Deutsche Selbstkritik

Debatte nach Trump: Politiker sollten näher am Bürger sein

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Pegida-Demo in Dresden: Zum Hass auf Fremde gesellt sich der Hass auf Politiker. Foto: ZB/Archiv

Die deutsche Politik denkt über Konsequenzen des US-Wahlergebnisses nach. Das Auftreten der Eliten wird mehr und mehr zum Thema.

Berlin (dpa) - Nach dem Wahlsieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl sehen deutsche Spitzenpolitiker in mehr Volksnähe das beste Mittel gegen Populisten. "Die Menschen haben das Gefühl: Die da oben wollen immer Recht haben", sagte Bayerns Ministerpräsident Seehofer (CSU) dem "Münchner Merkur".

Wenn es dann doch anders laufe, behaupteten Politiker dennoch, Recht gehabt zu haben. "Das ertragen die Menschen nicht mehr." Er forderte die Bundespolitik auf, ihr "Ohr nah an der Bevölkerung" zu haben. "Die Arroganz in Eliten muss aufhören. Viele Bürger haben zunehmend den Eindruck, von Politik und Eliten bevormundet zu werden, und dagegen wehren sie sich."

Eliten in Deutschlands Politik, Wirtschaft und Gesellschaft würden "nicht immer ein gutes Bild" abgeben, schrieb auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung (Donnerstag). Auch sie seien mitverantwortlich für den zunehmenden Populismus.

Die Grünen wollen dagegen bei Populisten auf "Kampfmodus" übergehen. Ziel sei, sich den Positionen klar und deutlich entgegenzustellen, sagte der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour der dpa.

AfD-Partei-Vize Alexander Gauland mahnte unter Politikern "egal welcher Couleur" zur Mäßigung. Im gleichen Zug kritisierte er aber trumpkritische Kommentare von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Zwei Drittel der Deutschen erwarten unter dem designierten US-Präsidenten Trump ein schlechteres Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, wie eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-Politbarometer ergab.

Auch Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft, sieht schlechtere Zeiten voraus. Es sei für die Europäer deshalb an der Zeit, sich von der Großmacht zu emanzipieren. "Europa muss zumindest erwachsen werden", sagte Oettinger im Deutschlandfunk. "Die Zeiten, wo wir uns als kleiner Bruder der USA fühlen konnten, wo wir im Schatten und in der Sicherheit der USA wachsen konnten", gehörten der Vergangenheit an.

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