzten die Grünen auf mehr Erzieher in den Kitas und eine Modernisierung von 10.000 Schulen. Außerdem fordern sie eine Schuldenbremse für Banken. In der Gesundheitsvorsorge setzten die Grünen auf eine allgemeine Bürgerversicherung, die die private und gesetzliche Versicherung ersetzt.

Bundestagswahl 2017: Das sind mögliche Koalitionen

Verschiedene Umfrageinstitute wie Infratest dimap oder Forsa sehen die Grünen aktuell zwischen 6,5 und 9 Prozent. Der Einzug von Bündnis 90/ Die Grünen in den Bundestag scheint aktuell auf jeden Fall gesichert. In der Bundestagswahl 2013 kam die Partei auf 8,4 Prozent - einem Minus von 2,3 Prozent im Vergleich zur Wahl 2009. Seitdem hat die Partei Bündnis 90/ Die Grünen 63 Sitze im Bundestag. Eine Prognose, die auf bundestagswahl-2017.com veröffentlicht worden ist und auf den Umfragen der Meinungsforschungsinstitute beruht, könnten die Grünen bei der Bundestagswahl 2017 lediglich 51 Sitze erhalten.

Die Koalitionsfrage ist jedoch noch völlig offen. So erklärte die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt erst kürzlich in der Bild-Zeitung, dass sie eine Koalition mit der CSU nicht gänzlich ausschließt. Horst Seehofer hatte der Rot-Rot-Grünen Koalition keine Chance gegeben. „Seehofer will seine Leute damit doch nur vom Streit mit der CDU ablenken“, sagte Göring-Eckhardt. Trotz einiger Differenzen wäre sie bereit mit der Union zu koalieren. Sie betont aber: Mit der CSU würde das sicher „keine Koalition der Herzen“. „Aber wenn die grünen Inhalte stimmen, geht selbst eine Koalition mit der CSU“, sagte sie. Eine Regierung mit den Grünen sei allemal besser als eine weiter große Koalition, so die Fraktionsvorsitzende weiter. Die Union liegt aktuell bei etwa 33 Prozent in den Umfragen. Göring-Eckardt betonte jedoch auch, dass die Koalitonsverhandlungen mit keinem Partner einfach würde - egal ob er Horst Seehofer (CSU), Martin Schulz (SPD) oder Sahra Wagenknecht (Linke) heiße.

Auch Anton Hofreiter erklärte, dass es keine klare Koalitionsaussage der Grünen geben werde. So sagte er bei einem Forum in Erfurt: „Grün wird - egal in welcher Koalition - den Unterschied machen.“

Sowohl SPD Fraktionschef Thomas Oppermann, als auch die Spitzenkandidaten der Linken Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, äußerten sich offen für ein Rot-Rot-Grünes Bündnis. Die Parteimanager der drei Parteien haben sich auch bereits für Gespräche getroffen. Ob sie jedoch bei der Bundestagswahl eine Mehrheit erhalten, da sind sich die aktuellen Prognosen noch uneinig. 

Allerdings hat sich nach Angaben von Spitzenkandidat Cem Özdemir auch die Union um Gespräche mit den Grünen bemüht: „Beide wissen, dass sie nicht alleine regieren können, dass sie auf Partner angewiesen sind“, so die Aussage von Özdemir.

Update vom 24. Juli 2017: Können die Grünen bei der anstehenden Bundestagswahl mit ihrem Wahlprogramm für eine Überraschung sorgen? Hier erfahren Sie es.

Update vom 2. August 2017: Angela Merkel und Martin Schulz stehen sich am 3. September in einem TV-Duell gegenüber. So sehen Sie das Duell der Kanzlerkandidaten live im TV und im Live-Stream

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