Streit um Homo-Ehe eskaliert

„Dann wähl‘ doch CDU“ - SPD-Mann mit peinlicher Twitter-Antwort

Im Streit um die Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren bei der Eheschließung sind einem SPD-Politiker die Sicherungen durchgebrannt. 

Berlin - Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Demokratie ist es die Aufgabe von Lars Castellucci, auf Menschen zuzugehen. Argumente zu hören. Ein offenes Ohr zu haben. Und nicht zuletzt auch seine Meinung und die seiner Partei fundiert und offen kommuniziert auf den Punkt zu bringen. Das alles wäre nicht der Rede wert und wohl lediglich eine kaum nennenswerte Selbstverständlichkeit, hätte sich Lars Castellucci nicht einen Fauxpass erlaubt, der genau das konterkariert, wofür der Bundestagsabgeordnete der SPD eigentlich stehen müsste: den offenen Dialog suchen und mit Argumenten zu überzeugen. Was war passiert?

Alles beginnt mit einem Beitrag einer Twitter-Userin, die die Haltung der Bundesregierung hinsichtlich der Gleichstellung von heterosexuellen und homosexuellen Paaren bei der Eheschließung kritisiert. Hintergrund: Aktuell existiert für homosexuelle Paare nur die seit 2001 bestehende „eingetragene Lebenspartnerschaft“. Diese ermöglicht schwulen oder lesbischen Paaren ähnliche Rechte wie heterosexuellen Paare, schießt jedoch beispielsweise ein Adoptionsrecht aus. Eine vollständige Gleichstellung gibt es in Deutschland also de facto nicht. Konkret stört sich die Nutzerin daran, dass die Regierung am Tag der Homophobie einen „Nein zu Homophobie“-Post absetzte - gleichzeitig jedoch die „Ehe für alle“ immer noch nicht eingeführt wurde.

Neue Wähler dürfte die SPD durch diese Aktion nicht gewonnen haben

„Die Bundesregierung auf FB so: Nein zu Homophobie! Kleine Info: Lesben & Schwulen die Ehe zu verbieten ist homophob“, lautet der Tweet im Wortlaut. So weit, so gut. Doch dann schaltet sich besagter Castellucci ein, schreibt: „Bitte Adressaten benennen: die CDU ist es, die blockiert.“ Dann kommt die Antwort, die den SPD-Mann aus der Fassung bringen sollte. „Ach? Dann hat die SPD heute nicht zum 29 mal im Rechtausschuss einen Vertagungsantrag gestellt?“ Castelluccis knappe, dünnhäutige Reaktion: „Dann wähl doch CDU.“ Rumms, das saß. Aber im negativen Sinne.

Denn das eigentliche Highlight folgt noch. Auf die Rückfrage eines Users, der wissen möchte, warum man einen solchen Spruch ablässt anstatt die Hintergründe zu erklären, kommt es postwendend zurück: „Weil ich mich hier auch blöd angemacht fühle, ok?“ Eine minder kluge Reaktion, wenn man bedenkt, dass es Castellucci war, der sich in die digitale Unterhaltung einmischte - vor dem Hintergrund von drei verlorenen Landtagswahlen und einem bundesweiten Abebben des Schulz-Hypes sicherlich keine kluge Entscheidung; neue Wähler wird die SPD durch diese Aktion jedenfalls nicht gewonnen haben. Das dürfte mittlerweile auch Lars Castellucci erkannt haben. 

lpr

Rubriklistenbild: © Screenshot / Twitter

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser