Bezirksparteitag demonstriert Geschlossenheit

Aigner als Chefin der CSU Oberbayern bestätigt: Schmusekurs nach dem Machtkampf

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Ilse Aigner, Vorsitzende der CSU Oberbayern

Die CSU Oberbayern arbeitet nach einer Phase der Uneinigkeit an einem Bild der Geschlossenheit. Auf dem Bezirksparteitag wurde die Bezirksvorsitzende Ilse Aigner im Amt bestätigt. 

Ingolstadt – Geschlossenheit zeigen: Das war es, was die oberbayerische CSU auf ihrem Bezirksparteitag am Samstag in Ingolstadt vor allem wollte. Denn Streitereien in der Partei sehen die Wähler nicht gerne. Auch unter den CSU-Mitgliedern „gibt es einen großen Wunsch nach Gemeinsamkeit aller politischen Kräfte“, ruft die Bezirksvorsitzende Ilse Aigner also den 300 anwesenden Delegierten zu, bevor sie sich ihnen zur Wiederwahl stellt.

Obwohl es keinen Gegenkandidaten gibt, wirkt Aigner nach der Abstimmung erleichtert. 92,5 Prozent sind ordentlich. Zwar sind das gut vier Prozent weniger als 2017. Doch angesichts der Ereignisse vom Vorjahr sei das Resultat sogar „sehr gut“, findet Aigner, die 2018 erleben musste, wie sich im Ringen um die Nachfolge von Horst Seehofer als Ministerpräsident Teile ihres Verbandes gegen sie und auf die Seite von Markus Söder stellte.

Markus Söder gibt sich diplomatisch

Beim Besuch in Ingolstadt gibt sich der Sieger dieses Machtkampfes diplomatisch. „In den letzten fünf Jahren haben wir weniger darüber geredet, was wird, sondern mehr darüber, wer was wird. Davon nehme ich auch mich selbst nicht aus“, sagt Söder vor den Delegierten. Erfolg habe man aber nur als Team. Und Aigner sei eine großartige Integrationsfigur.

„Wir werden an deiner Seite stehen“, verspricht Aigner daraufhin ihrem Rivalen aus dem Vorjahr. Auch sonst will niemand am Bild der Geschlossenheit kratzen. Es gibt keine Aussprachen, nicht zu Aigners Rechenschaftsbericht und nicht zu dem von Ex-Umweltminister Marcel Huber vorgestellten Leitantrag „Nachhaltigkeitsagenda 2030 für Oberbayern“, der einstimmig abgenickt wird.

Die Wahl von Aigners Stellvertretern geht ebenfalls geräuschlos über die Bühne. Hinter vorgehaltener Hand aber äußert mancher Delegierte doch Unmut über den im Vorfeld ausgetragenen Kampf um die vier Posten im Bezirksvorstand. Unangebrachte persönliche Eitelkeit finden einige, der Beginn des Rennens um Aigners Nachfolge, mutmaßen andere.

Dobrindt hatte seine Kandidatur zurückgezogen

Zur Kampfabstimmung kommt es in Ingolstadt nur deshalb nicht, weil Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Tage zuvor seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Eigentlich wollte er sich, genau wie Erdings Landrat Martin Bayerstorfer, wieder in den Vorstand wählen lassen.

Frühzeitig hatten Marcel Huber und Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ihren Rückzug aus dem Bezirksvorstand erklärt. Dafür gab es drei neue Bewerberinnen: Tanja Schorer-Dremel, Vize-Fraktionsvorsitzende im Landtag, sowie die von Söder zu Ministerinnen beförderten Kerstin Schreyer (Soziales) und Michaela Kaniber (Landwirtschaft). Das beste Resultat fährt mit 93 Prozent Bayerstorfer ein, vor Kaniber (81 Prozent) und Schreyer (80 Prozent). Schorer-Dremel erhält 71 Prozent Zustimmung.

Ob das Bild der Geschlossenheit hält, das die Oberbayern-CSU auf ihrem Bezirksparteitag zeigt, wird vom Ausgang der Kommunalwahlen 2020 abhängen. Vor allem daran werde man sie wohl messen, glaubt Aigner.

Ilse Aigner hat kürzlich den AfD-Landtagsabgeordneten Ralf Stadler angezeigt. Der Grund: Stadler hatte auf seiner Facebook-Seite eine Fotomontage gepostet, auf der Aigner zu sehen war.

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