Staatsregierung reagiert

Coronavirus: Neue Kirchen-Regeln für Gottesdienste in Bayern schon ab Montag

Die Maskenpflicht auf Kirchenbänken in Bayern fällt weg.
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Die Maskenpflicht auf Kirchenbänken in Bayern fällt weg.

Nach und nach werden in Bayern die Corona-Beschränkungen gelockert. In der Kirchenbank darf nun die Maske abgesetzt werden.

  • Nach und nach werden in Bayern die Corona*-Beschränkungen gelockert.
  • In den Gottesdiensten aber müssen die Menschen noch immer Masken tragen. Immer mehr Gläubige murren.
  • Jetzt lenkt die Staatsregierung ein: In der Kirchenbank darf die Maske abgesetzt werden.

München – „Die Verwunderung ist schon sehr stark, dass in der Kirche noch so strenge Auflagen gelten“, berichtete Pfarrer Michael Mannhardt, Dekan des Dekanates Miesbach. Er weiß von Gläubigen, die deshalb nicht zum Gottesdienst kommen, weil sie nicht einsehen, dass sie weiterhin Masken tragen sollen, während es im nahen Österreich schon die ganz große Lockerung gebe. „Das ist eine Ungleichzeitigkeit, die uns schon verwundert“, sagte der Seelsorger.

Über die sozialen Medien erreichen auch das erzbischöfliche Ordinariat in München immer mehr verärgerte Reaktionen von Gottesdienstbesuchern, berichtete Pressesprecher Bernhard Kellner. Die Kirche habe den Lockdown mit Überzeugung mitgetragen, trotz des Protests einiger sehr frommer Gläubiger. „Aber inzwischen fragen sich viele Leute, warum man sich im Wirtshaus ohne Maske aufhalten kann und im Gottesdienst eine Maske aufhaben soll.“Warum man im Gasthaus stundenlang sitzen dürfe, im Gottesdienst aber nur 60 Minuten. Es gebe sehr viele verständnisvolle Menschen, die die Beschränkungen mitgetragen hätten. Doch jetzt sei ein Punkt erreicht, wo man schwer erklären könne: „Warum sind an Fronleichnam die Prozessionen verboten, wenn wenige Tage vorher 25 000 Menschen auf dem Königsplatz demonstrieren konnten?“

Katholische und evangelische Kirche machten Druck - 60-Minuten-Beschränkung fällt ebenfalls

Die katholische und auch die evangelische Kirche machten Druck – und nun reagiert die Staatsregierung* auf den wachsenden Protest. „Wir haben mittlerweile bei der Pandemie aufgrund unserer Maßnahmen eine Phase erreicht, die uns doch deutliche Erleichterungen ermöglicht“, erklärte Staatsminister Florian Herrmann (CSU) am Freitag gegenüber unserer Zeitung.Ab kommenden Montag, 22. Juni, trete eine Verordnung in Kraft, nach der beim Sitzen in der Kirchenbank auf die Masken verzichtet werde könne.

Zudem werde auch die 60-Minuten-Beschränkung aufgehoben. „Die Kirchen sollen ihrerseits dafür Sorge tragen, dass Zurückhaltung beim Volksgesang besteht“, betonte Herrmann. Das sei ganz wichtig, denn die Problematik mit dem Aerosolausstoß beim Singen war ein wichtiger Grund für die Maskenpflicht*. Der Staatskanzleichef erinnerte an die Gottesdienstfeiern von Baptisten in Frankfurt, Bremerhaven oder Berlin, die die Pandemie befeuert hatten. „Infektionsschutz hat für uns die oberste Priorität: Es sollen nicht aus Gottesdiensten Infektionen hervorgehen.“

Kirchen wollen keinesfalls zuHotspots der Pandemie werden – das hatte auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx immer wieder betont. Doch zuletzt fühlte sich die katholische Kirche von der Staatsregierung etwas vergessen. Während nach der jüngsten Kabinettssitzung umfangreiche Lockerungen für Wirtshäuser oder den privaten Umgang verkündet werden konnten, wurde für die Kirchen nur der Abstand der Menschen in den Kirchenbänken von zwei auf eineinhalb Meter verringert. Das heißt: Es können ein paar Gläubige mehr zum Gottesdienst kommen. Aber kein Wort zu den Masken. „Bei den Kirchen geht es nur zentimeterweise vorwärts“, bemängelte Kellner vor Bekanntwerden der neuen Verordnung. In einem für die Kirche so zentralen Bereich wie der Feier des Gottesdienstes passiere zu wenig.

„Die einen wollen mehr Lockerungen, die anderen wollen keine Risiken“

Doch die Kirchen bleiben auch auf der Hut. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wies auf Nachfrage darauf hin, dass man beim Singen im Gottesdienst besonders vorsichtig sein müsse. Er nehme sehr unterschiedliche Reaktionen wahr. „Es gibt auch Menschen, die fordern diese Sicherheit ein. Das ist das Problem: Die einen wollen mehr Lockerungen, die anderen wollen keine Risiken.“

Die Corona-Ansteckungen* nach Baptisten-Gottesdiensten sind auch Dekan Mannhardt bekannt. Doch er weist darauf hin, dass Baptisten eher kleine Gottesdienst-Räume hätten. „Ganz anders bei uns: Wir haben so große Kirchen in der Regel, da sitzen die Leute so weit auseinander*. Das wirkt richtig befremdlich, dass man da die Maske noch aufhaben muss.“Lautes Singen gebe es bei ihm derzeit ohnehin nicht. „Es singt der Kantor, der ist weit genug weg. Die Gemeinde singt leise mit. Das ist so verhalten, dass ich keine Sorge habe, dass da etwas passiert.“ Er hält es daher für angemessen, wenn man zum Reingehen und zum Rausgehen die Maske aufhat. „Aber wenn man auf seinem Platz ist, halte ich es für absolut vernünftig, wenn man die Maske abnimmt. Denn es ist wirklich viel Platz in unseren Kirchen“, freut sich Mannhardt über die neue Entwicklung.

„In die Kirche traut sich niemand, zu Edeka schon.“

Erleichtert dürfte auch der evangelische Münchner Regionalbischof Christian Kopp sein, denn auch er hatte ähnliche Reaktionen erlebt:„Gemeindemitglieder empfinden die Maßnahmen, die für die Kirchenräume ergriffen wurden, als zu rigoros. Ihm habe ein Gemeindemitglied geschrieben: „In die Kirche traut sich niemand, zu Edeka schon.“

Andere Gemeindemitglieder stünden hinter den klaren Verhaltensmaßnahmen für die Gottesdiensten. Es sei jetzt die Kunst, langsam wieder in die vorsichtige Normalisierung zu kommen.

Staatsminister Florian Herrmann betonte, die Staatsregierung gehe vorsichtig und mit stufenweisen Erleichterungen vor, „weil sonst die Gefahr besteht, dass man es nicht mehr im Griff hat und auf einmal überall wieder Herde entstehen“. Eine der ersten Maßnahmen sei überhaupt die Öffnung der Gottesdienste gewesen. Das habe mit den Hygienekonzepten so weit gut funktioniert, „sodass bei den Kirchen nun zusätzliche Erleichterungen möglich werden können“.

Claudia Möllers

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