25.000 Kilometer und fünf Stationen

Trumps Auslands-Tournee: Das steht dem US-Präsidenten bevor

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Auf Reisen: Donald Trump wird an diesem Wochenende viel Zeit in der Air Force One verbringen.

Fünf Stationen umfasst die Auslands-Reise von Donald Trump an diesem Wochenende. Dabei hat der US-Präsident so einiges aufzuarbeiten. Wir geben einen Überblick.

München - Donald Trump wäre nach dieser wohl auch für ihn erschöpfenden Woche in Washington am Freitag bestimmt am liebsten Richtung Florida abgeflogen - in sein Mar-a-Lago, wo er die meisten Wochenenden seiner Präsidentschaft verbracht hat. Stattdessen musste der mächtigste Mann der Welt, der sich zunehmend als verfolgte Unschuld sieht, zu seiner ersten Auslandsreise aufbrechen. Immerhin ist Gattin Melania dabei, wenn er neun Tage fern der Heimat ist. Mehr als 25.000 Flugkilometer und etliche Stationen stehen auf dem Programm.

Was erwarten US-Bürger?

Das ist sehr unterschiedlich. Trump-Fans halten ihrem Matador weiter unverbrüchlich die Treue. Sie glauben an die „Hetzkampagne“ der Trump-Gegner und von Medien, über die der Präsident klagt. Und sie glauben Trumps Prophezeiung, dass die Bestellung des früheren FBI-Chefs Robert Mueller zum Sonderermittler „dem Land schadet“. Dieses Lager will, dass der Präsident im Ausland zeigt, dass „America great“ ist. Seine Gegner erwarten inzwischen jederzeit Unerhörtes. Seine Mitarbeiter im Weißen Haus fürchten auf der Tour durch Gebiete dreier Weltreligionen die vielen Fettnäpfchen.

Saudi-Arabien: Riad ist den USA ein komplizierter Alliierter. Saudi-Arabien und Iran sind die wichtigsten Regionalmächte in Nahost und Erzrivalen. Die USA wollen im Kampf gegen den Terror mehr Unterstützung von Saudi-Arabien, die Scheichs erhoffen sich von Trump mehr eigene Beinfreiheit. Sie sind unglücklich mit dem Atomabkommen mit dem Iran - Trump ist diesbezüglich aber sehr still geworden. Trumps Problem in Saudi-Arabien schildert Anthony Cordesman vom Think Tank CSIS so: „Russland liegt wie ein Schatten über dem Nahen Osten.“ Genauso, könnte man sagen, wie über dem Präsidenten.

Israel: Am Montag landet Trump in Jerusalem und fliegt keine 24 Stunden später weiter. Pikant: Die Geheimdienst­erkenntnisse, die der plaudernde Präsident den Russen verraten hat, sollen aus israelischer Quelle stammen. Die Regierung Netanjahu ignoriert das und baut auf das Versprechen Trumps, er werde Frieden schaffen: „Wir kriegen das hin.“ Nach Treffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Präsident Reuven Rivlin shuttelt Trump am Dienstag mit dem Helikopter nach Bethlehem. Ein Wiedersehen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas - ein Dämpfer für die israelische Regierung.

Das dürfte ihm gefallen: In Israel werden große Hoffnungen mit dem Besuch von Donald Trump verbunden.

Vatikan: Auf die Fotos mit Papst Franziskus freut sich der Mann aus dem Weißen Haus. „Größten Respekt“ habe der Präsident für den Papst, heißt es. Wird Trump aus dem Petersdom twittern, fragen sich viele besorgt.

In Brüssel wird man geflissentlich darüber hinwegsehen, dass Trump während seines Wahlkampfs Belgien als „wunderschöne Stadt“ bezeichnet hat. Es geht dort im Nato-Hauptquartier um die Versicherung der US-Verpflichtungen, um Verteidigungsausgaben und den Kampf gegen den Terrorismus. Der Termin ist eine wichtige Gelegenheit, einander zu versichern, was man eigentlich noch voneinander will.

Taormina: In Sizilien findet sich Trump erstmalig in der Gruppe der sieben großen Industriestaaten. Beschlüsse stehen nicht auf der Tagesordnung, aber man soll nicht unterschätzen, wie wichtig persönliche Kontakte sind. Themen: Wirtschaft, Nordkorea, Afghanistan, der Nahe und Mittlere Osten. Trump, in Taormina auf Sizilien einer von vier Neuen, könnte nach Angela Merkels Besuch im Weißen Haus aber auch eine Scharte auswetzen: mit einem richtig festen Handshake.

Am letzten Abend lädt der italienische Präsident Sergio Mattarella noch zum festlichen Dinner. Am Samstag darf Trump zurück nach Washington. Dann gibt es wieder Steaks well-done mit Ketchup.

Trumps Reiseroute

Woche der Skandale

Montag: Die Washington Post berichtet, Trump habe Russlands Außenminister Lawrow vertrauliche Geheimdiensterkenntnisse verraten.

Dienstag: Trump twittert, er habe das Recht, vertrauliche Informationen zu teilen.

Mittwoch: Laut New York Times notierte der geschasste FBI-Chef Comey in einem Memo, Trump habe ihn um die Einstellung der Ermittlungen gegen Ex-Sicherheitsberater Flynn gebeten.

Donnerstag: Das Justizministerium setzt Sonderermittler Mueller zur Erforschung der Russland-Connection ein.

Freitag: Vize-Justizminister Rosenstein informiert den Senat hinter verschlossenen Türen.

BW

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