Nach Freispruch

Bekommt Wulff eine Entschädigung?

Wulff
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Christian Wulff (M.) auf seinem Triumphzug. Das Landgericht in Hannover hatte ihn so eben freigesprochen.

Hannover - Ende gut, alles gut. Nach dem Freispruch von Christian Wulff stellt sich nun eine Frage: Bekommt der ehemalige Bundespräsident eine Entschädigung wegen der Korruptions-Vorwürfe?

Nach dem Freispruch von Christian Wulff ist noch offen, ob der frühere Bundespräsident Entschädigung geltend macht. „Damit haben wir uns noch nicht beschäftigt“, sagte Wulffs Verteidiger Michael Nagel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.


Entschädigt werden kann Wulff nur für materielle Schäden, die ihm im Zuge des Korruptionsverfahrens entstanden sind - etwa falls die Ermittler bei der Durchsuchung seines Hauses Dinge beschädigt haben sollten, wie ein Sprecher des Landgerichts Hannover erläuterte. Damit Zahlungen fließen, müsste Wulff einen Antrag nach dem Strafverfolgungsentschädigungsgesetz stellen.

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulff wird am 19. Juni 1959 im niedersächsischen Osnabrück als zweites Kind von Rudolf und Dagmar Wulff geboren. Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium legt er das Abitur ab. Christian Wulff engagiert sich früh als Schülersprecher, Studentenvertreter und in den Jugendverbänden Schüler Union und Junge Union. © dpa
Von 1980 bis 1986 studiert Christian Wulff Rechtswissenschaften mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Osnabrück. 1987 leistet er sein Referendarexamen in Hannover, danach sein Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg und legt 1990 sein Assessorenexamen in Hannover ab. 1990 tritt Christian Wulff in eine Rechtsanwaltskanzlei ein. © dpa
1986 wird Wulff für die CDU Mitglied im Rat der Stadt Osnabrück, von 1989 bis 1994 ist er deren Fraktionsvorsitzender. Er bleibt Ratsmitglied bis 2001. © dapd
1988 heiratet Wulff Christiane Vogt. Die beiden haben eine gemeinsame Tochter, Annalena. Nach 18 Ehejahren trennen sich die beiden. © dpa
1994 wird Wulff in den niedersächsischen Landtag gewählt. Im März des Jahres übernimmt er das Amt des Fraktionsvorsitzenden, im Juni den Posten des Landesvorsitzenden seiner Partei in Niedersachsen. 1998 wird Christian Wulff zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. © dapd
1994 und 1998 tritt Wulff als CDU-Fraktionsvorsitzender in Niedersachsen bei den Landtagswahlen gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder an und verliert beide Male gegen den späteren SPD-Kanzler. © dapd
Bei der Landtagswahl 2003 feiert Wulff dann einen großen Erfolg gegen den Schröder-Nachfolger Sigmar Gabriel - er wird niedersächsischer Ministerpräsident. © dpa
Fünf Jahre später wird Wulff in seinem Amt des Ministerpräsidenten bestätigt. © dpa
2008, zwei Jahre nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau heiratet Wulff Bettina Körner. Sie bringt einen Sohn mit in die Ehe, Leander. 2008 wird der gemeinsame Sohn Linus Florian geboren. © dpa
Am 30. Juni 2010 setzt sich Wulff in der Wahl der Bundesversammlung gegen den Gegenkandidaten Joachim Gauck im dritten Wahlgang durch und wird zum zehnten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Auf eigenen Wunsch ruht seine Mitgliedschaft in der CDU seit diesem Tag. © dpa
2011 wird Christian Wulff durch den Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet. Im gleichen Jahr bekommt er die Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes verliehen. © dapd
Am 13. Dezember 2011 berichtet die Bild-Zeitung von einem Privatkredit Wulffs, den er von einem befreundeten Geschäftsmann bzw. dessen Frau erhalten haben soll. © dapd
Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags zu diesem Vorgang beantwortete Wulff 2010, er streitet jedoch Geschäftsbeziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens ab. Später erklärt der Bundespräsident, er bedauere es, dass durch seine Aussagen zu dem Privatkredit ein falscher Eindruck entstanden sei. © dapd
Am 22. Dezember bittet Wulffs Pressesprecher Olaf Glaeseker (r.) um seine Entlassung. Die Hintergründe dieses Vorgangs bleiben im Dunkeln. © dpa
Anfang Januar 2012 tauchen Medienberichte auf, wonach Wulff den Bild-Chefredakteur Kai Dieckmann telefonisch bedroht haben soll, den Artikel über die Kreditaffäre zurückzuziehen. © dpa
Knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt als Bundespräsident, haben sich Christian Wulff und seine Frau Bettina getrennt. © dpa

Das Landgericht Hannover hatte Wulff am Donnerstag vom Vorwurf der Korruption freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte Wulff zur Last gelegt, als niedersächsischer Ministerpräsident Vorteile im Amt angenommen zu haben. Von dem befreundeten Filmfinancier David Groenewold hatte er sich 2008 zu einem Oktoberfestbesuch einladen lassen und später für ein Projekt Groenewolds bei Siemens geworben.

Wulff plant Treffen mit türkischen Staatspräsident

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff plant nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" Mitte März eine einwöchige Reise in die Türkei. Dort ist demnach auch ein Treffen mit Staatspräsident Abdullah Gül geplant, außerdem mehrere Auftritte an Universitäten. Wulff hatte sich in seiner Amtszeit besonders für die Integration in Deutschland lebender Türken und anderer Muslime eingesetzt.

Wulff war am Donnerstag vom Vorwurf der Vorteilsannahme freigesprochen worden. Er plant nun laut "Spiegel" auch, in seinen früheren Beruf als Anwalt zurückzukehren. Dazu werde er eine Kanzlei in Hamburg einrichten. Einen Tag pro Woche wolle Wulff in Berlin arbeiten, wo er wie jeder frühere Bundespräsident Anspruch auf ein Büro hat.

Auch sein ehrenamtliches Engagement will Wulff laut "Spiegel" wieder ausweiten. Er ist weiterhin Schirmherr der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Auch Auslandskontakte will der frühere Präsident, wie im Fall der Türkei, dem Bericht zufolge wieder aufnehmen.

dpa/afp

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